Limmattal

Vergewaltigung der Ex-Freundin doch noch akzeptiert

Der Berufungsprozess am Obergericht Zürich dauerte nicht lange: Der Angeklagte mochte nicht mehr prozessieren.

Der Berufungsprozess am Obergericht Zürich dauerte nicht lange: Der Angeklagte mochte nicht mehr prozessieren.

Ein Limmattaler IT-Manager hat laut Anklage seine Ex-Freundin in seine Wohnung entführt und dort vergewaltigt. Nun akzeptierte der Ökonom den Schuldspruch des Bezirksgerichts Dietikon – und eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

Am Montag fand am Obergericht einer der kürzesten Berufungsprozesse der letzten Jahre statt. Dafür sorgte die heute 36-jährige Hauptfigur der Verhandlung. Der beruflich erfolgreiche IT-Manager zog in einer kurzen Erklärung alle seine Anträge zurück und akzeptierte damit ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Dietikon. Er sei zwar unschuldig, aber aufgrund der nervlichen Belastung nicht mehr imstande, weiter zu prozessieren, erklärte er.

Schuldsprüche rechtskräftig

Damit wurden die Dietiker Schuldsprüche und die Strafe vor Obergericht rechtskräftig. Demnach wurde der Schweizer Beschuldigte wegen Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Entführung und weiteren Delikten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Sechs Monate davon muss er absitzen. Wobei er bereits
29 Tage in Untersuchungshaft verbüsst hat. Zudem muss er seiner Ex-Freundin ein Schmerzensgeld von 10 000 Franken sowie eine Prozessentschädigung von 22 000 Franken bezahlen.

Das überraschende Verhalten des Beschuldigten war wohl auch damit zu erklären, da die Staatsanwaltschaft eine erheblich härtere Strafe von dreieinhalb Jahren verlangte. Mit dem Risiko für den Beschuldigten, für mehrere Jahre hinter Gittern zu verschwinden. Mit dem Dietiker Entscheid kann er hingegen die verbliebenen fünf Monate in Halbgefangenschaft absitzen und damit tagsüber weiter in seinem Job arbeiten.

Das Bezirksgericht Dietikon hat die Vorwürfe im April 2013 als erwiesen erachtet. Demnach hatte der IT-Ökonom im August 2010 seine Ex-Freundin mit seinem Auto vom Kanton Basel an seinen Limmattaler Wohnort entführt und dort für mehrere Stunden eingesperrt. Dabei zwang er die um vier Jahre jüngere Geschädigte gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr. Nach der Vergewaltigung forderte er sie auf, ihren neuen Freund anzurufen und mit diesem die Beziehung zu beenden. Allerdings ohne Erfolg. So flüchtete die Frau auf den Balkon und schrie um Hilfe. Was auch eine Anwohnerin beobachtete. Er riss das Opfer zurück in die Wohnung und liess es aber danach frei.

Vor dem Bezirksgericht Dietikon wies der Beschuldigte die eingeklagte Vergewaltigung und die Nebendelikte noch zurück und sprach von einer Racheaktion seiner Ex-Partnerin und der Mutter eines gemeinsamen Kindes. Dieser Version konnte das Gericht aufgrund der übereinstimmenden, plausiblen und glaubhaften Aussagen der Privatklägerin aber nicht folgen. Es ortete vielmehr eine pure Machtdemonstration des Beschuldigten als Tatmotiv. (ATT)

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