Kanton Zürich
Vorzeitige Einschulung: Jedes vierte Kind muss repetieren

Im Kanton Zürich schicken immer mehr Eltern ihre Kinder vorzeitig zur Schule. Gemäss einer aktuellen Studie müssen diese Schüler jedoch öfter eine Klasse wiederholen.

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Jedes vierte Kind, das 2010 früher eingeschult wurde, muss eine Klasse wiederholen.

Jedes vierte Kind, das 2010 früher eingeschult wurde, muss eine Klasse wiederholen.

Keystone

Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder ein Jahr früher in den Kindergarten – doch genau diese büssen später dafür. Im Kanton Zürich liegt das offizielle Einschulungsalter bei vier Jahren, seit 2007 wurde die vorzeitige Einschulung vereinfacht: Zuvor haben Schulbehörden solche Gesuche nur ausnahmsweise bewilligt, heute wird diese Möglichkeit jedoch rege genutzt. Im Vergleich zu 2001 sind es heute dreimal mehr Kinder, die vorzeitig zur Schule geschickt werden, wie eine Studie der Bildungsdirektion Zürich aufdeckte. Diese überprüfte die Schulkarriere von 2000 Zürcher Schülern.

Jedoch entpuppen sich viele Früheingeschulte dann doch nicht als Überflieger und – vor allem Jungen – müssen bis zum Ende der dritten Klasse eine Klasse repetieren. Gemäss Studie betrifft dies jedes vierte Kind, das im Jahr 2010 früher eingeschult wurde. Von den früh eingeschulten Repetenten besuchen im Kanton Zürich sogar bis zu 90 Prozent ein 3. Kindergartenjahr und sind beim Eintritt in die erste Klasse wieder gleich weit wie die regulär eingeschulten Kinder. Bei diesen «normalen» Kindern ist die Anzahl der Repetenten bis zur 3. Klasse dreimal tiefer.

Stadt-Land-Differenz

Zu beobachten ist dieses Phänomen vor allem in der Stadt, wie der "Tagesanzeiger" schreibt, denn Zürich ist Spitzenreiter mit vorzeitigen Einschulungen; so wurden im Bezirk zwischen 2007 und 2014 über vier von 100 Kindern vorzeitig zur Schule geschickt. Auf dem Land ist das Gegenteil zu beobachten: Hier werden Kinder öfter verzögert eingeschult. So liegt die Zahl für vorzeitig Eingeschulte im Bezirk Dietikon knapp über einem und die der verspätet Eingeschulten bei knapp über zwei Prozent. Im Bezirk Affoltern sind es gar knapp sechs Prozent der Kinder, die verspätet, also zum Beispiel erst mit fünf Jahren, eingeschult werden.

Die Forscher der Studie sehen zwei Gründe in diesem Phänomen: Einerseits sind die Bildungserwartungen auf dem Land tiefer als in der Stadt, andererseits werden Gesuche um verfrühte Einschulungen in Zürich lockerer gehandhabt, während in anderen Bezirken ein ärztliches Attest und nicht nur das Gesuch der Eltern verlangt wird.