Wahlen ZH 2018

EVP: Neuer Anlauf auf die 5-Prozent-Hürde

Die EVP hofft, durch gemeinsame Listen mit der BDP die 5-Prozent-Hürde zu nehmen. (Symbolbild)

Die EVP hofft, durch gemeinsame Listen mit der BDP die 5-Prozent-Hürde zu nehmen. (Symbolbild)

Im Vorfeld zu den Zürcher Wahlen 2018 analysieren wir die Ausgangslage der Parteien. Heute im Fokus: die EVP. Die Kleinpartei will nach vierjähriger Absenz ins Zürcher Stadtparlament zurückkehren – mit Hilfe der BDP.

Welche Rolle spielt die EVP in der Stadt Zürich?

Die EVP gehörte von 1954 bis 2014 ununterbrochen dem Zürcher Stadtparlament an. Als kleine Mittepartei spielte sie bei Bedarf die Rolle des Mehrheitsbeschaffers. Tendenziell wird sie eher dem linksgrünen Spektrum zugerechnet. Umso mehr überraschte es, als sie Ende 2010 zusammen mit den bürgerlichen Parteien die Rückweisung des Stadtzürcher Budgets beschloss. Im Frühling 2011 büxte die EVP dann allerdings aus dem bürgerlichen Sparbündnis aus. Die Quittung für den Schlingerkurs: Bei den Wahlen 2014 scheiterte die EVP an der 5-Prozent-Hürde, die verlangt, dass eine Partei mindestens in einem Stadtzürcher Wahlkreis mehr als 5 Prozent der Stimmen erreichen muss, um in den Gemeinderat einzuziehen. Eine Nachzählung ergab, dass der EVP genau 31 Stimmen fehlten.

Welche Wahlziele hat sich die EVP gesetzt?

Wahlziel Nummer eins ist, dass sie wieder in den Gemeinderat kommt. Um dieses Ziel zu erreichen, spannt die EVP mit der BDP zusammen: Die beiden Mitte-Parteien haben in allen neun Wahlkreisen EVP/BDP-Listen eingereicht. So rechnen sie sich Chancen aus, in mindestens einem Wahlkreis die 5-Prozent-Hürde zu nehmen. Die frühere EVP-Gemeinderätin Claudia Rabelbauer kandidiert zudem auch für einen Stadtratssitz.

Wie viel Exekutiv-Erfahrung hat die Stadtzürcher EVP?

Mit Ruedi Aeschbacher stellte sie zuletzt von 1978 bis 1994 einen Zürcher Stadtrat. Man nannte ihn «Schwellen-Ruedi», da sich unter seiner Federführung Tempo-30-Zonen mit Schwellen, die zum Bremsen veranlassen sollen, etablierten. Von 1928 bis 1933 war bereits Ulrich Ribi EVP-Stadtrat in Zürich.

Wie verliefen die letzten Anläufe der EVP für einen Stadtratssitz?

2010 trat Richard Rabelbauer, der Ehemann der jetzigen EVP-Kandidatin, als Stadtratskandidat an. Er landete abgeschlagen auf dem 15. Platz. Nur wenig erfolgreicher war 2006 Ernst Danner als EVP-Stadtratskandidat: Er brachte es auf den 12. Platz – und verpasste die Wahl in den Stadtrat damit ebenfalls.

Wofür steht eigentlich die EVP?

Sie ist eine von evangelisch-christlichen Werten geprägte Mitte-Partei. In ökologischen Fragen steht die EVP den Grünen nahe, beim gemeinnützigen Wohnungsbau ist sie SP-nah. Wenn es um Gewerbeförderung und finanzpolitische Fragen geht, hat sie aber auch Berührungspunkten mit den bürgerlichen Parteien.

Womit macht die EVP in Zürich zuletzt von sich reden?

Nachdem sie 2014 die Wiederwahl in den Gemeinderat knapp verpasst
hatte, lancierte die EVP eine Volksinitiative zur Abschaffung der 5-Prozent-Hürde. Sie wurde von den Stadtzürcher Stimmberechtigten im vergangenen Februar allerdings deutlich
abgelehnt.

Wer gehört zur EVP-Prominenz?

Das wohl bekannteste Gesicht der EVP ist der Zürcher Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber, der von 1991 bis 1995 für die Partei im Nationalrat war, gefolgt von Alt Stadtrat Ruedi Aeschbacher, der dem Nationalrat von 1999 bis 2010 angehörte. Seine Nachfolgerin im Nationalrat wurde dann die vormalige Winterthurer Stadträtin Maja Ingold, die vergangenen November zurücktrat.

Wie lange gibt es die EVP schon?

Sie feierte letztes Jahr ihren 100. Geburtstag. Wie auch die SVP wurde sie gegründet, als der Kanton Zürich 1917 das Proporzwahlrecht einführte.

Wie gross ist das Wahlkampfbudget der EVP für die Wahlen 2018?

Laut der Stadtratskandidatin Claudia Rabelbauer beläuft sich das Wahlkampfbudget der EVP für die Zürcher Stadt- und Gemeinderatswahlen 2018 auf rund 92'000 Franken. Hinzu kommen noch private Spenden sowie ein kleinerer Beitrag der Stadtratskandidatin.

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