Zürich
Verteidiger von Jeton G. werfen Richter «Hetze» vor

Der Mordprozess gegen Jeton G. wird morgen fortgesetzt. Nun kommen die Verteidiger zu Wort.

Michel Wenzler
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Im bisherigen Prozessverlauf betonten die Verteidiger immer wieder, dass Jeton G. nicht zwingend der Todesschütze sein müsse, sondern ein zweiter Revolver im Spiel gewesen sein könnte. (Themenbild)

Im bisherigen Prozessverlauf betonten die Verteidiger immer wieder, dass Jeton G. nicht zwingend der Todesschütze sein müsse, sondern ein zweiter Revolver im Spiel gewesen sein könnte. (Themenbild)

KEYSTONE/WALTER BIERI

Nach einem Unterbruch von mehreren Wochen geht am Montag am Bezirksgericht Zürich der Prozess gegen Jeton G. weiter. Der heute 36-jährige Schweizer mit kosovarischen Wurzeln soll vor fünf Jahren in Zürich-Affoltern seinen Erzfeind Boris R. hinterrücks erschossen haben.

Nicht nur der Fall an sich sorgte für Aufsehen. Auch der Auftakt der mehrtägigen Gerichtsverhandlung im Januar verlief spektakulär. So wurde am ersten Prozesstag die Existenz eines Videos bekannt, das verbotenerweise in der Strafanstalt Pöschwies gedreht und ins Internet gestellt worden war. Es zeigt den Beschuldigten, wie er gewaltverherrlichende Lieder singt. An einem anderen Prozesstag kam es zudem vor dem Gerichtssaal zu einem Gerangel zwischen dem Vater von Jeton G. und einem Mitbeschuldigten. Und die Verteidiger legten sich von Beginn weg mit dem Gericht an und bezeichneten die Richter mehrfach als voreingenommen.

Ihren eigentlichen Hauptauftritt haben die Verteidiger aber erst am Dienstag. An den vorhergehenden Prozesstagen waren der Beschuldigte sowie dessen mutmassliche Mittäter befragt worden. Zudem hatten die Anwältinnen der Mitbeschuldigten sowie der Staatsanwalt ihre Plädoyers gehalten. Letzterer beantragt für Jeton G. eine lebenslängliche Freiheitsstrafe sowie die Verwahrung.

Richter soll in den Ausstand

Die Verteidiger des Beschuldigten werden sich mit aller Vehemenz dagegen wehren. Gespannt sein darf man auf ihre Strategie. Im bisherigen Prozessverlauf betonten sie immer wieder, dass Jeton G. nicht zwingend der Todesschütze sein müsse, sondern ein zweiter Revolver im Spiel gewesen sein könnte. Sie verlangten deshalb vergeblich eine Rekonstruktion des Tathergangs.

Mehrfach hielten die Verteidiger zudem fest, die Öffentlichkeit und das Gericht hätten Jeton G. vorverurteilt. Nach dem dritten Prozesstag kritisierten sie in einem Schreiben an mehrere Medien die Berichterstattung sowie das Verhalten des Gerichtsvorsitzenden. Für diesen beantragen sie, er müsse in den Ausstand treten, weil er parteiisch sei.

Auslöser für den Antrag war der Vorfall vor dem Gerichtssaal. Der Vater von Jeton G. soll während einer Verhandlungspause gegen die Brust eines Mitbeschuldigten geschlagen haben. Als der Prozess wiederaufgenommen wurde, stellte ihn der Gerichtsvorsitzende zur Rede. Der Vater bestritt den Schlag. Es kam zu einem Disput. Der Richter warf den Mann schliesslich aus dem Saal. Es sei unerhört, finden die Verteidiger, wie der Richter den Vater in der Öffentlichkeit blossgestellt habe. Er habe bewusst ein Spektakel inszeniert und die Presse aufgehetzt. Die Berichterstatter wiederum hätten sich gerne von ihm instrumentalisieren lassen und gegen den Beschuldigten Stimmung gemacht. Die Verteidiger würden es da als ihre Aufgabe betrachten, «für ein faires Verfahren zu sorgen».