Wer in die Ferien fliegt und für das Parkieren seines Fahrzeugs nicht tief ins Portemonnaie greifen will, der weicht gerne auf Valet-Parking-Anbieter aus. Für die Flughafengemeinden bedeutet das vor allem eines: zusätzlichen Mehrverkehr, Lärm und Gestank. Seit Jahren kämpft Nieder-hasli gegen den Billigparkplatzanbieter ParknFly, der das Geschäft mit den Autos der Flugreisenden im Industriequartier betreibt. Denn die Firma hat keine Betriebsbewilligung.

Nun geriet ParknFly auch in der Sendung «Kassensturz» unter Beschuss. Die Autos kämen verdreckt zurück und hätten zu viele Kilometer auf dem Tacho. Im Beitrag vom letzten Dienstagabend schilderte ein Kunde, er habe sein Auto mit komplett verdreckten Fussmatten zurückerhalten.

Laut dem Unternehmen ist ein Wasserrohrbruch auf dem Parkplatz schuld gewesen. Zudem seien auf dem Tacho beim Abholen des Wagens auf einmal 108 Kilometer mehr drauf gewesen. Dies, obwohl die Firma laut ihren Geschäftsbedingungen für die Transfers eine Distanz von maximal 30 Kilometern zurücklegen darf. Dabei ist Niederhasli vom Flughafen gerade mal elf Kilometer entfernt. Was mit dem Fahrzeug passierte, sei unklar, heisst es im Bericht.

Der Kunde ist kein Einzelfall. Auch in Internetforen klagen diverse Kunden des Billigparkplatzanbieters über verdreckte Autos, zu viele Kilometer auf dem Tacho oder lange Wartezeiten. Ein Kunde mit Fahrtenschreiber im Auto erklärt, sein Fahrzeug sei «für andere Zwecke missbraucht» worden.

ParknFly ist nicht der einzige Billigparkplatzanbieter. Am Flughafen buhlen rund zwölf Unternehmen um Kundschaft. Viele Reklamationen von unzufriedenen Valet-Parking-Kunden würden auch beim Flughafen landen. Flughafensprecherin Sonja Zöchling erklärte gegenüber dem «Kassensturz»: «Wir haben sehr viele negative Rückmeldungen.  Es geht um dreckige Fahrzeuge, die zurückgebracht werden. Es geht um Kindersitze, die bei der Autoabgabe drin waren und nachher bei der Rückkehr nicht mehr. Es geht um beschädigte Autos. Auch ein grosser Reklamationspunkt sind die zu vielen Kilometer, die plötzlich auf dem Tacho sind, die eigentlich nicht drauf sein sollten.»

Stündlich umparkiert

Wie die vielen Kilometer bei den Kundenautos zusammenkommen, das kann sich Thomas Grädel, Leiter der Sicherheitsabteilung der Stadt Kloten, erklären: So würden Valet-Parking-Anbieter, deren eigene Parkplätze weiter entfernt liegen würden, die Autos in der Nähe des Flughafens «zwischenparkieren», dies sowohl auf öffentlichem wie auch auf privatem Grund. «Manche stellen das Kundenfahrzeug auch in der blauen Zone ab und müssen das Auto dann stündlich umparkieren.»

Beliebt seien aber auch Parkplätze bei Sportanlagen sowie der Militärparkplatz, wo die zeitliche Beschränkung grosszügiger ausfällt. Die Parkfläche beim Waffenplatz sei während der Herbstferien wieder komplett besetzt gewesen von den Valet-Parking-Anbietern, sodass Freizeitsportler keinen freien Platz mehr fanden, sagt Grädel. Die Stadt hofft daher auf ein richterliches Verbot für den Militärparkplatz. Die Verschiebepraxis betreffe jedoch nur die «Trittbrettfahrer» unter den Valet-Parking-Anbietern. Die konzessionierten Unternehmen seien da ausgenommen.

Hoffen auf baldiges Ende

In Niederhasli ist die Unzufriedenheit mit ParknFly weiterhin gross. «An der Situation hat sich nichts geändert», erklärt Gemeindepräsident Marco Kurer. Während der Herbstferien seien wieder diverse Autos mit Schildern aus fremden Kantonen auf öffentlichen Parkplätzen der Gemeinde gestanden. Man habe einigen Fahrzeughaltern eine Rechnung stellen müssen.

In der Gemeinde hofft man auf ein baldiges Ende im Valet-Parking-Streit. Im Moment muss das Verwaltungsgericht darüber befinden, ob die Valet-Parking-Anlage überhaupt statthaft ist. «Wir erwarten den Entscheid in den nächsten Tagen und Wochen», sagt Kurer. ParknFly kämpft an zwei Fronten. Denn auch der Grundstücksbesitzer hat dem Unternehmen bereits gekündigt.

Schmutzige Autos, zu viele Kilometer, keine Betriebsbewilligung – zu diesen Vorwürfen habe ParknFly laut Fernsehbericht keine Stellung nehmen wollen. Zum Fall des im Beitrag gezeigten Kunden habe das Unternehmen gesagt, man transportiere in den Kundenautos manchmal auch eigene Mitarbeiter an den Flughafen.