Zürich

Wachstum in Zürich soll «klimafit» gestaltet werden

Die nun vorliegenden Richtpläne verpflichten die Behörden generell, Massnahmen zur Verbesserung des lokalen Klimas zu prüfen und umzusetzen.

Die nun vorliegenden Richtpläne verpflichten die Behörden generell, Massnahmen zur Verbesserung des lokalen Klimas zu prüfen und umzusetzen.

Bis 2040 sollen in der Stadt Zürich rund 500'000 Menschen wohnen, rund 90'000 mehr als heute. Dieses Wachstum soll gemäss Stadtrat «klimafit und qualitätvoll» geschehen. Er hat nun die entsprechenden kommunalen Richtpläne an den Gemeinderat überwiesen.

Der Gemeinderat muss diese kommunalen Richtpläne beraten und festsetzen. Danach muss sie die kantonale Baudirektion genehmigen. Dies dürfte laut Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) wohl 2021 der Fall sein. Richtpläne sind für die Behörden verbindlich und schaffen planerische Voraussetzungen.

Konkret handelt es sich um den kommunalen Richtplan Siedlung, Landschaft, öffentliche Bauten und Anlagen und um den kommunalen Richtplan Verkehr. Beide Planungsinstrumente wurden nach der öffentlichen Auflage überarbeitet. Insgesamt gingen 285 Einwendungen und 1000 Anträge ein. Das zeige, dass die Themen die Leute interessieren, sagte Hochbauvorstand André Odermatt (SP) am Mittwoch vor den Medien.

Lokales Klima verbessern

Die nun vorliegenden Richtpläne verpflichten die Behörden generell, Massnahmen zur Verbesserung des lokalen Klimas zu prüfen und umzusetzen.

Eine solche Massnahme ist beispielsweise die periodische Überprüfung der Entwicklung der Anteile an Zweitwohnungen in der Stadt Zürich. Bei einer «problematischen Entwicklung» sollen gemäss Siedlungsrichtplan «geeignete Massnahmen» ergriffen werden. Man werde genau hinschauen, sagte Mauch. Derzeit sei der Anteil relativ gering.

Im Siedlungsrichtplan finden sich zur Klimaverbesserung auch Stichworte wie Gartenstadt, ökologische Vernetzungskorridore und Freiräume. Bei den Freiräumen beispielsweise möchte die Stadt nicht nur auf die Zugänglichkeit, sondern auch auf die Qualität von privaten Freiräumen hinwirken können.

Dies könne etwa bedeuten, dass private Innenhöfe oder Dachterrassen öffentlich zugänglich werden sollten, sagte Tiefbauvorstand Richard Wolff (AL) vor den Medien.

Zudem gibt es Karten, die neu die Kaltluftbereiche des Hangabwindes und die am Tag und in der Nacht besonders überwärmten Gebiete - sogenannte Hotspots - aufzeigen.

In diesen Hotspots wird im Verkehrsrichtplan ein dichtes Netz an Fussverbindungen mit erhöhter Aufenthaltsqualität festgelegt, damit Schatten, Brunnen, Bäume oder Bänke den Aufenthalt angenehmer machen.

Mehr Platz, weniger Parkplätze

Damit der Verkehrsrichtplan umgesetzt werden kann, braucht es gemäss Wolff in erster Linie mehr Platz. Dazu sei eine Neuverteilung des öffentlichen Raums nötig. Ansetzen könne man bei Fahrbahnflächen und Parkplätzen, so der Tiefbauvorsteher weiter. Das sei in Zürich natürlich ein heisses Eisen. Aber dort könne zusätzlicher Platz entstehen für Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr, Bäume, Boulevardcafés und für den Güterumschlag. Grundsätzlich müsse man die Stadt «klimafit gestalten».

Der Stadtrat schlägt deshalb eine Weiterentwicklung des Historischen Parkplatzkompromisses vor, um in der Innenstadt mehr Spielraum für Fussgänger-, Velo- und Grünflächen sowie Bäume zu schaffen. Neu sollen oberirdische Parkplätze bis zehn Prozent unter den Stand von 1990 ohne Kompensation aufgehoben werden können.

Der Historische Parkplatzkompromiss stammt aus dem Jahr 1996. Damals einigten sich SP und Bürgerliche darauf, die Parkplatzzahl in der Innenstadt auf dem Stand von 1990 einzufrieren, oberirdische Parkplätze in der Innenstadt bei einem Abbau unterirdisch zu kompensieren. Es geht um rund 7700 Parkplätze. (sda)

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