100 Tage im Amt
Walker Späh will Bewegung ins Flughafen-Dossier bringen

Nach ihren ersten 100 Tagen im Amt hat Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) am Freitag ausgeführt, wie sie in heiklen Dossiers wie etwa dem Fluglärm handeln will.

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Carmen Walker Späh (Archiv).

Carmen Walker Späh (Archiv).

Keystone

Beim Flughafen ist ihre Haltung klar: Sie ist gegen "Südstarts straight" und gegen eine gleichmässige Verteilung des Lärms. Die Interessen Zürichs seien zudem höher zu gewichten als jene der Nachbarkantone.

"Einfach wird das nicht", sagte Carmen Walker Späh über eines der schwierigsten Dossiers auf ihrem Pult. Beim Fluglärm sei es praktisch unmöglich, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen. Um das Thema vorwärts zu bringen, will sie den Dialog mit den Beteiligten wieder intensivieren. In den vergangenen Jahren wurde ihrer Meinung nach nicht immer genug mit den Beteiligten geredet.

Intensiverer Austausch mit Swiss und Flughafen

Im November will sie deshalb eine konsultative Konferenz mit den Gemeinden und ein Info-Forum für Bürger und Verbände aus allen Himmelsrichtungen einberufen. In früheren Jahren waren die Beteiligten solcher Gesprächsrunden häufig enttäuscht, weil keine nennenswerten Fortschritte erzielt wurden. "Auch mit der Swiss und dem Flughafen will ich einen intensiveren Austausch pflegen", sagte Walker Späh.

Ihre Haltung, die sie bereits als Kantonsrätin hatte, ändert sie dabei nicht. Sie ist gegen eine gleichmässige Verteilung des Lärms auf alle Himmelsrichtungen und gegen "Südstarts straight", die vom Bund in Erwägung gezogen werden und die über das am dichtesten besiedelte Gebiet führen würden. "Ziel muss es sein, die Zahl der belasteten Anwohner möglichst klein zu halten. Ich glaube nicht, dass der Bund dies ignorieren kann."

Sie will sich zudem in Bern dafür einsetzen, dass die Interessen Zürichs stärker gewichtet werden als jene der Nachbarkantone, "die kaum Fluglärm haben, aber sich immer mit der Nähe zum Flughafen anpreisen".

Bedürfnisse der Menschen höher gewichten als Naturschutz

Vorwärts bringen will sie auch die zahlreichen Strassenbau-Projekte, die in ihrem Departement seit Jahren pendent sind, etwa die Umfahrung in Eglisau. "Leider kommen solche Projekte wegen Partikularinteressen oft nur langsam voran oder werden gar nicht realisiert." Unter ihr soll dies anders werden - mit einer deutlichen Haltung: "Mich stört es, dass der Naturschutz oft höher gewichtet wird als die Bedürfnisse der Menschen, die tagtäglich durch Durchgangsverkehr belastet werden."

Ein wichtiges Thema ist auch die Frankenstärke und das Verhältnis zur EU. Sie werde sich in Bern mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Schweiz die bilateralen Verträge mit der EU erhalte, kündigte sie an. "Ohne diese Verträge wird die Zürcher Wirtschaft empfindlich geschwächt, viele Arbeitsplätze wären gefährdet."

Stocker räumte nicht auf

Ihre ersten 100 Tage im Amt bezeichnete Walker Späh als sehr intensiv. Der Wechsel von der Kantonsrätin zur Regierungsrätin habe ihr Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Ihre Motivation sei in den ersten 100 Tagen aber nur noch grösser geworden. "Ich bin mit Herzblut Volkswirtschaftsdirektorin", sagte sie.

Turbulent war jedoch ihr Einstand: Weil ihr Vorgänger Ernst Stocker (SVP) keine Hinweise auf einen allfälligen Departementswechsel im Büro hinterlassen wollte, verzichtete er vor der Ressort-Verteilung auf jegliche Aufräum-Aktionen. "Sein Büro sah nicht besonders aufgeräumt aus", sagte Walker Späh. Die erste Woche sei deshalb etwas anstrengend gewesen.

Weil der heutige Finanzdirektor Stocker zudem mit seiner bisherigen Assistentin weiterarbeiten wollte, stand Walker Späh unverhofft ohne persönliche Mitarbeiterin da. "Das erschwerte den Start zusätzlich." Die Mitarbeitenden im Generalsekretariat hätten sie in ihrer leichten Verzweiflung aber wunderbar unterstützt. "Bereits nach einer Woche waren wir ein super Team, ganz ohne teambildende Massnahmen wie Bungee Jumping."