Sie starten mit einem Vorsprung. Die Jäger haben im Abstimmungskampf den Regierungs- und den Kantonsrat auf ihrer Seite. Selbst die links-grünen Fraktionen lehnen die Initiative «Wildhüter statt Jäger» ab. Sie will der Milizjagd im Kanton Zürich den Garaus machen. Nur noch professionelle, vom Staat angestellte Wildhüter sollen Wildtiere jagen dürfen. Rund 80 bis 90 solcher Profis wären dazu nötig. Kostenpunkt gemäss Regierung: 20 bis 30 Millionen Franken.

Die Jäger, die am Donnerstag den Abstimmungskampf eröffneten, sprechen denn auch von «Staatsjagd». Heute koste die Jagd dank der Fronarbeit der Jäger pro Jahr nur rund eine Million Franken, rechnete Christian Jaques vor und strich die hohen Zusatzkosten der Initiative heraus. Ein kantonsweites Wildtier-Management, wie es die Initianten forderten, existiere bereits, sagte der Präsident von Jagd Zürich. Der Kanton gebe nach Wildzählungen jährlich bekannt, wie viele Tiere geschossen werden dürften. Daran müssten sich die Jäger halten. So gelinge es, den kantonalen Rehbestand seit Jahren bei rund 11'000 Tieren zu halten.

Würde man die Tierpopulation der Natur überlassen, wie es die Initianten wünschen, käme es zu mehr Unfällen und Krankheiten, sagte Jaques weiter. Um den Rehbestand zu halten, müsse die jährliche Zuwachsrate «abgeschöpft» werden. Zu den gemeinnützigen Arbeiten der Jäger zählt er auch das Einsammeln verletzter und toter Tiere. Auf dem Kantonsgebiet sterben laut Jaques durch den Verkehr jährlich rund 3'800 Wildtiere – Rehe, Wildschweine, Hirsche, Dachse, Füchse und Hasen. «Wir Jäger rücken täglich etwas mehr als zehn Mal aus, meistens nachts, um verletztes oder verendetes Wild nachzusuchen und zu erlösen.»

Im öffentlichen Interesse

Mit der heutigen Milizjagd fährt der Kanton gut. Diese Meinung vertraten nicht nur eingefleischte Jagdfreunde, zu denen die Kantonsräte Martin Farner (FDP) und Stefan Schmid (SVP) zählen, sondern auch linke Parlamentsmitglieder. Benedikt Gschwind (SP) attestierte den Jägern einen im Vergleich zu anderen Kantonen hohen Ausbildungsstand. Die Jäger übernähmen Aufgaben im öffentlichen Interesse und wirkten an ökologischen Projekten mit. Den hohen Kosten der Initiative stehe kein entsprechender Nutzen gegenüber.

Die SP hatte sich im Kantonsrat vergeblich für einen Gegenvorschlag stark gemacht, der ein Verbot der Bau- und Treibjagd vorsah. Im neuen Jagdgesetz, das der Kantonsrat noch zu beraten hat, dürfte dies wieder ein Thema sein. Die Jagdfreunde könnten mit einem Verbot der marginal gewordenen Baujagd leben, liess Jaques durchblicken. Die Treibjagd hingegen sei unverzichtbar. Auf sie entfielen nämlich rund 40 Prozent der geschossenen Tiere.

300'000 Franken Budget

Robert Brunner, Kantonsrat der Grünen, befürchtet, dass eine unkontrolliert wachsende Wildtierpopulation grosse Schäden anrichtet. Um dies zu verhindern, müssten grosse Naturgebiete eingezäunt werden. «Die Wälder würden so verunstaltet und die Lebensräume der Tiere zerstückelt.»

Die Gegner der Initiative verfügen im Abstimmungskampf laut eigenen Angaben über ein Budget von rund 300'000 Franken. Rund die Hälfte davon stammt von Jagdgesellschaften, die extra ihre Mitgliederbeiträge für zwei Jahre erhöhten.