Knapp 100 000 Menschen bekennen sich im Kanton Zürich zum Islam. Sie bilden nach den Landeskirchen die drittgrösste Religionsgemeinschaft. Und seit 1995 haben sie mit der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (Vioz) einen Dachverband, der sich für ihre Anliegen einsetzt – mit durchzogenem Erfolg: Von ihren schon vor 20 Jahren erklärten drei Hauptzielen – muslimische Grabfelder, öffentlich-rechtliche Anerkennung, eine «stadtwürdige Moschee» in Zürich – hat sie nur das erste teilweise erreicht.

Anlass zur Vioz-Gründung waren Verhandlungen mit der Stadt Zürich über einen muslimischen Friedhof. Die Muslime waren in vielen vorwiegend ethnisch gruppierten Verbänden und Vereinen organisiert. Um voranzukommen, brauchten sie ein gemeinsames Sprachrohr. Ismail Amin und Hasan Hatipoglu schufen mit der Vioz diesen Ansprechpartner. Sie sind heute noch Ehrenpräsidenten des Dachverbands der Zürcher Muslime.

Doch schon der Weg zum ersten Ziel war lang: Es sollte noch fast zehn Jahre dauern, bis 2004 in Zürich Witikon das erste muslimische Grabfeld eröffnet wurde. Ein weiteres entstand später in Winterthur. «Das galt als Motivation für die Muslime, sich vermehrt für eigene Ziele, aber auch ehrenamtlich für die Gesellschaft zu engagieren», so Vioz-Pressesprecher Muhammad Hanel. Die Vioz wurde auch in schulischen Fragen zum Ansprechpartner von Stadt und Kanton Zürich, etwa wenn es um Fragen zur Teilnahme von Muslim-Kindern an Klassenlagern oder am Schwimmunterricht ging. «Dabei haben die Vioz und die Muslime immer eine Offenheit und Flexibilität gezeigt, die diejenigen erstaunen mag, die ihr Islambild erst nach dem 11. September abgespeichert haben», sagte Elmar Ledergerber, seinerzeit Zürichs Stadtpräsident, anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Vioz 2005.

Damals hatte die Vioz gerade eine Grundsatzerklärung veröffentlicht: Der Verband bekannte sich darin zur Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, zu den Menschenrechten und zur Gleichstellung der Geschlechter. Das Dokument ist Ausdruck davon, dass sich islamische Organisationen seit den Terroranschlägen in New York vom 11. September 2001 immer wieder zur Abgrenzung von terroristischem Gedankengut genötigt sahen.

Rückschlag in Schlieren

Auch in der Debatte um muslimische Grabfelder erlitten sie 2013 einen Rückschlag: Das Schlieremer Stadtparlament sprach sich gegen die Einrichtung von Muslimgräbern auf dem Friedhof aus. Vioz-Sprecher Hanel wertete dies als Hinweis darauf, «dass Muslime weder tot noch lebendig in unserem Land willkommen sind», wie der «Tages-Anzeiger» nach dem Parlamentsentscheid schrieb.

Auch jetzt wählt Hanel deutliche Worte: Angesprochen auf das Ziel der öffentlich-rechtlichen Anerkennung der Muslime als Religionsgemeinschaft sagt er: «Bevor die öffentlich-rechtliche Anerkennung zu erlangen ist, hat die gesellschaftspolitische Anerkennung einen bestimmten Grad der wohlwollenden Akzeptanz zu erreichen. Davon sind wir im Augenblick weit entfernt. Vielmehr nimmt die gesellschaftliche Bereitschaft, eine muslimische Gemeinschaft öffentlich-rechtlich anzuerkennen, drastisch ab.» Der Vioz-Sprecher geht davon aus, dass es wohl noch Jahrzehnte dauern dürfte, bis dieses Ziel zu erreichen sei. Im Hinblick auf den Bau einer «stadtwürdigen Moschee in Zürich», mit dem Ziel, «Muslime aus den Hinterhöfen zu holen» – so Hanel – ist die Vioz ebenfalls nicht vorangekommen. «Bislang konnten weder ein geeigneter Bauplatz noch die finanziellen Ressourcen gefunden werden, die einen unabhängigen Betrieb garantieren könnten», sagt Hanel.

Dennoch lässt es sich die Vioz nicht nehmen, ihr Jubiläum am Samstag mit einem Festakt in Zürich zu feiern. Dabei sein wird auch Stadtpräsidentin Corine Mauch. Auf Anfrage erklärt sie: «Besonders für den interreligiösen Dialog und für die Integration ist die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Vioz wertvoll.» Und: «Wir wollen die verbindliche und gute Partnerschaft mit der Vioz auch in Zukunft weiterpflegen, genau so, wie wir es auch mit allen anderen Bevölkerungsorganisationen in Zürich tun, denn die muslimische Bevölkerung ist Teil unserer Stadt.»