Zürich
Von wegen Coronakrise: fast 600 neue Unternehmen im März gegründet

Trotz Corona-Krise wurden letzten Monat überraschend viele neue Firmen im Zürcher Handelsregister eingetragen. Ein Fachmann stellt ihnen schlechte Prognosen – mit einer Ausnahme.

Heinz Zürcher
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Viele Schreiner und andere Handwerker haben sich im März beim Handelsregisteramt angemeldet.

Viele Schreiner und andere Handwerker haben sich im März beim Handelsregisteramt angemeldet.

Symbolbild: Keystone

Mit so vielen Firmengründungen hatte Hans-Jakob Käch nicht gerechnet. Der stellvertretende Amtsleiter des Zürcher Handelsregisteramtes sagt: «Wir hatten einen deutlichen Einbruch erwartet. Das war nicht der Fall und überrascht uns sehr.»

So wurden im März 595 neue Firmen im Zürcher Handelsregister eingetragen, davon 250 GmbH, 213 Einzelfirmen, 91 AG und 41 übrige Rechtsformen. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt nur wenige mehr, total 605 (247 GmbH, 227 Einzelfirmen, 84 AG und 47 restliche). Zur Erinnerung: Am 13. März hatte der Bundesrat die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie verschärft und am 16. März alle Läden, Restaurants und Bars schliessen lassen.

Handwerker und Berater

Laut Sandra Surber, Data-Managerin beim Statistischen Amt des Kantons Zürich, könnten gar noch mehr Eintragungen hinzukommen. «Denn es kann vorkommen, dass wir noch weitere Firmengründungen des ersten Quartals erst mit Datenlieferung des zweiten Quartals erhalten werden.»

Käch hat vor allem in der Baubranche «einen Zuwachs auf hohem Stand» registriert. Viele Schreiner, Dachdecker und andere Handwerker haben sich im Handelsregister eintragen lassen. Firmengründungen gab es aber auch in den Bereichen Beratung und Gesundheitswesen. Und obwohl es für die Gastronomie schon im März düster aussah, gab es auch dort vereinzelte Eintragungen. Im Handelsblatt hat beispielsweise die Zürcher «Sweet and Salty» den Verkauf von Crêpes und Sandwiches angemeldet und die Bronson Food GmbH den Betrieb eines Imbiss-Trucks.

Die Krise als Chance? Nicolas Goetsch, Geschäftsführer von Startzentrum Zürich, ist skeptisch. Im Moment beschäftige sich das Kompetenzzentrum für Gründende und Jungunternehmen im Kanton Zürich vor allem mit Unternehmen im Krisenmodus. «Die Personen, die zu uns kommen, sind meist in der Startphase, noch nicht krisenerprobt, und ihre Unternehmung ist oftmals finanziell nicht genügend abgesichert. Sie befinden sich in einer Art Schockstarre und haben Angst um ihre Existenz.»

Die wenigen, die die Krise nutzen wollen und sich beim Startzentrum melden, kämen aus den Bereichen Import, IT und Psychotherapie. Auch Gründerinnen und Gründer von Nonprofit-Organisationen (NPO) hätten sich gemeldet.

Psychotherapien sind gefragt

Persönlich schätze er deren Chancen für langfristigen Erfolg aber eher tief ein, sagt Goetsch. «Um schnelles Geld zu machen, kann es okay sein, WC-Papier oder Schutzmasken zu importieren. Aber ob diese Personen unternehmerisch genug handeln, um ihr Geschäft auch nach der Krise zu führen beziehungsweise entsprechend anzupassen, ist fraglich.»

Ähnlich sieht er die Situation bei den NPO. Sei das Unternehmen voll auf die aktuelle Krise ausgerichtet, werde es für die Fortführung schwierig. Anders sieht es Goetsch bei den Psychotherapeutinnen und -therapeuten. Ihre Erfolgschancen stuft er höher ein. «Sie sind vom Fach und wollen etwas Langfristiges aufbauen.» Goetsch geht zudem davon aus, dass die psychischen Belastungen aufgrund der Corona-Krise noch zunehmen werden und länger anhalten. «Somit sollte für genug Kundschaft gesorgt sein.»