Gute Nachricht für die Fische in der Limmat, vor allem die männlichen. Die Stadt Zürich hat ihrer Kläranlage Werdhölzli eine weitere Reinigungsstufe hinzugefügt. Diese entfernt mittels Ozon Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser. Dazu gehören Rückstände aus Medikamenten und Kosmetika, aus Pflanzen- und Materialschutzmitteln. Bei den männlichen Fischen führen sie zur Verweiblichung. Über das Trinkwasser gelangen sie auch in die menschliche Nahrung. Mit der gestern eingeweihten Ozonungsanlage sind die Stadtzürcher Abwässer nun zu 80 Prozent frei von solchen Verunreinigungen.

In Dübendorf ist bereits eine Ozonungsanlage in Betrieb. Das Stadtzürcher Pendant ist von der Kapazität her ein Mehrfaches grösser. Vor allem konzeptionell brauchte es dafür ganz neue Ansätze, sagte an der gestrigen Medienkonferenz Peter Wiederkehr, Direktor ad interim bei ERZ Entsorgung + Recycling Zürich. Eingebunden gewesen seien denn auch Fachleute von der ETH, der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) und des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Vier Wochen lief die Anlage schon im Testbetrieb. Es gab nichts zu beanstanden, und so wurde auch die amtliche Bewilligung erteilt.

Geld gespart

Somit erweist sich die Stadt Zürich als Musterschülerin. Seit 1. Januar 2016 schreibt das eidgenössische Gewässerschutzgesetz diese zusätzliche Reinigungsstufe für alle Kläranlagen mit einem Einzugsgebiet von mehr als 80'000 Einwohnerinnen und Einwohnern vor. Die Umsetzung hat innerhalb von 20 Jahren zu erfolgen.

Indem die Stadt Zürich nun die Vorgabe bereits erfüllt, spart sie. Das liegt am Finanzierungsmechanismus. Schweizweit sollen die neuen Anlagen rund 1,2 Milliarden Franken kosten. Das Gesetz schreibt einen Fonds vor. Die Gemeinden haben ihn mit 9 Franken pro Jahr und Einwohner zu speisen – bis sie ihre Ozonungsanlage in Betrieb nehmen. Für die Stadt Zürich bedeutet dies, dass sie ab 2019 befreit ist von ihrem Fondsbeitrag über 3,7 Millionen Franken jährlich.

Kleine Blitze

42 Millionen Franken dürfte die neue Anlage kosten, wie gestern ausgeführt wurde. Bewilligt waren 50 Millionen. Nach der Rückerstattung aus dem Fonds sollen die Kosten für die Stadt noch rund 15 Millionen Franken betragen. Allerdings sind die Betriebskosten relativ hoch. Sie belaufen sich auf 2,2 Millionen Franken jährlich. Davon entfällt eine Million allein auf die Stromrechnung.

Viel Strom wird für die Herstellung des Ozons gebraucht. Es wird aus reinem Sauerstoff gewonnen. Dafür wurden eine Sauerstofferzeugungsanlage und acht Ozongeneratoren installiert. In Letzteren entsteht das Ozon mittels künstlicher kleiner Blitze. Es sei von Anfang klar gewesen, dass man das Ozon vor Ort herstellen wolle, sagte Wiederkehr. Andernfalls hätte dies eine tägliche Lastwagenfahrt aus Basel nötig gemacht. Für unerwartete Betriebsausfälle steht ein mehrere Meter hoher Sauerstofftank bereit.

Die neu erstellte Anlage ist 70 Meter breit und 45 Meter lang. Die Fassade ist mehr als acht Meter hoch. Die Kapazität beträgt rund 6500 Liter pro Sekunde. Das Abwasser durchflutet dabei in vier Bahnen mehrere Tanks hintereinander, während das Ozon durch es hindurchsprudelt. Dabei werden die Molekülketten der Schadstoffe zerstört. Da Ozon giftig ist, ist auch die Lüftung wichtiger Bestandteil des Prozesses.

Als vorletzte Stufe

Der neue Gebäudekomplex bildet äusserlich den Abschluss in der Reihe der bisherigen Reinigungsstufen. Die Ozonierung fügt sich aber als vorletzter Schritt in den bisherigen Reinigungsablauf ein. Das ozongefilterte Wasser wird zunächst noch einmal weg von der Limmat in die bestehende Sandfiltration gepumpt. Erst von dort fliesst es dann unter der neuen Anlage hindurch ab in den Fluss.

Mikroverunreinigungen wirken bereits in sehr kleinen Mengen schädlich. Wie klein, veranschaulichte Wiederkehr wie folgt: Was man hier aus dem Wasser entferne, sei etwa so stark konzentriert wie 43 Stück Zucker, die man in den Greifensee geworfen habe.

Eingeladen zur Medienkonferenz hatte Richard Wolff (AL). Es war die erste nach seinem Wechsel anfangs Juni ins Tiefbaudepartement. «Sauberes Wasser ist essenziell», hielt er fest. Während der Führung anschliessend durch die Anlage zeigt er sich nicht minder interessiert als die Medienschaffenden.