Wahlen

Von Jägern und Gejagten

Blick in den Kantosratssaal: Wer gewinnt, wer verliert?

Blick in den Kantosratssaal: Wer gewinnt, wer verliert?

Die Zürcher Kantonsratswahlen am 3. April gelten als Testlauf für die eidgenössischen Wahlen im Herbst. Die Befindlichkeiten der Parteien unterscheiden stark: Während die einen froh wären, nicht zu verlieren, geben sich andere weit offensiver.

Am 3. April könnte Bewegung in die Zürcher Parteienlandschaft kommen. So ist den Grünliberalen zuzutrauen, dass sie zulegen. Die grosse Unbekannte ist die im Kanton Zürich neu formierte BDP, welche bei den Kommunalwahlen im letzten Frühling erste Erfolge hat erzielen können. Dank ihrer Machtbasis in Dübendorf könnte die BDP im Bezirk Uster die Fünf-Prozent-Hürde erreichen. Ob sie ihr erklärtes Ziel von zehn Sitzen schafft, ist allerdings mehr als fraglich. Dafür bräuchte es kantonsweit einen Wähleranteil von über fünf Prozent.

Die BDP und die aktuelle Überfliegerpartei GLP in ihre Überlegungen einbezogen haben vor allem die Freisinnigen. Thomas Vogel, Präsident der Kantonsratsfraktion, gibt deshalb die Losung «Sitzzahl halten» aus. Ihm geht es vor allem um eines: «Wir wollen den Abwärtstrend der letzten Jahre brechen.» Gefährdet sieht er FDP-Sitze im Bezirk Uster und Bülach, weil bekannte Persönlichkeiten nicht mehr antreten. Und auch seinen eigenen Sitz (im Bezirk Pfäffikon) werde er nicht im Schlafwagen holen können, mutmasst Vogel.

Ähnlich defensiv gibt sich die EVP. Auch sie will vor allem ihre zehn Sitze halten, so Fraktionschef Peter Reinhard. Obwohl von GLP und BDP bedroht, will die CVP hingegen klar zulegen. Fraktionspräsident Philipp Kutter will «in die Nähe von zehn Prozent» Wähleranteil kommen. Das wären knapp drei Prozent mehr als 2007. Kutter glaubt, mit dem neuen Label «liberal-sozial» punkten zu können.

Ambtiöse Ziele der Grünliberalen

Ebenso ambitiös sind die Ziele der Grünliberalen. Fraktionschef Thomas Maier zielt darauf, den Wähleranteil von 5,8 auf 7,5 Prozent zu erhöhen. Die erhofften 14 Sitze würden der GLP erlauben, in jeder Kommission Einsitz zu nehmen. Langfristig will Maier die Partei auf zehn Prozent etablieren. Dafür müssten die Grünliberalen vermehrt in den ländlichen Gegenden auftrumpfen. Seine Zuversicht nährt sich allerdings vor allem vom Glanzresultat in den Zürcher Gemeinderatswahlen von 2010. Gas will die GLP aber auch im Bezirk Pfäffikon geben, wo sie noch keinen Sitz hat.

Zulegen wollen auch die grössten Parteien SVP und SP - allerdings unter diversen Vorzeichen. SVP-Fraktionspräsident Hans Frei peilt die 60-Sitz-Grenze an, welche der Partei erlaubt, Vorstösse in Eigenregie vorläufig zu unterstützen. Für vier Sitzgewinne sei aber ein Sondereffort nötig. Erfreut ist Frei deshalb über das Gerangel im Bezirk Meilen, wo SVP-Vizepräsident Gregor Rutz der internen und externen Konkurrenz einheizt. Die prominenten Abgänge in den Landbezirken sollten laut Frei relativ leicht zu kompensieren sein, da die SVP etwa in Andelfingen oder im Umland Winterthurs gut verankert ist.

SP will «Zulegen»

Das Ziel der 2007 arg zerzausten SP kann nur «Zulegen» lauten, wie Fraktionschef Raphael Golta bestätigt. Er will keine fixen Zahlen nennen, weiss aber, dass sich die SP überall dort besonders anstrengen muss, wo sie mehr als einen Sitz hat. Und im Bezirk Meilen muss die SP ohne Bisherige antreten - und ohne letztmalige Wahllokomotive Daniel Jositsch. Von Vorteil könnte sein, dass die SP als einzige Partei einen Rücktritt aus dem Regierungsrat zu verkraften hat und (mit Mario Fehr) besonders Gas geben muss, um den Sitz zu verteidigen. Dass seine Partei unter Druck steht, ist sich Golta bewusst: «Es ist klar, dass die SP Schweiz genau nach Zürich schaut.»

«Die Sitzzahl halten» ist das Minimalziel der Grünen. Fraktionschefin Esther Guyer hofft dennoch auf insgesamt drei Sitzgewinne - unter anderen im Bezirk Horgen. Einen grossen Kampf erwartet sie zudem in den Wahlkreisen Meilen und Winterthur-Land sowie im Bezirk Dietikon.

Forscher positionieren sich die Fraktionskollegen der Grünen: die AL. Laut Markus Bischoff liege eine Verdoppelung der zwei Sitze im Bereich des Möglichen. Ein zusätzlicher Sitz soll in Winterthur, einer im Zürcher Kreis 6/10 geholt werden. Das Fünf-Prozent-Quorum hat die AL im Zürcher Kreis 4/5 auf sicher.

Zumindest eine Fraktion bleiben will die EDU. Einen zusätzlichen, sechsten Sitz peilt die Partei laut Fraktionschef Stefan Dollenmeier vor allem im Wahlkreis Winterthur-Stadt und im Bezirk Pfäffikon an, wo die Fünf-Prozent-Hürde geknackt werden soll.

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