Flughafen

Vorsicht beim Tierkauf im Urlaub: Unerlaubte Tiereinfuhr wird teuer

Illegal angepriesene Jungtiere regen Mitleid an. Spätestens am Schweizer Flughafen ergeben sich jedoch Probleme.

Illegal angepriesene Jungtiere regen Mitleid an. Spätestens am Schweizer Flughafen ergeben sich jedoch Probleme.

Wird ein Tier am Zoll beschlagnahmt, weil die erforderlichen Einfuhrpapiere fehlen, müssen Halter tief in dieTaschen greifen. Neben den Kosten für den vorübergehenden Aufenthalt sind oft auch saftige Bussen zu bezahlen.

Trotz aller Warnungen versuchen Leute immer wieder, unerlaubt Tiere in die Schweiz einzuführen. Gerhard Wegmüller, der mit seiner Firma für internationale Transporte am Flughafen Zürich eng mit dem Zoll zusammenarbeitet, weiss aus erster Hand, welche Folgen eine illegale Einfuhr haben kann. «Einmal hat ein junger Mann einen Ara-Papagei in seinem Rucksack im Flugzeug mitgeführt. Am Zoll in der Schweiz ist er erwischt worden», erzählt er. Natürlich durfte dieser den Vogel nicht behalten, da es sich um eine geschützte Art handelte und der Passagier keine Einfuhrpapiere vorweisen konnte. Je nachdem, wie die Verfügung für eine unerlaubte Einfuhr von Tieren lautet, können Bussen bis 10 000 Franken ausgesprochen werden. In jedem Fall muss der Besitzer aber für die Aufenthaltskosten des Tieres am Flughafen und für eine allfällige Rückschaffung aufkommen.

Mitleid ist fehl am Platz

Gerhard Wegmüller und sein Team sorgen dafür, dass die beschlagnahmten Tiere vorübergehend an einem sicheren Ort auf dem Areal untergebracht werden. Nach drei bis fünf Tagen läuft die Frist jedoch ab. Können die Besitzer der Tiere bis dahin keine gültigen Papiere vorweisen, müssen Hunde, Katzen oder Vögel entweder dorthin zurückgebracht werden, woher sie stammen, oder es bleibt nichts anderes übrig, als sie einzuschläfern. Das passiert unter Umständen mit all jenen Hunden und Katzen, die von Ferienreisenden aus übertriebener Tierliebe mit in die Schweiz gebracht werden.

«Eltern tun weder der Familie noch den Tieren einen Gefallen, wenn sie dem Betteln ihrer Kinder nachgeben», sagt Wegmüller. Zwar zeigt er ein gewisses Verständnis dafür, dass man sich während des Urlaubs um die herzigen Vierbeiner kümmert. «Aber danach ist Schluss, die Tiere bleiben, wo sie sind.» Zu oft ist er mit Tränen konfrontiert worden, wenn das lieb gewonnene Büsi oder der drollige Hund auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Das Bundesamt für Veterinärwesen hat klare Richtlinien erlassen, wie mit lebenden Feriensouvenirs umgegangen wird. In einer Mitteilung heisst es: «Hunde und Katzen, die von Urlaubern im Ausland aufgegriffen oder gekauft wurden und nicht über die nötige Impfung verfügen, bereiten Schwierigkeiten. Die Tiere müssen nämlich über einen ausreichenden Impfschutz gegen Tollwut verfügen, das heisst vor mindestens 30 Tagen und maximal zwölf Monaten geimpft worden sein (tierärztliches Zeugnis), wobei man junge Tiere frühestens im Alter von drei Monaten impfen kann. Hunde zwischen dem 3. und 5. Lebensmonat können nicht ohne Bewilligung importiert werden.» Eine legale Einfuhr von Tieren, die vermeintlich gerettet werden, ist also so gut wie unmöglich.

Airlines vernachlässigen Pflicht

Wegmüller erklärt, dass die Airlines eigentlich verpflichtet wären, die Papiere der zu transportierenden Tiere beim Einchecken zu prüfen. Weil das oft vernachlässigt werde, käme es dann am Ankunftsort zu Komplikationen. Diese zu bereinigen, sei kein schöner Job, sagt Wegmüller, der auf fünf Jahre Erfahrung zurückblickt. Jährlich komme es zu 50 bis 70 Beschlagnahmungen allein am Flughafenzoll. «Letzte Woche hatten wir es innerhalb weniger Tage gleich mit neun Fällen zu tun», sagt er. Das sei eine erstaunlich hohe Zahl. Manchmal seien die Leute, denen die Tiere weggenommen werden, zudem «arrogant und frech – und sogar gewaltbereit». Es sei auch schon zu Schlägereien gekommen.

Doch nicht immer handelt es sich bei den illegal eingeführten Tieren um in den Ferien gerettete Vierbeiner. Auch der Handel mit illegal eingeführten Hunden vor allem aus den Balkanländern blühe. «Diese Leute interessiert es nicht, was mit den Hunden passiert, nachdem sie beschlagnahmt worden sind. Sie nehmen in Kauf, dass sie getötet werden», sagt Wegmüller. Sein Team arbeitet im Schichtbetrieb von 6 bis 23 Uhr – und die Arbeit wird ihnen so schnell nicht ausgehen.

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