Ausbrecher-Paar
«Vom Saulus zum Paulus»: Hat ihre Liebe eine Chance?

Sie sind das wohl berühmteste Gefängnispaar der Schweiz: Die 33-jährige Aufseherin Angela Magdici und der syrische Flüchtling und Gefängnis-Ausbrecher Hassan Kiko (27) wollen heiraten. Doch hat ihre Liebe eine Chance? Jetzt meldet sich ein Experte zu Wort.

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Im Videobeitrag von Tele Züri äussert sich Paartherapeut Rainer Grunert zu den Beziehungschancen des Ausbrecherpaars. Er wünscht ihrer Liebe zwar Glück, sehr viel Hoffnung gibt er der Beziehung aber nicht.

Je länger Hassan Kiko im Gefängnis bleibt, umso länger werden die beiden ihre Beziehung durch eine rosarote Brille sehen, sagt Grunert. Daraus wird seiner Meinung nach aber nicht die Liebe, sondern lediglich «der Zusammenhalt gegen das aussenwirkende System, welches als feindlich empfunden wird» gestärkt.

Angela M. und Hassan K. - was bisher passierte In der Nacht auf Dienstag, 9. Februar, verhalf die Gefängniswärterin Angela M. (32) dem Häftling Hassan K. (27) zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon.
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Sie schloss die Türen auf, während ihr Kollege auf Nachtschicht schlief. Und: Bald ist klar, dass Angela M. und Hassan K. ein Liebespaar sind.
Hassan K. kam 2010 in die Schweiz. Er wurde vom Bezirksgericht Dietikon wegen Vergewaltigung einer knapp 16-Jährigen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, weil er es an das Zürcher Obergericht weiterzieht.
Angela M. ist in Wohlen AG aufgewachsen, trainierte dort Kickboxen. Vor der Flucht lebte sie seit drei Monaten von ihrem Mann getrennt, den sie 2014 geheiratet hatte.
Nach ihrer Flucht wurde bekannt, dass sie mit einem Auto über die Grenze zu Italien geflüchtet waren. Es handelte sich um einen schwarzen BMW X1 mit dem Kennzeichen ZH 528 411.
Am 21. März tauchte eine Video-Botschaft vom M. und K. auf: Die ehemalige Gefängniswärterin entschuldigte sich darin bei ihrer Familie und beteuerte, Kiko sei «der Mann ihres Lebens».
Gott habe sie für seine Flucht gesandt: So äusserte sich Hassan K. im Video über Angela M. Er beteuerte, er sei zu unrecht verurteilt worden und beklagte sich über die Haftumstände.
«Das war nicht so gescheit»: Das sagte der IT-Experte Lionel Bloch über die Veröffentlichung des Videos. Tatsächlich fand die Polizei - nicht nur dank des Videos allerdings - heraus, wo sich das Pärchen versteckte.
In der Nacht auf Karfreitag, 25. März, klickten die Handschellen: Sie und er waren im Bett, als nachts um 3 Uhr Polizisten die Wohnung stürmten. Die Wohnung befand sich in einem Hochhaus in Romano di Lombardia (I), rund 100 Kilometer von der Schweizer Grenze und 60 Kilometer östlich von Mailand entfernt. Angela M. wehrte sich so sehr, dass vier Beamte nötig waren, um sie zu überwältigen.
Danach sitzen sie in einem italienischen Gefängnis. Gemäss ihres Anwalts haben sie ihrer Auslieferung in die Schweiz zugestimmt.
Nach 66 Tagen war Angela M. am Donnerstag, 14. April 2016, zurück in der Schweiz. Bis zur Urteilsverkündung sass sie in Untersuchungshaft. In Chiasso übernahmen Schweizer Polizisten Angela M.
Talk Täglich, 23. Mai 2016: Angela M. mit ihrem Verteidiger Urs Huber und Moderator Markus Gilli.

Angela M. und Hassan K. - was bisher passierte In der Nacht auf Dienstag, 9. Februar, verhalf die Gefängniswärterin Angela M. (32) dem Häftling Hassan K. (27) zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon.

Kapo ZH

So sieht die Hochzeit im Gefängnis aus

Sollten Angela und Hassan den Schritt tatsächlich wagen, wäre es nicht die erste Hochzeit im Gefängnis. Marcel Ruf, Direktor der Justizvollzugsanstalt Lenzburg, sagt gegenüber dem Blick: «Ich arbeite seit 16 Jahren in der Justizvollzugsanstalt und während dieser Zeit gab es bei uns vielleicht vier oder fünf Hochzeiten.» Eine Gefängnistrauung darf man sich aber nicht als romantische Feier vorstellen, sondern eher als nüchterne Vertragsunterzeichnung.

«Erlaubt sind zwei Trauzeugen und allenfalls ein Gast», bestätigt Jessica Maise vom Zürcher Amt für Justizvollzug, wie der Blick schreibt. Ausserdem dürfen nur die Eheringe von Aussen mitgebracht werden. Das Brautpaar erhält auf Wunsch immerhin alkoholfreie Getränke und einen Kuchen vom Gefängnis.