Der Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich steht rechtlich noch auf unsicherem Fundament. Archicultura, die Stiftung für Orts- und Landschaftsbildpflege mit Sitz in Luzern, zieht einen Entscheid des Baurekursgericht des Kantons Zürich ans Verwaltungsgericht weiter. Die Bauherrschaft bedauert den Weiterzug und rechnet mit Mehrkosten.

Das Baurekursgericht des Kantons Zürich hat vor rund einem Monat der einzigen Rekurrentin gegen die Baubewilligung für die Erweiterung des Kunsthauses Zürich die Legitimation für einen Rekurs abgesprochen.

Das Gericht war der Ansicht, dass Archicultura, «mangels einer erkennbaren räumlichen Beziehung zum Bauvorhaben und mangels Nachweis einer gesamtkantonalen Tätigkeit nicht zur Beschwerde legitimiert ist».

Archicultura kann dieser Argumentation nichts abgewinnen, wie die Stiftung am Dienstag vor den Medien bekanntgab. Die 1996 gegründete Stiftung ist gemäss eigenen Angaben gesamtschweizerisch tätig, seit 2002 auch im Kanton Zürich. Unter anderem habe sie Karten erstellt, die einen Überblick über die Einstufung der Ortsbildqualität von Dörfern und Städten im Kanton Zürich geben.

Die Stiftung erfüllt ihrer Ansicht nach eine öffentlich-rechtliche Aufgabe. Ihr Ziel bestehe «in der Bewahrung und gedeihlichen Entwicklung unserer Ortsbilder».

Verschnaufpause als Nebeneffekt

Der Weiterzug bringe als Nebeneffekt eine Verschnaufpause, die ein Nachdenken über den von David Chipperfield projektierten Erweiterungsbau ermögliche, hiess es weiter. Noch sei es Zeit, die Gegend am Heimplatz «vor einem schweren kulturellen und städtebauliche Frevel» zu bewahren.

Der Frevel besteht laut Archicultura darin, «dass der grösste Grünraum des ehemaligen Schanzenrings von Zürich zugebaut würde und ein autistischer Kunsttresor mit seinem übergrossen Volumen» das Gebiet am Pfauen erdrückt.

Anstatt im neuen Erweiterungsbau könne die Sammlung Bührle im leerstehenden "noblen Gebäude" der freigewordenen alten Kantonsschule untergebracht werden, schlägt Archicultura vor. Auch das Wolfbachschulhaus könnte für Ausstellungen genutzt werden.

Anstatt die beiden Turnhallen abzureissen, könnte die eine für Events gebraucht werden, die andere als Restaurant. Die Grünfläche zwischen Heimplatz und alter Kantonsschule soll zu einem Stadtpark werden, in dem auch Skulpturen ausgestellt werden.

Bedauern bei der Bauherrschaft

Die Stadt Zürich, die Zürcher Kunstgesellschaft und die Stiftung Zürcher Kunsthaus, die in der Einfachen Gesellschaft Kunsthaus-Erweiterung (EGKE) zusammengeschlossen sind, hatten gehofft, dass die Stiftung auf einen Weiterzug verzichtet. Den Weiterzug nehme die Bauherrschaft «mit Bedauern zur Kenntnis», teilte das Hochbaudepartement mit.

Durch den Weiterzug werde sich der Baustart für die Kunsthaus-Erweiterung aller Voraussicht nach verzögern. Die Dauer der Verzögerung hängt laut Mitteilung vom weiteren juristischen Verfahren rund um den Weiterzug ab und lässt sich somit nicht vorhersagen.

Eine Verzögerung des Baustarts, der ursprünglich für das vierte Quartal 2013 geplant war, ist mit Mehrkosten verbunden. Deren Höhe hängt von der Dauer der Verzögerung ab und lässt sich gemäss Hochbaudepartement ebenfalls nicht vorhersagen.

Die Kunsthaus-Erweiterung kostet insgesamt 206 Millionen Franken. Die Stadt Zürich bezahlt daran einen Investitionsbeitrag von 88 Millionen Franken. Die Stimmberechtigten der Stadt Zürich hatten die Finanzierung im November 2011 bewilligt. Die Eröffnung des Erweiterungsbaus war ursprünglich für 2017 geplant.