Die Berichterstattung über die Flüchtlingsströme hat in der Schweiz viele Menschen aufgerüttelt: Das Schweizerische Rote Kreuz Kanton Zürich spricht ob all der von privater Seite eingegangenen Hilfsangebote von einer «überwältigenden Solidarität». Caritas Zürich hat angesichts all der Anfragen, wie man sich denn am besten einbringen könne, einen Online-Leitfaden «Flüchtlingen helfen» erarbeitet (Geldspenden für konkrete Projekte oder – langfristige – Freiwilligeneinsätze).

Auch einer Gruppe von sechs Zürchern, die nun den Verein «Homeasyl» gegründet haben, ging es ähnlich: Das Thema «Flüchtlinge» sei in allen Medien dauerpräsent gewesen, heisst es auf deren Facebook-Profil. Auch in ihren Gesprächen im persönlichen Umfeld seien immer wieder die Flüchtlingsströme thematisiert worden. Und immer wieder sei dabei auch die Frage aufgeworfen worden, dass man da doch irgendwie helfen können müsste.

Mit dem Verein «Homeasyl» wollen die sechs Personen nun unter dem Motto «Solidarität statt Fremdenhass» im Kanton Zürich private Wohnmöglichkeiten an Flüchtlinge vermitteln. «Auf dem ‹freien› Wohnungsmarkt haben sie keine Chance», halten die Initianten fest. Deshalb setzen sie nun auf privates, unkompliziertes Engagement, um insbesondere zu Wohnraum für Personen zu kommen, die in der Schweiz bleiben dürfen: «Wir lassen die Behörden aus und reduzieren das Bürokratische damit auf das bei allen Vermietungen Übliche.»

Eine Art Tauschbörse

Das Konzept an sich ist simpel, wie die sechs Zürcher auf ihrer Internetseite «homeasyl.ch» festhalten: «Ziel ist, Menschen mit Wohnraum mit Menschen ohne Wohnraum zusammenzubringen», und dies «möglichst einfach», heisst es lapidar. Sie haben deshalb eine Art «Tauschbörse» programmiert: So können sich nun auf der Vereinsseite einerseits Flüchtlinge über ein Online-Formular in eine Datenbank eintragen, andererseits können sich Personen melden, die in ihrer Wohnung ein Zimmer untervermieten können oder gleich eine ganze Wohnung zu vermieten haben. Die Vereinsmitglieder bringen die beiden Seiten dann zusammen und sind bei Bedarf auch für einen Übersetzer besorgt.

Der Verein «Homeasyl», der in der kommenden Woche über seine Ziele und Absichten informieren will, versteht sich dabei laut den Angaben im Internet als Vermittler. Weitere Dienstleistungen – etwa juristische Beratungen, Unterstützung bei Gängen zu einem Amt oder auch Hilfe beim Umzug – bietet er nicht an. Sein Angebot sei «kein Ersatz für staatliche Aufgaben».

Denn hinter «Homeasyl» stünden Einzelpersonen, die ehrenamtlich im Rahmen ihrer zeitlichen Ressourcen tätig seien. «Wir wollen uns einfach aktiv für die private Unterbringung von Flüchtlingen einsetzen», heisst es. Und: «Unsere Arbeit basiert auf Solidarität und Menschlichkeit, wir wollen direkt mit den Menschen etwas erreichen.»

Der Verein «Homeasyl», der nur im Kanton Zürich tätig sein will, appelliert auch an die Eigenverantwortung der potenziellen Vermieterinnen und Vermieter: «Homeasyl informiert und vermittelt, für alle weiteren Aspekte sind Sie selbst verantwortlich», betonen die Initianten auf ihrer Internetseite. Und sie verweisen darauf, dass der Wohnraum nicht primär aus finanziellen Interessen zur Verfügung gestellt werden sollte: «Wir gehen davon aus, dass Sie aus Solidarität mitmachen.» (AZ)