Zürich

Versuchter Mord: In der Schweiz geboren und doch des Landes verwiesen

Die Kosovarin leidet gemäss psychiatrischer Beurteilung einer emotional-instabilen, dissozialen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-­Typus mit Verdacht auf undifferenzierte Schizophrenie.

Die Kosovarin leidet gemäss psychiatrischer Beurteilung einer emotional-instabilen, dissozialen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-­Typus mit Verdacht auf undifferenzierte Schizophrenie.

Eine 21-jährige Kosovarin wird des Landes verwiesen. Das Obergericht bestätigt ein Urteil des Bezirksgerichts Bülach. Die psychiatrische Beurteilung meint, sie leide an einer schweren emotional-instabilen, dissozialen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus mit Verdacht auf undifferenzierte Schizophrenie.

Der Geburtsort schützt vor Ausschaffung nicht. Dies muss eine 21-jährige Frau, deren Eltern aus Kosovo stammen, nun schmerzhaft erfahren. 1999 wurde sie in der Schweiz geboren, aber ihre Eltern haben sie nie eingebürgert. Dies wird ihr nun zum Verhängnis. Im Dezember 2018 wurde die Beschuldigte vom Jugendgericht des Bülacher Bezirksgerichts des versuchten Mordes, der versuchten vorsätzlichen Tötung, der Drohung sowie weiterer untergeordneter Delikte schuldig gesprochen und mit 10 Jahren Freiheitsstrafe bestraft. Es wurde ferner eine stationäre therapeutische Behandlung angeordnet und eine Landesverweisung von 10 Jahren ausgesprochen. Die erste Strafkammer des Obergerichts Zürich hat, wie sie am Donnerstag bekannt gab, mit Urteil vom 5. Oktober den Schuldspruch samt Landesverweis bestätigt und die Freiheitsstrafe auf 9 Jahre herabgesetzt.

Die Beschuldigte erlebte laut dem Obergericht ein problematisches, gewalttätiges Elternhaus und zeigte bereits in der Schulzeit psychische Auffälligkeiten. Einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung konnte sie nicht erreichen. Vielmehr durchlief sie seit früher Jugend eine Abfolge zivil- und strafrechtlicher Interventionen in zahlreichen wechselnden Institutionen zur therapeutischen Behandlung. Gemäss psychiatrischer Beurteilung leidet sie an einer schweren emotional-instabilen, dissozialen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-­Typus mit Verdacht auf undifferenzierte Schizophrenie. 

Im März 2017, und somit noch als Jugendliche, versuchte die Beschuldigte in der Universitären Psychiatrischen Klinik Basel, einen zwölfjährigen Mitpatienten mit einem Schal zu erwürgen. Mit dieser Tat wollte sie ihre Verlegung in eine andere Institution erzwingen. Die Tat wurde von anderen jugendlichen Patienten bemerkt. Diese alarmierten das Betreuungspersonal, welches die Beschuldigte stoppen konnte.

Mitpatienten angegriffen und gewürgt

Ebenfalls als Jugendliche beging die Beschuldigte weitere, weniger schwerwiegende Delikte wie Drohungen gegen für sie zuständige Betreuungspersonen und Sachbeschädigungen. Im Januar 2018, und somit als Erwachsene, griff sie von hinten einen im Gemeinschaftsraum des Psychiatriezentrums Rheinau vor dem TV-Gerät sitzenden Mitpatienten an und würgte diesen, bis herbeieilendes Betreuungspersonal sie vom Angegriffenen wegzerren konnte. Das Motiv war wiederum ihr Wunsch nach Verlegung in eine andere Institution sowie ihre Frustration über einen nicht zustande gekommenen Kontakt zu einem behandelnden Arzt.

Den ausgesprochenen Landesverweis rechtfertigt das Obergericht folgendermassen: «Wohl liegt bei der Beschuldigten als in der Schweiz geborene und aufgewachsene Ausländerin ein sogenannter Härtefall vor. Allerdings überwiegen aufgrund ihrer sehr hohen Rückfallgefahr für schwere Gewaltdelikte die Interessen der Schweiz an ihrer Wegweisung die Interessen der Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz.» Der Kosovarin steht noch der Gang vor das Bundesgericht offen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1