Neuzuzüger
Von der Stadtpräsidentin persönlich: Warmer Empfang für die ersten 400000er

Seit Mittwoch zählt Zürich erstmals seit 40 Jahren wieder über 400000 Einwohner. Die Neuzuzüger zu einem Apéro zu bewegen war jedoch nicht ganz einfach.

thomas Marth
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Bitte recht freundlich: Stadtpräsidentin Corine Mauch posiert mit dem Türken Emre Aydin anlässlich derBegrüssung der neuen Einwohner der Stadt Zürich. KEYSTONE

Bitte recht freundlich: Stadtpräsidentin Corine Mauch posiert mit dem Türken Emre Aydin anlässlich derBegrüssung der neuen Einwohner der Stadt Zürich. KEYSTONE

Zürich zieht vor allem Männer an, wie es scheint. Die einzige Frau, welche Stadtpräsidentin Corine Mauch am gestrigen Empfang für die 400 000sten Zürcher begrüssen konnte, war Yuko Suzuki (56).

Sie ist zugezogen von Küsnacht, zusammen mit ihrem Lebenspartner Markus Baumgartner (66). Die zwei führten bis vor kurzem in Zürich an der Freischützgasse 10 ein Japan-Restaurant. Jetzt betreiben sie nur noch den dazugehörigen Web-Shop, weil die in Japan wohnenden Eltern von Yuko Suzuki gesundheitliche Probleme haben und das Paar öfters bei ihnen weilt.

Eine Wohnung in Zürich suchten sie ursprünglich, damit der Arbeitsweg kürzer wird. Nun, da sie eine gefunden haben, ist die Situation ganz anders – und trotzdem gut für sie. «Mit dem Alter schätzt man die Stadt, weil alles nah ist», sagt Frau Suzuki. Und wenn es die Umstände zulassen, wollen sie ein neues Japan-Restaurant in Zürich eröffnen.

Sicherheit, Lebensqualität

Eine Art Rückkehr zu den Wurzeln betreibt Georges Moser (37). Sein Grossvater war der in der Enge aufgewachsene Künstler Wilfried Moser, von dem auch Werke im Kunsthaus Zürich zu sehen sind. Georges Moser ist als Schweizer in Frankreich aufgewachsen, wo seine Frau und die beiden Kinder nun darauf warten, bis er sie allenfalls zu sich holt. Zuerst muss er einen Job finden – Hotellerie, Rezeption. Er spricht mehrere Sprachen, Deutsch muss er erst lernen. Wieso der Wechsel nach Zürich? Sicherheit und Lebensqualität, sagt er – eine überraschende Antwort für jemanden, der von der Côte d’Azur kommt.

Wem genau die Ehre des 400 000. Zürcher Einwohners zufällt, ist schwer auszumachen. Anmelden kann man seinen Zuzug in einem der zwölf Quartierbüros. Erst am Abend werden die Daten zentralisiert. Fest steht, dass mit den 20 Neuanmeldungen letzten Mittwoch die 400 000er-Grenze überschritten worden ist. Es sei logistisch nicht ganz einfach gewesen, wenigstens fünf der Neuzuzüger zum gestrigen Empfang im Stadthaus zu versammeln, erklärt Nat Bächtold von Mauchs Kommunikationsstelle. Ein Parkettleger aus Spanien zum Beispiel habe abgesagt, weil er arbeiten musste. Bei einem 73-jährigen Somalier habe man nicht herausgefunden, wie er telefonisch zu erreichen wäre.

Für Giacomo Cattaneo ist Zürich nicht Neuland. Der 26-Jährige aus Giubiasco hat an der ETH studiert. Nun nimmt er das Doktorat in Angriff und hat aus diesem Anlass seinen Status als Wochenaufenthalter aufgegeben. Er amüsiert sich etwas über die Tessiner Kollegen, die grundsätzlich jedes Wochenende nach Hause fahren müssen. Wo es am Wochenende doch so viel zu erleben gebe in Zürich. Mit seiner Freundin – sie ist Deutsche – will er nun endgültig hier heimisch werden.

Türkischer Gastarzt am Unispital

Tal Eisenberg (23) ist britischer Staatsangehöriger und aus Opfikon zugezogen. Er hat seinen MBA in Lausanne gemacht und arbeitet heute am Flughafen bei Gategroup (vormals Gate Gourmet). Mit seiner Freundin – sie kommt aus Israel – hat er vor einer Woche eine Wohnung im Seefeld bezogen. Sie sagt, Freunde hätten sie gewarnt, die Wohnungssuche in Zürich sei schwierig. Sie hätten es anders erlebt. Sie schlagen sich vorerst mit Englisch durch – das Gleiche gilt für Hasan Emre Aydin. Der 33-Jährige ist zu Ausbildungszwecken nach Zürich gekommen. Ein Jahr lang wird er am Unispital als Gastarzt in der Neuroradiologie arbeiten. Seine Familie hat er in der Türkei zurückgelassen. Vor zwei Monaten habe er einen Sohn bekommen, erzählt er stolz.

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