Mit dem Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts wird ein neues Kapitel geschrieben im mittlerweile sechsjährigen Streit um den ehemaligen Gasthof Adler in Knonau. Das Hauptgebäude stammt aus dem Jahr 1575. Ein Tanzsaal wurde 1904 angebaut.

Der aktuelle Gerichtsentscheid hebt die definitive Unterschutzstellung durch die Baudirektion des Kantons Zürich vom September 2015 auf. Damals wurde das ehemalige Restaurant samt Tanzsaal als Objekt von überregionaler Bedeutung eingestuft und ins überkommunale Inventar aufgenommen.

Gleichzeitig ordnete die Baudirektion an, dass keine baulichen Veränderungen vorgenommen und keine Unterhaltsarbeiten ausgeführt werden dürfen, welche die äussere und innere Wirkung des Gebäudes sowie dessen Umgebung berühren.

Zu lange gewartet

Die Baudirektion hat zu lange zugewartet, bis sie das Verfahren in Gang setzte, begründet das Gericht im Wesentlichen sein Urteil. Die Eigentümerin der Liegenschaft durfte sich daher auf die Unterschutzstellung der Gemeinde verlassen, die deutlich weniger weit ging als die Verfügung der Baudirektion.

Schon 2011 forderte die damalige Eigentümerin von der Gemeinde Knonau, sie solle den ehemaligen Gasthof aus dem kommunalen Inventar der schützenswerten Objekte entlassen. Die Gemeinde entsprach dem Wunsch nicht und bezeichnete das Hauptgebäude als Schutzobjekt. Nicht schützenswert seien hingegen der Tanzsaal und die Umgebung der Liegenschaft.

Den Entscheid publizierte die Gemeinde am 20. Mai 2011 im Amtsblatt des Kantons Zürich. Im Dezember 2011 verkaufte die damalige Eigentümerin ihr Grundstück mit dem ehemaligen Gasthof. Die neuen Besitzer gingen also von einem Schutz aus, welcher weder den Tanzsaal noch die Umgebung betraf. 2013 kam die kantonale Denkmalpflege ins Spiel. Die Denkmalpflegekommission des Kantons Zürich erstellte ein Gutachten. Das Ganze gipfelte in der umfassenden Unterschutzstellung vom September 2015.

Die neuen Eigentümer akzeptierten diesen Entscheid nicht, hatten sie doch ihre eigenen Pläne für die Liegenschaft. Ein Rekurs beim Baurekursgericht wurde teilweise gutgeheissen. Allerdings wurde lediglich ein Büffet und ein Kachelofen vom Schutz ausgenommen.
Das Verwaltungsgericht hält nun fest, es stünden sich zwei Positionen gegenüber: Die Bauherrschaft auf der einen Seite habe ein legitimes Interesse an einem verbindlichen Schutzentscheid. «Dieser Entscheid soll ihr Rechts- und Planungssicherheit vermitteln», heisst es im Urteil. Die Baudirektion andererseits wolle berechtigt sein, unabhängig von einem kommunalen Entscheid einen kantonalen Schutzentscheid zu fällen.

Entscheid muss rechtskräftig sein

Die Bauherrschaft könne sich erst auf die Gültigkeit eines Entscheides verlassen, wenn dieser rechtskräftig sei. Im Klartext: Ist die Rechtsmittelfrist nach der Publikation im Amtsblatt verstrichen, ist die Sache gelaufen. Die Baudirektion hätte der Eigentümerin spätestens bis zum Ende der Frist mitteilen müssen, dass sie eigene Abklärungen treffen will. Nach dem Entscheid des Zürcher Verwaltungsgerichts gilt nun also wieder die kommunale Unterschutzstellung, welche die Gemeinde Knonau angeordnet hat. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.