Unbestritten war vor Obergericht, dass der in Zürich wohnhafte Iraner zwischen 2001 und 2011 regelmässig Sozialhilfegelder für insgesamt über 302 000 Franken bezogen hatte. Beim Antrag auf Fürsorge gab der heute 56-jährige Beschuldigte an, weder über Einkommen noch Vermögen zu verfügen – mit dem Schönheitsfehler, dass er ab 2002 bis 2011 als selbstständig Erwerbender ein Kleider- und Schuhverkaufsgeschäft leitete. Die Anklageschrift führte minutiös die einzelnen Monatsgewinne auf und zählte einen gesamten Betrag von über 680 000 Franken auf. Alleine 364 000 Franken davon soll er seiner im Iran lebenden Mutter überwiesen haben. Weiter kassierte er mit dem Verkauf eines Kioskes weitere 130 000 Franken und erhielt nach einem Verkehrsunfall von einer Versicherung 150 000 Franken. Vermögenswerte, die er auf verschiedenen Bankkonten deponierte und laut Anklage gegenüber den Sozialbehörden bewusst verschwieg.

Im November 2011 erstatteten die Sozialbehörden, misstrauisch geworden, Anzeige. Bereits im letzten Februar hatte der Beschuldigte am Bezirksgericht Zürich seine Unschuld beteuert, unterstützt von seinem Verteidiger, der auch gestern im Hauptantrag einen Freispruch für seinen Klienten verlangte.
Der Rechtsanwalt führte aus, dass sein Klient an einer schweren psychischen Erkrankung leide, weshalb das Geschäft sehr schlecht gelaufen sei. So hätten die finanziellen Verluste die Einnahmen weit übertroffen. Auch die Versicherungsgelder habe er schnell für Schulden verbraucht und sei mittellos gewesen.

Das Plädoyer brachte für den Beschuldigten keine Wendung. So folgten die Oberrichter zum Schluss im Wesentlichen der Anklage und dem Bezirksgericht. Demnach wurde er wegen gewerbsmässigen Betrugs zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Sechs Monate davon unbedingt. Das Obergericht liess auf drei Bankkonten des Beschuldigten beschlagnahmte Gelder für über 46 000 Franken zwecks Deckung der Verfahrenskosten einziehen. Die Oberrichter zeigten sich anhand der falschen schriftlichen Angaben des Kleiderverkäufers von seiner Schuld überzeugt und gingen infolge von Verjährung von einem erwiesenen Deliktsbetrag von 260 000 Franken aus.

Hinzu kam, dass ein Gerichtspsychiater eine Geisteskrankheit aus dem schizophrenen Formenkreis verneint hatte. Womit das Obergericht einen Schuldausschlussgrund ablehnte. Sollte das Urteil in Rechtskraft erwachsen, droht dem seit 1986 in der Schweiz wohnhaften Mann sogar die Ausschaffung.