Winterthur
Villa Erb unter dem Hammer: Niemand hörte den Ruf «und zum Dritten»

Die Versteigerung der früheren Erb-Villa in Winterthur bot Unterhaltung, eine Entschuldigung und eine Überraschung.

Martin Gmür
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Die Villa Wolfensberg in Winterthur gehört zu den letzten Objekten aus der Erb-Konkursmasse.

Die Villa Wolfensberg in Winterthur gehört zu den letzten Objekten aus der Erb-Konkursmasse.

Konkursamt des Kantons Thurgau

Der Lapsus, der dem Versteigerer Simeon Bertschinger vom Notariat passierte, war das grosse Thema nach der Versteigerung. Er hatte einen Fehler gemacht, kaum jemand im Saal hätte dem widersprochen. Er hatte zwar nach dem zweimaligen Ausruf des Gebots von 2,6 Millionen Franken lange gewartet, aber er sagte die Worte «... und zum Dritten» nicht. Gleichwohl gab er dem Bauunternehmer Robert Hofer den Zuschlag.

Dessen Kontrahentin beharrte darauf, mit 2,61 Millionen im Rennen zu bleiben. Hofer pochte darauf, im Recht zu sein und den Zuschlag zu bekommen. Es wurde laut im Saal, es gab Zwischenrufe, ein Onlinemedium berichtete live gar von Tumulten, doch Unmut und Unruhe wären wohl die angemessenen Worte.

Also nahm Gantrufer Bertschinger bei der Versteigerung am Mittwoch Rücksprache mit seinem Chef des Notariats, dieser besprach sich mit dem erfahrenen Betreibungsbeamten Roland Isler, der als Gast im Saal sass. Und nach einer kurzen Besprechung aller Beteiligten nahm man den Faden nochmals auf, das Duell ging weiter, bis Robert Hofer bei 2,9 Millionen das letzte Gebot abgab – «und zum Dritten» – Ende.

Hofer ist weitherum bekannt als Bauunternehmer und Immobilien-Tycoon, er leitet als Eigentümer die Firma L+B, die vielerorts in der Region Wohnsiedlungen baut. Selber wohnt er allerdings steuergünstig im Kanton Zug.

Erwähnenswert: Trotz seines Fehlers und der folgenden Unsicherheit behielt der Gantrufer die Nerven und räumte nach mehreren Rücksprachen seinen Lapsus ein.

Bevor die Villa unter den Hammer kam, war es um eine 3000 Quadratmeter grosse Wiese nebenan gegangen, Schätzwert 8800 Franken. Unter den Bietern waren ein Immobilienmakler, der später auch kurz um die Villa mitbot, sowie Carmelo Albanese namens seiner Firma. Den Zuschlag erhielt mit 8000 Franken die Stadt Winterthur.

Das war die Überraschung

Umstrittener war eine 1,3 Hektaren grosse Waldparzelle hinter der Villa, Schätzwert knapp 14000 Franken. Ein Bieter hatte schriftlich 31000 Franken angeboten, das war der Start. Mehrere Private und die Stadt boten sich in Tausenderschritten hoch bis 71000 Franken. Dann trat ein Bieter in Aktion, der zuvor kein Wort gesagt hatte: «Andreas Schoellhorn, ich biete 72000.»

Wars dieser Name, die Preisschwelle, oder wars die Überraschung? Es wurde still im Saal, weitere Gebote gabs keine. Andreas Schoellhorn ist ein Nachfolger der Haldengut-Dynastie, hat selber vor ein paar Jahren wieder eine Kleinbrauerei mitgegründet, und vor allem war der Erbauer und langjährige Bewohner der Erb-Villa sein Grossonkel. Er besitze schon ein Waldstück unweit des neu erworbenen, sagte Schoellhorn, und er habe nicht gegen die Stadt bieten wollen, da man denselben Ideen folge. Er strebe Biodiversität an und verstehe den Wald als «erweitertes Naturschutzgebiet». Die Villa interessiere ihn hingegen weniger: «Ich habe ja jetzt den Trostpreis.»

Hofer sagt wenig zu Plänen und Ideen

Der grosse Sieger des Gant-Nachmittags war Robert Hofer. Doch der Bauunternehmer hielt sich auffallend stark zurück mit Aussagen zu seinen Plänen und Ideen. Was wird aus der Villa, die zwar abgebrochen werden darf, die aber einen grossen Terrassengarten hat, der unter Schutz steht? Hofer liess sich nicht in die Karten ­blicken.

«Ich hab das Winterthur zuliebe getan», sagte er, und seiner Konkurrentin habe er die Villa nicht überlassen mögen: «Das wollte ich verhindern.» Die Schoellhorn-Erb-Villa sei «ein wesentliches Gebäude in Winterthur», sagte er. Und auf den Einwand, das Gebäude sei aber mittlerweile reichlich marod, entgegnete Hofer: «Dafür sind wir ja da. Jetzt schauen wir uns alles genau an, dann sehen wir weiter.»

Mögliche Klage wäre wohl chancenlos

Theoretisch hätte Robert Hofer die Möglichkeit, die Panne während der Versteigerung einzuklagen. Damit erhielte er möglicherweise die Villa 300000 Franken günstiger, für 2,6 Millionen – so hoch lag sein Angebot, als er glaubte, gewonnen zu haben. Beobachter räumen einer Klage jedoch wenig Erfolgschancen ein.