Kann eine Zeugenaussage einer Frau, die eine andere Frau verunglimpft, wahr sein? Oder ist die Angeschuldigte mangels anderer Beweismittel «in dubio pro reo» freizusprechen? Das Bundesgericht sagt: Eine Aussage reicht.

Eine Hundehalterin spazierte im Juni 2013 mit fünf Hunden. Einer davon, ein Husky-Bernhardiner-Mischling, «entfernte sich von der Gruppe» und er «bejagte einen Sprung Rehe im Wald», heisst es im Urteil des Bundesgerichts. Dies hatte eine Zeugin beobachtet, die den Vorfall dem Veterinäramt meldete. Das Statthalteramt, das Bezirksgericht, das Obergericht und nun das Bundesgericht stützten sich auf diese Aussagen ab und verurteilten die Frau wegen «fahrlässigen Jagenlassens eines Hundes» zu einer Busse von 500 Franken.

Es habe sich gar nicht um einen ihrer Hunde gehandelt, hatte die beschuldigte Hundehalterin geltend gemacht. Dass sich die Gerichte als einzige Beweismittel auf die Aussagen der Zeugin berufen, sei Willkür. Die Zeugin habe sich stets mindestens 50 Meter entfernt aufgehalten. Sie habe aufgrund der Hügel und Wälder gar nicht alles sehen können. Zudem äussere sich die Zeugin so negativ über sie als Person, dass die Anschuldigungen doch falsch sein müssten.

Das Obergericht hatte diesbezüglich schon festgehalten, dass es zutreffe, dass sich die Zeugin «negativ über die Beschuldigte» äussere. Treffen die Vorwürfe zu, «ist jedoch verständlich, dass die Zeugin, die selbst Hundehalterin ist und auch Kurse für Hundehalter gibt, das Verhalten der Beschuldigten kritisiert». Daraus könne kein «Motiv für eine falsche Anschuldigung abgeleitet werden».

Auch das Bundesgericht kam nun zum Schluss: «Diese Angaben schmälern die Glaubhaftigkeit der Zeugenaussage nicht.» Es seien keine Indizien für eine falsche Zeugenaussage ersichtlich. Insgesamt seien die Aussagen der Zeugin glaubwürdig. Und weil die beschuldigte Hundehalterin selber geltend macht, sich nicht an den Vorfall erinnern zu können, könnten deren Angaben laut Bundesgericht gar nicht bewertet werden; von «punktuellen Behauptungen» hatte die Vorinstanz gesprochen. Das reicht für ein «in dubio pro reo» nicht aus.

Zudem wäre es doch «ein unwahrscheinlich grosser Zufall», wäre an jenem Tag zur selben Zeit ein anderer, ähnlicher Hund den Rehen nachgejagt, der dann «wie vom Erdboden verschluckt» gewesen sei, hatte schon das Obergericht festgehalten. (og)