Schaudepot
Vom Museum ins Schaudepot und zurück

Umzug Das Museum für Gestaltung zieht vorübergehend ins Toni-Areal. Seine Sammlung wird dank dem neuen Schaudepot sichtbarer. Wer die Schätze von Weltrang sehen will, muss künftig nicht mehr nach New York.

Matthias Scharrer
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Mitarbeiterinnen des Museums für Gestaltung packen die wertvollen Sammlungsstücke sorgfältig ein.

Mitarbeiterinnen des Museums für Gestaltung packen die wertvollen Sammlungsstücke sorgfältig ein.

Franziska Müller-Reissmann

Vom Sparschäler, einem Schweizer Design-Klassiker von 1947, der in kaum einem Haushalt fehlt, über die erste Freitagtasche bis zur Marionette von Sophie Taeuber-Arp: Die Sammlung des Zürcher Museums für Gestaltung ist breit gefächert. Rund 500 000 Objekte umfasst sie, darunter 330 000 Plakate, aber auch wertvolle Teppiche und fragile Gipsskulpturen.

«Es ist eine Sammlung von Weltrang», sagt Museumsdirektor Christian Brändle. Doch bisher hatte sie ein grosses Manko: Während Leihgaben im New Yorker Museum of Modern Art oder im Pariser Centre Pompidou zu sehen waren, blieben sie dem Zürcher Publikum oft vorenthalten. Es fehlte dem Museum schlicht an Ausstellungsfläche. Zudem waren die Lagerbedingungen im Museumsbau von 1933 suboptimal.

«Für die Schweiz von Bedeutung»

Beides ändert sich jetzt: Das Museum für Gestaltung zieht ins Toni-Areal, den neuen Sitz der Zürcher Hochschule der Künste in Zürich-West. Seine Sammlung wird dort im sogenannten Schaudepot untergebracht, wo ab 26. September Wechselausstellungen und Archivführungen stattfinden werden. «Für die Schweiz ist der Umzug von grosser Bedeutung», sagt Brändle. «Ihre Gestaltungstradition wird endlich angemessen sichtbar.»

Das Schaudepot soll denn auch bleiben, wenn das Museum für Gestaltung voraussichtlich Anfang 2018 wieder in sein Stammhaus zurückkommt. Der denkmalgeschützte Bau wird in der Zwischenzeit saniert und in den Originalzustand zurückversetzt. Er gilt als Musterbeispiel des «Neuen Bauens», mit dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Historismus, wie er etwa das Landesmuseum noch prägte, überwunden wurde.

Die regierungsrätliche Kreditvorlage für den Umbau steht allerdings noch aus. «Wir ziehen aus, um unseren Willen zum Umbau zu unterstreichen», sagt Brändle. Die gestern eröffnete Ausstellung «Unterirdisch» ist die letzte im alten Museum. Nach der Sanierung soll es wie bei seiner Errichtung einen zweistöckigen Ausstellungssaal haben und für Wechselausstellungen dienen.

Der Museumsumzug läuft bereits seit Anfang Mai und dauert bis Ende Jahr. Mitarbeitende des Museums packen die Objekte sorgfältig ein. Zu den teuersten Sammlungsstücken zählt eine Tapisserie des belgischen Designers und Architekten Henri van der Velde. Ihr Marktwert liegt bei zwei Millionen Franken.

Der Umzug wird mit täglich zwei Lastwagenfahrten ins Toni-Areal gemächlich angegangen. Für die besonders fragilen Objekte ist eine auf Kunstspeditionen spezialisierte Firma zuständig, für alle anderen eine normale Zügelfirma.

Dass der Umzug sich so lange hinzieht, hat einen einfachen Grund: «Wir wollten unseren Personalbestand dafür nicht hinauffahren», erklärt Brändle. Wie viele Lastwagenfahrten pro Tag stattfänden, spiele für die Gesamtkosten keine Rolle.

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