Kommentar
Visionen sind gefragt

Je enger zusammengewohnt wird, desto wichtiger werden grüne Plätze zwischen den Häusern.

Lina Giusto
Lina Giusto
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Hier zwischen dem Bahnhof Wiedikon und der Hohlstrasse soll mit der Überdachung der Gleisschneise eine Parkanlage entstehen.

Hier zwischen dem Bahnhof Wiedikon und der Hohlstrasse soll mit der Überdachung der Gleisschneise eine Parkanlage entstehen.

Lina Giusto

Engagierte Zürcher Stadtbewohner haben eine Vision: Die Gleisschneise vom Bahnhof Wiedikon bis zur Hohlstrasse soll überdeckt und so zu einer Parkanlage werden. Die bestehenden Strassen und Brücken sollen den Seebahnpark in sechs Abschnitte gliedern. Entsprechend den umliegenden Nachbarschaften sollen diese unterschiedlich gestaltet werden. Der Seebahnpark soll als Ort der Erholung, als Fest- oder Marktplatz dienen – er soll zur grünen Oase der Kreise 3 und 4 werden.

Anstatt sich gegen die Verdichtung zu wehren, setzt die Projektgruppe Greulich mit ihrer Idee dort an, wo noch Handlungsmöglichkeit besteht. Sie sieht im Gleisgraben einen ungenutzten Freiraum, der mit einer Überdachung aufgewertet werden kann. Offene und grüne Plätze zwischen den Wohnbauten werden umso wichtiger, je enger gebaut wird. Denn an diesen Orten erhält die Bevölkerung die Möglichkeit, sich frei zu entfalten.

Das Bemerkenswerte daran: Die Idee hat Potenzial, Realität zu werden. Denn die private Gruppe beschwert sich nicht einfach über bürokratische Hürden, sondern hat das Gespräch mit jenen gesucht, die es zu überzeugen gilt. Mit den SBB als Grundstückbesitzerin und, weil der Seebahnpark öffentlicher Raum ist, wurde die Idee auch den zuständigen Stadträten Filippo Leutenegger und André Odermatt präsentiert.

Es sind Köpfe wie jene der Projektgruppe, die die Stadt Zürich braucht: Urbane Zeitgenossen, die sich mit ihrer Expertise und ihrer branchenübergreifenden Vernetzung für den Zürcher Lebensraum einsetzen und damit zeigen, dass öffentlicher Raum nicht nur Aufgabe der Stadt sein muss.