Zürich

Vergewaltigungsvorwurf: Gericht glaubt Sugardaddy und spricht ihn frei

Das Zürcher Obergericht sprach den Sugardaddy frei.

Das Zürcher Obergericht sprach den Sugardaddy frei.

Ein Arzt hat mittels einer Vermittlungsplattform für Sugardaddys und Sugarbabys eine Frau getroffen und soll sie bei sich zu Hause vergewaltigt haben. Das Obergericht hat ihn nun freigesprochen.

Die Vergewaltigungsvorwürfe hätten seinen Ruf zerstört, sagte der Beschuldigte am Donnerstag vor Obergericht. Er habe seine Stelle als Arzt verloren und finde in der Schweiz keine mehr, wegen der Medienberichte über das Urteil des Zürcher Bezirksgerichts vom September 2017. Dieses hat den Mittfünfziger wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Freiheitsberaubung zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, eines davon müsste er absitzen.

Dies nur, weil er mit einer jüngeren Frau, die er über eine Vermittlungsplattform für «Sugardaddys und Sugarbabys» kennen gelernt habe, in seiner Wohnung in Zürich eine Nacht verbracht habe – mit einvernehmlichem Sex. Erst am Morgen habe sie Geld gefordert und sei ausgerastet, als er es ihr nicht habe geben wollen.

Laut Anklageschrift kippte die Stimmung des Abends, als die Frau im Schlafzimmer Sadomaso-Utensilien gesehen habe. Als sich der Mann auszog, sei sie ob seiner grossen Penispiercings erschrocken und habe gesagt, sie wolle gehen. Er habe ihr dies verboten und gedroht, als Arzt wisse er, wie er sie zum Verschwinden bringen könne. Darauf habe er die Zimmertür zugesperrt und sie ans Bett gefesselt. Der Oral- und Geschlechtsverkehr habe gegen ihren Willen stattgefunden. Sie habe sich aus Angst nicht vehementer gewehrt.

«Sie fühlte sich hilflos wie eine Marionette», sagte die Staatsanwältin vor Obergericht. Sie forderte eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf fünf Jahre. Der Arzt habe nicht nur einmal entschieden, rücksichtslos seine Lust zu befriedigen, sondern abends und frühmorgens nochmals. Die heute 34-jährige Frau, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien aussagte, leidet laut ihrer Anwältin unter Angstzuständen.

«Krasses Fehlurteil»

Der Verteidiger des Beschuldigten unterstellte dem Bezirksgericht ein «krasses Fehlurteil» und forderte einen Freispruch. Er stellte die Frau als Lügnerin dar und verwies darauf, dass sie wegen Gewalt und Drohung gegen einen Buschauffeur vorbestraft sei.

Schon damals habe sie gelogen und sich selber Verletzungen zugefügt. Das habe sie auch getan bei den Schürfspuren, die nach der Nacht beim Arzt an ihren Handgelenken festgestellt worden waren. Sein Mandant hingegen sei ein integrer Mensch. Dass er Sadomaso-Vorlieben habe, sei in seinem Onlineprofil ersichtlich gewesen.

Der Beschuldigte, der mit seiner Frau vor Gericht erschien, sagte, dass er sich nichts zuschulden habe kommen lassen. Ungeschickt gewesen sei nur, dass er die Sadomaso-Utensilien aus einer früheren Beziehung nicht entsorgt habe. Das Gericht glaubte diesmal dem Mann. Es sprach ihn frei und gewährte ihm eine Genugtuung von 20 000 Franken.

Zwar habe die Frau glaubhaft den Ablauf des Abends und die sexuellen Handlungen geschildert. Als es aber darum ging, dass sie eingesperrt war und wie ihr gedroht wurde, seien ihre Aussagen wenig glaubwürdig bis «völlig übertrieben» gewesen, sagte der Gerichtsvorsitzende.

Sie hätte per Telefon, das sie bei sich hatte, die Polizei alarmieren oder das Zimmer verlassen können, als der Arzt auf der Toilette war. Ein weiterer Richter ergänzte, dass er in anderen Fällen Opfer erlebt habe, die unfähig waren, Widerstand zu leisten. Hier sehe er aber grosse Unterschiede. Er teile die Einschätzung, dass die Vorinstanz ein Fehlurteil gefällt habe.

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