Zürich

«Volkshetze»: Ungarn wollen Buchpräsentation stören

Paul Lendvai bringt rechte Ungarn-Schweizer mit seinen Büchern auf die Palme.

Paul Lendvai bringt rechte Ungarn-Schweizer mit seinen Büchern auf die Palme.

Der Weltbund der Ungarn stört sich an einer Buchpräsentation im Kaufleuten. Der Schweizer Ungarn-Ableger bemüht Nazi-Vergleiche und spricht von «Volkshetze». Grund: Buchautor Paul Lendvai thematisiert die rechtsradikalen Tendenzen Ungarns.

In der Stadt Zürich wird heute im Kaufleuten eine Buchpräsentation durchgeführt. Der Publizist und politische Kommentator Paul Lendvai wird über sein neues Buch «Mein verspieltes Land: Ungarn im Umbruch» reden.

Er thematisiert darin den Umbruch Ungarns vom demokratischen Musterschüler Europas zu einem Land, in dem Rechtsradikale eine immer grössere Rolle spielen. Und er geht den Gründen nach, warum rassistische und antisemitische Töne in den Medien zunehmen.

Die Buchpräsentation wird vom «Tages-Anzeiger» organisiert.

«Ungarnfeindliche Volkshetze»

Jetzt laufen Ungarn-Schweizer der Schweizer Sektion des «Weltbunds der Ungarn» (MVSZ) gegen den Diskussionsabend Sturm. MVSZ-Schweiz-Vertreter Csaba Kenessey schreibt in einer Pressemitteilung, Lendvai sei «seit vielen Jahren als Hetzer gegen das ungarische Volk bekannt.» Darum würde man heute eine «Pressekonferenz» anlässlich der Buchbesprechung abhalten.

Kenessey bezichtigt den «Tages-Anzeiger», er würde seit vielen Jahren «unwahre» und «ungarnfeindliche» Attacken gegen das «freiheitsliebende Volk der Ungarn» reiten. Weiter ereifert er sich, die Zeitung würde seine Leser aggressiv irreführen, die Ungarn verleumden und das Schweizer Volk gegen die Ungarn «aufhetzen».

Problem mit kritischen Journalisten

Kenesseys Problem scheint zu sein, dass Tages-Anzeiger-Korrespondent Bernhard Odehnal und sein Kollege Gregor Mayer das vielbeachtete Buch «Aufmarsch: Die rechte Gefahr aus Osteuropa» verfassten, in dem Ungarn nicht eben als positives Beispiel auftauchte. Mayer zeigte etwa, wie die eigentlich verbotene paramilitärische Gruppe «Ungarische Garde» gemeinsame Sache mit der rechtsradikalen Partei Jobbik macht.

Der Juden-Vergleich

Kenessey fühlt sich an die «Nazi-Zeit» erinnert und vergleicht das Schicksal der Ungarn mit jenem der Juden: Wie damals, «als für alle Schandtaten die Juden benannt und herangezogen» worden seien, müssten nun die Ungarn als «Übeltäter» für alle «Schandtaten» herhalten: «Das ist eine Verleumdung, eine hetzerische Aktivität, welche bisher in der Schweiz nicht angetroffen wurde.»

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