Lindenhof
Vom Römerkastell zum Freimaurertempel: Die Geschichte des Lindenhof

Das neue Buch von Alfred Messerli gibt Einblicke in die lange Geschichte von Zürichs ältestem Platz.

Matthias Scharrer
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Hoch über der Limmat liegt der Lindenhof, der geschichtsträchtigste Ort Zürichs.mts

Hoch über der Limmat liegt der Lindenhof, der geschichtsträchtigste Ort Zürichs.mts

Einen geschichtsträchtigeren Ort als den Lindenhof gibt es in Zürich nicht: Wer den Platz seeseitig von der Altstadt her betritt, kommt am Duplikat jenes Grabsteins aus der Römerzeit vorbei, der erstmals den Ortsnamen «Turicum» bezeugt, läuft über Gemäuer, das teilweise noch vom römischen Kastell aus dem 4. Jahrhundert und der mittelalterlichen Kaiserpfalz stammt, die im 13. Jahrhundert abgebrochen wurde, und wird, wenn er den Blick über die Limmat schweifen lässt, rechter Hand ein spezielles Gebäude bemerken: Mit seinem nach oben spitz zulaufenden Eingangsportal erinnert es etwas an eine gotische Kirche und wirkt doch weltlich.

Lindenhof, Zürcher Altstadt. Visualisierungen des römischen Kastelles mit den zehn Türmen aus dem 4. Jahrhundert und salische Pfalz (mit Enten) um das Jahr 1050
14 Bilder
Lindenhof, Zürcher Altstadt. Visualisierungen des römischen Kastelles mit den zehn Türmen aus dem 4. Jahrhundert und salische Pfalz (mit Enten) um das Jahr 1050
Lindenhof, Zürcher Altstadt. Visualisierungen des römischen Kastelles mit den zehn Türmen aus dem 4. Jahrhundert und salische Pfalz (mit Enten) um das Jahr 1050
Impressionen vom Lindenhof-Platz.
Impressionen vom Lindenhof-Platz.
Impressionen vom Lindenhof-Platz.
Impressionen vom Lindenhof-Platz.
Impressionen vom Lindenhof-Platz.
Impressionen vom Lindenhof-Platz.
Impressionen vom Lindenhof-Platz.
Impressionen vom Lindenhof-Platz.
Impressionen vom Lindenhof-Platz.
Impressionen vom Lindenhof-Platz.
Impressionen vom Lindenhof-Platz.

Lindenhof, Zürcher Altstadt. Visualisierungen des römischen Kastelles mit den zehn Türmen aus dem 4. Jahrhundert und salische Pfalz (mit Enten) um das Jahr 1050

MTS

Es handelt sich um den Hauptsitz der Zürcher Freimaurer, den die Freimaurerloge Modestia cum Libertate vor 160 Jahren erbauen liess.

Alfred Messerli, pensionierter Journalist und seit 1968 Freimaurer, hat diesem Ort nun sein neustes Buch gewidmet. Unter dem Titel «Der Stempel des Geheimnisvollen» beschreibt er die lange Geschichte des Lindenhofs, der Freimaurer und ihres Wirkens in Zürich bis hin zur Gegenwart. Leicht lesbar geschrieben und mit vielen Fotos und historischen Visualisierungen schön bebildert, bietet es faszinierende Einblicke nicht nur in die Ortsgeschichte des Lindenhofs, sondern auch in die Geistesgeschichte der Freimaurer.

Ihre Ursprünge reichen zu den mittelalterlichen Berufsverbänden der Steinmetze und Maurer zurück, die durch ihre Kenntnisse der Geometrie ein besonderes Bildungsgut weitertrugen. Im frühen 18. Jahrhundert wurden in England die ersten Freimaurerbünde gegründet. Mit der religiösen Toleranz, die sie in ihre Verfassung schrieben, stellten sie auch eine Reaktion auf die vorangehenden Religionskriege der Reformationszeit dar. Trotz Verboten durch die katholische Kirche und weltliche Regierungen breiteten sie sich schnell aus. Auch die ersten Schweizer Freimaurer-Logen entstanden schon im 18. Jahrhundert. Jonas Furrer, der 1848 erster Bundespräsident der Eidgenossenschaft wurde, war Logenmitglied in Winterthur.

Für den Bau des Freimaurertempels am Lindenhof zeichnete die Loge Modestia cum Libertate verantwortlich. Sieben weitere Logen fanden unter dem gleichen Dach ein Zuhause. Der Architekt des Gebäudes, Gustav Albert Wegmann, beschrieb sein neugotisches Werk als «halb kirchliches, halb weltliches Gebäude» und fügte an: «Dabei muss ihm der Stempel des Geheimnisvollen aufgedrückt werden.»

Das Zitat findet Widerhall im Titel von Messerlis Buch. Und obwohl sich die Freimaurer in den letzten Jahren bewusst geöffnet haben, haftet ihnen noch immer ein Image des Geheimnisvollen an. Oder wussten Sie, dass die Zürcher Freimaurer sich in der jüngeren Vergangenheit massgeblich für die Wohlfahrtsstiftung des Vereins Zürcher Brockenhaus engagierten und ein privates Altersheim unterstützten, um nur einige ihrer Aktivitäten zu erwähnen? Messerlis Buch trägt unterhaltsam und erhellend dazu bei, den Schleier des Geheimnisvollen zu lüften. Gleichzeitig ruft es ins Bewusstsein, welch geschichtsträchtigen Boden betritt, wer auf den Lindenhof geht.