Auf der Baustelle des Spitals Limmattal ist es ruhig an diesem Vormittag. Ein paar wenige Bauarbeiter in orangen Westen und einige Bagger bewegen sich auf der weiten Fläche der Aushubgrube, aus der seit Anfang April 100 000 Kubikmeter Erde gebaggert wurden.

Aus einiger Distanz sehen sie aus wie Playmobilfiguren in einem riesigen Sandkasten. «Diese Woche sind bloss 15 bis 20 Angestellte der Aushubfirma hier», sagt Projektleiter Stéphane Bezille vom Generalunternehmen Losinger Marazzi AG, während er seinen Blick über die Grossbaustelle schweifen lässt.

Denn eigentlich habe die Firma Eberhard Betriebsferien. Bereits diese Woche sollen wieder mehr als 40 Bauarbeiter das Bauprojekt vorantreiben. Noch ist nicht die gesamte Baugrube für die zwei Untergeschosse des Neubaus vollständig ausgebuddelt. «Weitere 10 000 Kubikmeter Erdreich müssen noch weg», sagt Bezille.

Stolz erwähnt er den bisherigen Tagesrekord: «2600 Kubikmeter.» Das seien ungefähr 200 Lastwagenladungen, runtergerechnet 15 bis 20 pro Stunde.

Damit die Lastwagen beim Abtransport des Erdmaterials nicht die umliegenden Strassen verdrecken, werden sie vor dem Verlassen des Spitalgeländes von einer Waschanlage abgespritzt.

Auch sonst wirkt die Baustelle sauber und aufgeräumt. «Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit der Aushubfirma», sagt Projektleiter Bezille, der wiederum von Spitalarchitekt Nils Eichbaum gelobt wird.

Eindrücke von der Baustelle Spital Limmattal Schlieren.

Eindrücke von der Baustelle Spital Limmattal Schlieren

«Es läuft sehr gut», sagt dieser beim Gespräch im Aussenbereich des Spitalcafés. Der Lärm der Baustelle ist trotz der Nähe zur Baugrube sehr dezent. Sollte es zu laut werden, schickt ein Sensor an der Aussenwand des alten Spitalgebäudes einen Alarm an die Bauleitung.

Der Sensor misst laut Eichbaum auch Staubemissionen und Erschütterungen durch die Bauarbeiten. Letztere könnten sich etwa auf Operationen oder Röntgenaufnahmen negativ auswirken. «Bislang wurde auf der internen Hotline aber erst einmal eine Erschütterung gemeldet», sagt Eichbaum.

Überhaupt: Die umfangreichen Bauarbeiten stossen laut dem Spitalarchitekten auf sehr grosses Verständnis bei den Angestellten, Patienten und Anwohnern des Spitals.

Sonden holen Wärme aus der Erde

Ebenfalls erfreulich für den Architekten und die Bauleitung: Der straffe Terminplan konnte bislang eingehalten werden. Einige Arbeiten konnten sogar deutlich schneller als vorgesehen durchgeführt werden.

Etwa der Einbau der 96 Erdsonden, die nun gleich unterhalb des Spitalcafés wie die Stoppel seltsamer Pflanzen aus dem Boden der Baugrube ragen und rund 180 Meter in den Untergrund reichen.

«Es waren weniger Findlinge im Weg, als wir erwartet haben», erklärt Eichbaum den um einen Monat unterschrittenen Zeitplan beim Einbau der Sonden.

Dereinst sollen diese 60 Prozent des Wärmebedarfs im Spital decken, sagt Eichbaum. «Und rund 80 Prozent der benötigten Kühlung.» Die Flüssigkeit, die in den Sonden zwischen Spital und Erdreich zirkuliert, wärmt das Gebäude im Winter auf und kühlt es im Sommer ab.

«Der Neubau wird deshalb ohne Klimaanlage kühl bleiben», erklärt Eichbaum. Eine solche Anlage sei in einem Spital wegen der dadurch geförderten Verbreitung von Viren und Bakterien ohnehin nicht möglich.

Ergänzend zu den Erdsonden wird der Wärmebedarf in Spitzenzeiten durch einen Gas-Brennwert-Heizkessel der neusten Generation abgedeckt.

Dämmschicht ein Vielfaches dicker

Der Neubau soll, wenn er 2018 in Betrieb genommen wird, dem Minergie-Standard entsprechen. Gegenüber dem derzeitigen Hauptgebäude des Spitals soll er deutlich weniger Energie verbrauchen. «Wir erwarten eine Einsparung im klaren zweistelligen Prozentbereich», so Eichbaum.

Eine gewichtige Rolle spielt dabei die Wärmedämmung, die im neuen Spital um ein Vielfaches höher sein wird als im derzeitigen Bau aus den 1970er-Jahren. «Damals wurden Dämmschichten von vier bis fünf Zentimetern eingebaut», weiss Eichbaum.

Die Wärmeisolierung im Neubau werde 23 Zentimeter dick sein. «Und die Scheiben sind dreifach verglast.» Auch beim Kauf neuer Geräte wird laut Eichbaum auf eine hohe Energieeffizienz geachtet. Neben Radiologie und Intensivpflege seien etwa die Informatik und die Spitalküche Abteilungen mit einem hohen Energiebedarf.

Allerdings sind den ökologischen Überlegungen im Spital auch Grenzen gesetzt: Ihnen stehen der Komfort und vor allem auch die Sicherheit der Patienten gegenüber. Etwa wenn es um das Klima in den Operationssälen geht. «Diese müssen zusätzlich mit einem geschlossenen Frischluftsystem ausgestattet werden», sagt Eichbaum.