Betreuung
Von der Psychiatrie zum Demenzdorf – so wohnen Demenzpatienten heute

Heute gibt es diverse spezialisierte Institutionen für Demenzpatienten – bis hin zum eigenen Dorf. Das ist noch nicht lange so.

Bettina Hamilton-Irvine
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Der Umgang mit Demenzpatienten hat sich in den vergangen Jahren stark verändert - lebten sie früher oftmals in Psychiatrien, gibt es heute spezialisierte Institutionen.

Der Umgang mit Demenzpatienten hat sich in den vergangen Jahren stark verändert - lebten sie früher oftmals in Psychiatrien, gibt es heute spezialisierte Institutionen.

Sandra Ardizzone

Der Umgang mit demenzkranken Personen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Während es früher noch üblich war, Demenzpatienten in psychiatrischen Kliniken unterzubringen, ist heute ein deutlich differenzierterer Umgang üblich. Wer möchte, soll – mit entsprechender Betreuung – möglichst lange zu Hause bleiben.

Wenn die Beeinträchtigungen so stark werden, dass ein Leben zuhause nicht mehr möglich ist, so gibt es heute diverse spezialisierte Institutionen für die Betreuung von Demenzpatienten. Weil man heute weiss, dass Menschen mit Demenz in einem normalen Pflegeheim schnell untergehen, weil sie leichter reizüberflutet sind und einen geschützten Rahmen benötigen, gibt es zunehmend getrennte Demenzabteilungen in Pflegeheimen. Beliebt sind auch sogenannte Demenz-WGs.

Ein europaweit führendes Demenzkompetenzzentrum ist die Sonnweid in Wetzikon. Michael Schmieder, der die Institution 30 Jahre lang prägte, wollte dementen Menschen die Möglichkeit geben, ein genauso würdiges Leben zu leben wie andere. Er war der Erste, der 1998 sogenannte «Pflegeoasen» konzipierte, in denen Gruppen von Dementen im Spätstadium zusammenlebten – weil er erkannt hatte, dass es ihnen besser geht, wenn sie in einer Gemeinschaft sind. Das Ganze funktionierte und wurde kopiert. In Dietikon beispielsweise ist die Idee der Mehrbettzimmer an den Oase-Gedanken angelehnt – wobei man realisiert hat, dass nicht nur Demente im Spätstadium von sozialen Kontakten profitieren, sondern alle.

Sogar ein eigener Supermarkt

Viel Aufmerksamkeit erregte das 2009 eröffnete Demenz-Dorf im niederländischen De Hogeweyk. Es ist so angelegt, dass seine rund 150 an Demenz erkrankten Bewohner möglichst viel Normalität erleben können und maximale Bewegungsfreiheit haben. Es gibt 23 einstöckige Häuschen mit Garten, einen Supermarkt, einen Coiffeur, ein Restaurant und eine Promenade zum Spazieren. Verlaufen kann man sich nicht, denn das geschützte Dorf ist so angelegt, dass die Bewohner immer wieder an ihrem Ausgangspunkt landen.

Das Konzept funktioniert: In De Hogeweyk sind die Bewohner seltener krank, ruhiger und benötigen weniger Medikamente als im Pflegeheim, das zuvor auf dem Gelände stand. An vielen anderen Orten werden ähnliche Einrichtungen geplant, auch in der Schweiz, wo in Wiedlisbach im Kanton Bern ein Demenzdorf entstehen soll. In Deutschland wurde das erste 2014 in Hameln eröffnet, ein weiteres gibt es seit 2016 in Mausbach in der Nähe von Aachen.