Rock
Vom Zürcher Rockklub Abart in die grossen Hallen

Der Zürcher Musikklub Abart schliesst Ende Jahr – sein Erbe breitet sich schweizweit aus. Eine neue Agentur soll laut Abart-Mitbesitzer Gremelmayr künftig zu den drei führenden Rock-Pop-Veranstaltern in der Schweiz zählen.

Matthias Scharrer
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Christian Gremelmayr (links) und Martin Schrader im Keller des Musikklubs Abart: Gemeinsam wollen sie die Konzertlandschaft aufmischen.

Christian Gremelmayr (links) und Martin Schrader im Keller des Musikklubs Abart: Gemeinsam wollen sie die Konzertlandschaft aufmischen.

Matthias Scharrer

Ihre Herkunft aus dem Rockbusiness ist unschwer erkennbar: Christian Gremelmayr trägt Lederjacke, Fuselbart und hat die schwarzen Haare nach hinten zusammengebunden; Martin Schrader kommt mit Vollbart und Holzfällerhemd und schätzt Freibier, wie er später erklären wird.

Wir treffen uns im Keller des Zürcher Musikklubs Abart, der per Jahresende schliesst, weil seine Macher wegen der neuen benachbarten Luxusüberbauung keine Zukunft mehr für ihn sehen. Hier lernten Gremelmayr und Schrader sich kennen. Und hier begegneten sie auch Derrick Thomson, Marc Lambelet und Santosh Aerthott, mit denen sie nach dem Ende des Abart den Konzertmarkt in der ganzen Schweiz aufmischen wollen.

Das Hallenstadion im Visier

Aus dem Abart und den Konzertagenturen BlackLamb Productions (Lausanne), Cult Concerts Agency (Winterthur) und Redda Music (Zürich/Basel) lassen sie eine neue Agentur entstehen. Sie soll laut Abart-Mitbesitzer Gremelmayr künftig zu den drei führenden Rock-Pop-Veranstaltern in der Schweiz zählen. Ihr Name: Mainland Music. Ihr Ziel: «Wir wollen Bands von den kleinen Klubs bis zu den grossen Hallen begleiten», erklärt Gremelmayr. Ihr Kerngeschäft: Alternative Rock, Indie Pop, vorwiegend internationale Bands - angelehnt an das, was bisher auch im Abart zu erleben war.

Dass der Radius der neuen Agentur weit über Zürich hinausreicht, lässt sich an den für nächstes Jahr bereits geplanten Konzerten erkennen: Auf der Liste stehen unter anderem Auftritte von Sigur Rós in der Basler St. Jakobshalle und von Max Herre im Solothurner Kofmehl. Auch die Bea-Festhalle in Bern, die Eishalle Deutweg in Winterthur und die Konzertfabrik Z7 in Pratteln zählt Schrader zu den Orten, wo Mainland-Music-Konzerte stattfinden werden.

Und dann ist da noch das Zürcher Hallenstadion. Per Ende 2013 ist die Konzertagentur Good News ihren Exklusivvertrag mit der Halle in Zürich Oerlikon los. «Für uns ein Riesenzufall», sagt Gremelmayr. «Wir hatten unsere neue Firma schon lange geplant, bevor das bekannt wurde. Doch jetzt wollen wir uns so platzieren, dass wir gewappnet sind, wenn die Halle 2014 frei für alle Veranstalter wird»

Ersatz für das Abart in Zürich

Nicht nur als Konzertagentur wollen sich die Mainland-Leute positionieren, sondern auch als Zürcher Klubbetreiber. Zu den Konzertbars Hafenkneipe und El Dorado sowie dem 2000 Besucher fassenden Komplex 457, wo sie schon bisher Konzerte veranstalteten, kommt ab April ein neuer Standort hinzu.

«Ein Strip-Lokal im Keller des Komplex 457 wird in einen Musikklub für 400 Besucher umgewandelt», verrät Gremelmayr. «Für die Partys dort sind wir nicht zuständig, aber konzerttechnisch wird das unsere Heimbasis neben der Hafenkneipe und dem Eldorado.»

Pro Jahr sind im neuen Klub laut Gremelmayr rund 100 Konzerte geplant: «Es soll ähnlich wie im Abart werden. Die Vibes, die hier herrschen, gehen dort weiter.»

«Für Künstler, nicht für Konzerne»

Die Liebe von Gremelmayr und Schrader zu guten Rockkonzerten in überschaubarem Rahmen ist während unseres Gesprächs im Abart-Keller immer wieder spürbar. «Wir sind Musikfans. Sonst hätten wir in den letzten 15 Jahren nicht so viele Konzerte für nur 100 Leute veranstaltet. Wir machen das aus Leidenschaft», sagt Schrader.
Er habe einst in einer schlechten Band gespielt, die sich dann auflöste - und sei nicht zuletzt Konzertveranstalter geworden, um weiterhin Freibier zu bekommen. Gremelmayr kam als Konzertgänger ins Geschäft. Sein Bruder hatte in den 1990er-Jahren die Idee, das Abart zu gründen. Zusammen mit Oli Zemp, der nun eine Auszeit nimmt, setzte Christian Gremelmayr sie um.
«In den nächsten zehn Jahren werden wir vermehrt auch Shows in grossen Arenen veranstalten», so Gremelmayr. «Doch Gigs für 100 bis 2000 Leute werden auch in Zukunft den Grossteil ausmachen. Wir möchten für Künstler arbeiten, nicht für Konzerne.»