Verschneiter Züri Zoo

Während die Tiere Energie sparen, heizt der Zoo kräftig ein

Wie überstehen die Tiere die kalte Jahreszeit im Zoo Zürich? Der Direktor Alex Rübel erklärt Spannendes rund ums Thema Überwinterung und Energiebedarf.

Der Zoo Zürich, laut Zoodirektor Alex Rübel einer der höchstgelegenen Zoos in Europa, ist tief verschneit. Die Elefanten haben sich in ihre neue Halle zurückgezogen, die Dschelada-Affen paarweise in Felsnischen gekuschelt. Ein Brillenbär gräbt mit tapsigen Bewegungen im Schnee, der sein Gehege auf dem Zürichberg bedeckt. Zebras suchen Schutz vor dem Schneetreiben unter einem Unterstand und knabbern etwas Heu, das dort am Boden liegt. Die Schneeleoparden scheinen an der weissen Pracht ihre helle Freude zu haben: Zwei von ihnen tollen im Tiefschnee herum.

«Für die Tiere ist der Winter kein Problem, wir sind entsprechend eingerichtet», sagt Rübel. Tiere wie zum Beispiel die Affen, Nashörner und Elefanten, die von Natur aus in wärmeren Gefilden zu Hause sind, würden in der kalten Jahreszeit einfach öfter mal die Innenanlagen aufsuchen. Im Übrigen sei es auch in Indien, von wo die Elefanten stammen, in manchen Gegenden im Winter sehr kalt.

Ebenso in der texanische Wüste, der natürlichen Heimat einiger Echsenarten des Zoos. «Wir kühlen manche Echsen, die in der Masoala-Halle leben, im Winter sogar extra ab», sagt Rübel. Ein Raum ohne Heizung werde dafür genutzt. So kommen auch die Echsen auf die Betriebstemperatur, die für sie der Jahreszeit entspricht.

Einzig für die Flamingos könne der Winter problematisch werden, wenn der Tümpel gefriert, in dem sie normalerweise herumwaten. Eine Eisschicht würde ihnen die Nahrungssuche verunmöglichen, da sie das Wasser im Schnabel abseihen, um zu ihrem Futter zu kommen. Doch auch ihnen steht im Zoo, für die normalerweise kurze Eiszeit im Zürcher Winter, ein Stall zur Verfügung.

Komfortabel haben es die Löwen: In ihrem Freiluft-Gehege ist eine Felsplatte mit einer Heizschlaufe unterlegt, sodass sie sich dort oft den Zoo-Besuchern präsentieren, wenn es kalt ist. Daneben steht ihnen zudem das beheizte Löwenhaus zur Verfügung. Einige Zootiere, wie etwa der Brillenbär, schränken ihre Aktivitäten im Winter von Natur aus stark ein. Sie verfallen in Winterruhe, liegen oft faul herum und fressen weniger. Andere, wie der Mausmaki, schlafen monatelang.

Biogas aus Mist

Während viele Tiere ihren Energieverbrauch im Winter stark drosseln, vervielfacht sich jener des Zoos. Die Masoala-Halle etwa, der überdachte künstliche Regenwald des Zoos, kommt laut Rübel während neun Monaten im Jahr ganz ohne Heizung aus. «Im Winter steigt ihr Energiebedarf um das X-fache.» Ein schlechtes Gewissen hat der Zoodirektor, der den Zoo seit Jahren als Naturschutzzentrum positioniert, deswegen aber nicht. «Wir sind CO2-neutral und verwenden zu 100 Prozent Ökostrom», sagt Rübel.

Der Strom, den der Zoo beim Stadtzürcher Elektrizitätswerk bezieht, stamme vollumfänglich aus erneuerbaren Energiequellen. Einen Teil der benötigten Energie produziert der Zoo gleich selbst: So gibt es bei den Kamelen eine Photovoltaikanlage. Grünabfälle und Mist werden für die Produktion von Biogas verwendet.

64 Prozent des Wärmebedarfs liefert die zooeigene Holzschnitzelheizung. Der Grossteil der für den Masoala-Regenwald benötigten Wärme stammt aus 50 Erdsonden, die je 250 Meter tief reichen.

Die neuen Zoo-Anlagen seien allesamt energetisch auf dem neusten Stand und auch mit Messgeräten ausgestattet, um die Temperatur zu kontrollieren und aufs nötige Minimum zu beschränken. Die letztes Jahr eröffnete Elefantenhalle etwa werde im Winter nur auf 16 Grad geheizt. Ältere Anlagen werden kontinuierlich nachgerüstet. Dieses Jahr ist das alte Afrikahaus an der Reihe, dem Rübel derzeit punkto Energieeffizienz gerade mal die Note 4 gibt. Für seine Nachhaltigkeits-Bemühungen investiere der Zoo jedes Jahr mehrere hunderttausend Franken. 

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