Pfuusbus Albisgüetli
Versuchte Tötung: Obdachloser zu fünfjähriger Freiheitsstrafe verurteilt

Ein Obdachloser, der sich von dem Treiben eines weiteren Pfuusbusbewohners gestört fühlte und diesen mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt hatte, wurde zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Das Gericht stufte die Tätigkeit nicht als Notwehr ein.

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Hier im Pfuusbus von Pfarrer Sieber im Zürcher Albisgüetli kam es zur Tätigkeit. (Archiv)

Hier im Pfuusbus von Pfarrer Sieber im Zürcher Albisgüetli kam es zur Tätigkeit. (Archiv)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Der Obdachlose, der im Pfuusbus im Winter 2016 einen anderen Mann mit einem Sackmesser lebensgefährlich verletzte, wurde zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt, berichtet der "TagesAnzeiger".

Der Logistiker, der die Lehre bei der Post aber nicht abgeschlossen hatte, war damals von der Mutter aus der Wohnung geworfen worden und suchte deswegen im Pfuusbus eine Übernachtungsmöglichkeit, wie der "TagesAnzeiger" schreibt.

In der Tatnacht vom 23. Januar 2016 wurde der heute 31-jährige Schweizer vom Treiben eines anderen Pfuusbusbewohner aufgeweckt.

Wie der Logistiker am Prozess am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich sagte, hatte der andere Mann Sex mit einer Frau, mit welcher der Angeklagte früher schon ein "Techtelmechtel" gehabt hatte.

Welche Aufgabe erfüllt der "Pfuusbus"?

Der Pfuusbus ist ein Angebot der Sozialwerke Pfarrer Sieber. Er bietet Menschen ab 18 Jahren im Winter eine Ess- und Schlafmöglichkeit. Der Pfuusbus ist gratis und unbürokratisch. Er verfügt über 15 Schlafplätze. (lgi)

Der Logistiker versuchte weiter zu schlafen, als der andere Mann ihn an die Hoden gegriffen und sie gequetscht haben soll. Daraufhin wurde der Angeklagte wütend und verletzte den anderen Mann mit einem Sackmesser. Er stach dem Mann einmal in den rechten Brustkorb und zweimal in den Rücken, worauf er floh. Die Polizei konnte ihn aber wenige Stunden später an der Langstrasse im Kreis 4 verhaften.

Vermeintliche Notwehr

Gegenüber dem Richter sagte der Beschuldigte, dass er nur aus Wut aber nicht aus Eifersucht gehandelt habe und es ihm leid tue.

Doch stellten sowohl der Staatsanwalt wie auch der Psychiater den Hodengriff in Frage, schreibt der "TagesAnzeiger" weiter. So habe der Beschuldigte bei der Einvernahme davon nichts gesagt und auch das Opfer habe dies verneint. Ebenfalls kam das Gericht zum Entscheid, dass der Angeklagte nicht aus Notwehr, sondern aus Ärger und Wut über die Nachtruhestörung gehandelt habe. Aus diesem Grund folgte das Gericht dem Strafmass des Staatsanwaltes von fünf Jahren. Der Verteidiger hatte auf maximal 36 Monaten plädiert.

Der Psychiater empfiehlt eine psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung für den an einer schizoaffektiven Störung leidenden Mann. Dieser befinde sich seit einem Monat in der geschlossenen psychiatrischen Klinik Münsterlingen im Kanton Thurgau. (lgi)