In verschiedenen Lebensbereichen wird heute leistungsbezogen, teils auch zeitlich differenziert und somit nach dem Grundsatz "pay as you use" abgerechnet, so zum Beispiel bei Wasser- oder Stromkonsum. Das Konzept des Mobility Pricing schlägt dasselbe unter anderem auch für den öffentlichen Verkehr vor. Wer viel und auf beliebten Strecken zu Spitzenzeiten mit dem Zug anreist, soll mehr fürs öV-Ticket bezahlen. Damit soll die Kapazitäten der Schienen besser genutzt und die Verkehrsspitzen gebrochen werden.

Ende Juni kündete der Bundesrat an, Pilotversuche prüfen zu wollen. Die Kantone Genf, Tessin und Zug wie auch die Stadt Rapperswil-Jona und der Grossraum Bern haben bereits Interesse gezeigt. Gemäss einer Studie zum Mobilitätsverhalten von Pendlern in der Agglomeration Zürich, auf die sich der Konzeptbericht des Bundesrats bezieht, würde bereits heute 63 Prozent aller Spitzenzeitfahrer die Möglichkeit zur Verfügung stehen, ausserhalb der Spitzenzeiten zu fahren.

Verkehrsspitzen brechen genügt nicht

Obwohl sich Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) bereits vor zwei Jahren für das Mobility-Pricing im Grossraum Zürich stark gemacht hat, erteilt der rot-grün dominierte Stadtrat dem Testversuch auf städtischem Boden eine Absage. Die Federführung für Mobility-Pricing liegt beim Gesundheits- und Umweltdepartement. Für Vorsteherin Claudia Nielsen (SP) genügt es gemäss "Tagesanzeiger" nicht, nur die Verkehrsspitzen zu brechen, um die Energiewende voranzutreiben und die Lebensqualität in Zürich zu verbessern.

Auch die Bürgerlichen sperren sich gegen einen Versuch auf städtischem Boden. "Ich befürchte, der Raum Zürich könnte verkehrstechnisch zu komplex sein", begründet Karin Weyermann (CVP) ihre Abneigung gegenüber dem "Tagesanzeiger". Dieser Meinung schliesst sich auch Michael Schmid (FVP) an.

Während auch SP und GLP den Versuch mit Stadtzürcher Beteiligung ablehnen, spricht sich Karin Rykart, Fraktionschefin der Grünen sowie Gemeinderätin, für einen Versuch aus. Mit einer Vorreiterrolle könne Zürich bei der Ausgestaltung einer allfälligen Einführung von Mobility-Pricing mitwirken, so Rykards Begründung.