Leo Scherer hat sich vor neun Jahren entschieden, die beiden altersschwachen Verbrennungsmotoren in seiner Jacht gegen einen 15-Kilowatt-Elektromotor auszuwechseln. Seither spart er jedes Jahr rund 8000 Franken. «Null Unterhaltskosten, ich muss gar nichts mehr machen», sagt der Heizungsfachmann. «Die Technik hat sich grossartig bewährt.»

Strom tankt Scherers LeScherSolar unter der Woche. Auch beim Fahren laden sich die Batterien durch die Sonne auf. In jedem Fall sind die Batterien rechtzeitig zum Wochenende wieder vollgeladen. Umso mehr wundert sich der 60-jährige Küsnachter, dass sich die Elektrotechnik auf den Schweizer Seen nicht durchsetzt. «Die, die es sich leisten könnten, sind vielmals noch nicht so weit und fahren lieber mit einem Verbrennungsmotor herum», sagt er. Scherer nimmt aber auch die Gemeinden am See in die Verantwortung. Es fehlt allerorts an Stromanschlüssen. «Die checken es nicht», ärgert sich Scherer. «Schade, so geht es nicht vorwärts.» Der E-Boot-Pionier meint, dass mit guter Erschliessung in ein paar Jahren Hunderte Elektroboote auf dem Zürichsee fahren würden.

Michael Müller rüstete sein Segelboot vor zehn Jahren von Diesel- auf Elektromotor um. «Kein einziges Problem, alles hat bisher funktioniert», sagt der 47-jährige Küsnachter. Als professionellen Elektrotechniker habe es ihn gereizt, die Sonne über Solarpanels für den Antrieb zu nutzen. «Das Boot ist mein Steckenpferd.» Vor zwei Jahren modernisierte er seine Alva, indem er die alten Bleibatterien gegen Lithiumakkus tauschte. Die Elektrotechnik verlange nach einer Gewöhnung an physikalische Werte, meint er. Mit Ampèrestunden die Reichweite des Schiffs zu schätzen, sei für Laien unverständlicher, als wenn sie einen Zeiger auf der Tankuhr beachten müssen.

«Es gibt die Urangst: Komme ich mit der Batterie nach Hause?», erklärt Müller eine psychologische Dimension im E-Boot-Fahren. Das schrecke viele ab, zumal «die Böötler mehrheitlich eine konservative Gesellschaft sind». Er beruhigt: Wer sich mit der Elektrotechnik vertraut gemacht habe, erlebe ein völlig problemloses Freizeitvergnügen auf dem See – einfach geruhsamer als mit Verbrennungsmotor. Die Alva schafft mit Motor maximal 12 km/h. Müller glaubt, dass wie bei den Elektroautos der Anstoss von den Benutzern kommen müsse. Nachfrage schaffe einen Markt, dem sich die Bootshersteller nicht verschliessen würden.