Wahlen ZH 2018

FDP: Die Partei will zurück zur alten Grösse

Bei der FDP zieht Stadtpräsidiumskandidat Filippo Leutenegger viel Aufmerksamkeit auf sich. (Archiv)

Bei der FDP zieht Stadtpräsidiumskandidat Filippo Leutenegger viel Aufmerksamkeit auf sich. (Archiv)

Im Vorfeld zu den Zürcher Wahlen 2018 analysieren wir die Ausgangslage der Parteien. Heute im Fokus: die FDP.

Welche Rolle spielt die FDP im Stadtzürcher Parlament?

Mit einem Wähleranteil von 16 Prozent und 21 Sitzen im Gemeinderat ist die FDP die drittstärkste Kraft nach SP und SVP. Nachdem die Partei seit 1994 stetig Wähleranteile verlor, vermochte sie 2014 das Blatt zu wenden und gewann drei Sitze dazu.

Welche Wahlziele hat die FDP?

Im Stadtrat will die Partei primär mit Michael Baumer ihren zweiten Sitz, denjenigen des abtretenden Andres Türler, verteidigen. Zweitens greift die FDP mit Stadtrat Filippo Leutenegger Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) an. Im Rahmen des bürgerlichen Wahlbündnisses Top 5 unterstützt die FDP auch die CVP bei ihrer Sitzverteidigung und versucht, die SVP in den Stadtrat zu bringen. Im 125-köpfigen Gemeinderat strebt die FDP zwei bis drei zusätzliche Sitze an. So könnte die Partei zusätzliche Kommissionspräsidien übernehmen und würde im Turnus öfter einen Ratspräsidenten stellen.

Wie realistisch sind die Ambitionen der FDP auf das Stadtpräsidium?

Neben der SP ist die FDP diejenige Partei, die in Zürich am meisten Stadtpräsidenten stellte, zuletzt Thomas Wagner (1982 bis 1990). Bereits vor vier Jahren strebte Filippo Leutenegger das Stadtpräsidium an. Er unterlag Corine Mauch allerdings im ersten Wahlgang mit einer Differenz von mehr als 16'000 Stimmen. Diesmal tritt Leutenegger als bisheriger Stadtrat an und wird versuchen, es Mauch so schwierig wie möglich zu machen, ihr Amt zu verteidigen.

Wie realistisch sind die FDP-Ziele für den Stadtrat?

Die FDP war meist mit zwei oder sogar drei Sitzen in der Zürcher Exekutive vertreten. Bei der Ersatzwahl für den zurückgetretenen Martin Vollenwyder schnappte sich 2013 Richard Wolff (AL) allerdings den zweiten FDP-Sitz – eine Blamage für die Partei. Diese konnte sie 2014 bei den Gesamterneuerungswahlen wieder wettmachen: Filippo Leutenegger eroberte den Sitz zurück. Dieser kann wohl damit rechnen, wiedergewählt zu werden, obwohl er polarisiert. So wirft ihm etwa die Velolobby vor, Zürich nicht genügend schnell zur Velostadt zu machen. Und auch das Debakel um Urs Pauli, den Direktor von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ), betraf sein Departement. Er betonte stets, dass die Missstände ihren Ursprung unter seinen Vorgängern Ruth Genner (Grüne) und Martin Waser (SP) hatten. Als sie im vergangenen Sommer Michael Baumer als zweiten Kandidaten nominierte, verzichtete die FDP auf eine Dreierkandidatur zugunsten der SVP, die mit einer Doppelkandidatur den Einzug in den Stadtrat anstrebt. Auch entschied sich die FDP gegen die bekanntere und auf nationalem Parkett streitbare Doris Fiala und setzte auf den verdienten Lokalpolitiker Baumer.

Ist der FPD ein Sitzgewinn im Gemeinderat zuzutrauen?

Kann die FDP ihren Schwung von 2014 und den Kantonsratswahlen 2015 mitnehmen, liegt ein Sitzgewinn im Gemeinderat drin. So könnte sie wieder zur zweitgrössten Kraft im Stadtparlament werden, wie dies in den 1980er-Jahren bis zum Beginn der 1990er-Jahre der Fall war.

Wofür steht die FDP?

In der Stadt Zürich setzt sich die FDP für gewerbefreundliche Rahmenbedingungen ein, etwa für genügend Parkplätze. Die Partei fördert private Initiativen etwa bei Überbauungen wie dem besetzten Kochareal. Sie unterstützt Tagesschulen, aber ohne dass der Mittagstisch obligatorisch wird, und fordert eine Steuerfusssenkung. Mit dem Slogan «Meh blau für Züri» wirbt die FDP um Stimmen.

Was gibt die FDP für den Wahlkampf aus?

Einen mittleren dreistelligen Tausenderbetrag investiert die FDP der Stadt Zürich in den Wahlkampf, wie es etwas unkonkret von Parteiseite her heisst. Die zwölf Kreisparteien verfügen zudem über eigene Budgets, deren Höhe zwischen 10'000 und 70'000 Franken liegen. Weiter zahlen die Kandidaten aus eigener Tasche Beträge in sehr unterschiedlicher Höhe an ihren Wahlkampf.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1