Freiwilligenarbeit im Kinderspital oder im Zoo etwa ist derart gefragt, dass Wartelisten bestehen.

Gut für Kinder und Eltern

Die Besuche der Freiwilligen am Bett der kleinen Patientinnen und Patienten im Kinderspital werden seit diesem Frühjahr von der Aladdin-Stiftung koordiniert. Das vorwiegend aus Frauen bestehende Team besteht gegenwärtig aus knapp 50 Personen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren. Sie haben im ersten halben Jahr rund 400 Einsätze geleistet und dabei über 850 Stunden aufgewendet.

Der Einsatz am Kispi ist so beliebt, dass es eine Warteliste für Interessentinnen gibt, die gerne den Kindern vorlesen, mit ihnen spielen, mit ihnen eine Zeit lang zusammen sein möchten, um ihnen die Zeit zu verkürzen. Und um die Familien zu entlasten, sagt Simone Hossmann von der Stiftung. Oft sei es nicht möglich, dass die Eltern so viel Zeit am Bett ihres kranken Kindes verbringen können, wie sie eigentlich möchten. Da sei es ihnen ein Trost, wenn sich jemand aus dem Freiwilligenteam ein bisschen um ihr Kind kümmert.

Demnächst soll das Team aufgestockt werden, um künftig möglichst alle Anfragen abdecken zu können. Wer Teammitglied werden will, kann sich auf www.aladdin-stiftung.ch über die Grundsätze zur Freiwilligenarbeit und das Aufnahmeverfahren informieren.

Am Kinderspital selber sind weitere rund 70 Frauen und einige wenige Männer als Freiwillige tätig, die im Bettenhaus oder in der Poliklinik die kleinen Patientinnen und Patienten samt ihren Eltern in Empfang nehmen und in die jeweilige Station begleiten oder die kleinen Schwestern und Brüder eines Patienten hüten, während die Eltern mit den Ärzten reden.

«Auch hier gibt es eine Warteliste», ist von Eva-Maria Külling, Sachbearbeiterin bei der Sozialberatung im Kinderspital Zürich, zu erfahren. In der Rehabilitationsstation des Kinderspitals in Affoltern am Albis hingegen wären mehrere Helferinnen und Helfer dringend nötig, sagt sie.

Masoala-Halle am beliebtesten

Wartelisten für interessierte Freiwillige kennt man auch beim Zoo Zürich. Claudia Poznik, die Leiterin des jetzt aus über 280 ehrenamtlich tätigen Frauen und Männern bestehenden Teams, bestätigt: «Wir müssen keine Werbung machen, die Interessenten kommen von selber zu uns.» Offenbar sei die Kombination von Natur und Tieren sowie der rege Publikumskontakt sehr attraktiv.

Die Zoofans können wählen, ob sie lieber an den Informationstischen Auskunft geben wollen, ob sie Kindergeburtstage betreuen, sich an Senioren- und Behindertenrundgängen beteiligen oder eine andere Aufgabe übernehmen wollen. Sie müssen sich verpflichten, 50 Stunden im Jahr präsent zu sein. «Doch das ist kein Problem», merkt Claudia Poznik an, letztes Jahr seien nämlich 22 000 Stunden zusammengekommen, was pro Mitglied im Durchschnitt 80 Stunden ergebe.

Hit unter den Einsatzbereichen sei die Masoala-Halle, doch seien die Vorlieben der Teammitglieder so breit gefächert, dass kein Bereich, wo man Freiwillige brauche, unberücksichtigt bleibe. Im Team habe man sogar einige Spezialisten, etwa bei den Reptilien, die selber zuhause ein Terrarium ihr Eigen nennen. «Oder andere, die gern Reptilien bei sich beherbergen möchten, dies aber nicht tun dürfen», fügt Poznik bei.

Wer neu zum Team stossen möchte, hat übrigens zunächst einen mehrteiligen Kurs zu besuchen, der mit einer Prüfung endet. Das Depot von 200 Franken, das Kursteilnehmer zu hinterlegen haben, wird zurückerstattet, wenn man anschliessend 50 Stunden als Freiwilliger gearbeitet hat.

Im nächsten Mai beginnt ein neuer Kurs, bis dann hat man sich zu gedulden. Wer ein eigentliches Praktikum absolvieren will, hat sogar eine Gebühr zu bezahlen. Damit will man sicherstellen, dass sich nur Kandidaten melden, denen daran gelegen ist, das Praktikum dann auch durchzustehen.

Die «neuen Freiwilligen»

Haben Kinderspital und Zoo keine Mühe, freiwillige Helferinnen und Helfer zu finden, müssen sich andere Institutionen besonders anstrengen, um ehrenamtlich tätige Personen zu finden. «Mancher Verein etwa hat Mühe, Vorstandsmitglieder zu finden», ist von Alina Spörri von der Stadtzürcher Kontaktstelle Freiwilligenarbeit zu erfahren.

Auch für besonders anspruchsvolle Einsätze wie etwa der Sterbebegleitung oder für Gefangenenbesuche stehen die Freiwilligen nicht Schlange. Hingegen finden sich etwa für Deutschkurse für Migrantinnen und Migranten immer wieder Helferinnen und Helfer, ebenso für den Schreibdienst, der in den Zürcher Sozialzentren für Leute angeboten wird, die Mühe haben, einen Brief zu schreiben oder ein Formular korrekt auszufüllen.

«Die ‹neuen Freiwilligen›, wie wir sie nennen, sind gern gewillt, einen Einsatz zu leisten», führt Alina Spörri aus, «wobei ihnen wichtig ist, dass sie dabei ihren Horizont erweitern und etwas Neues anpacken können, das sie herausfordert.»