«Eine gefühlte Million Kostüme», sagt die Leiterin des Fundus, Doris Gugolz. Tatsächlich könnte man mit den Kleidern wohl über 100000 Darsteller auf einmal ausstatten. «Wir haben ein paarmal zu zählen begonnen, aber fertig geworden sind wir damit nie», sagt Gugolz.

Im Opernhaus selber wird nur gelagert, was gerade für die Aufführungen benötigt wird, Raum für mehr ist dort nicht. Der Rest kommt nach Neu-Oerlikon in den grossen Fundus. Doch auch hier ist Platz Mangelware. Mehr davon erhofft sich die Kostümabteilung nach dem Verkauf vom kommenden Samstag: Rund 900 komplette Kostüme und 2000 Kostümteile - darunter 180 Helme - suchen dann auf der Studiobühne nach neuen Besitzern.

Nicht alles davon ist allerdings alltagstauglich. Zum Beispiel das rote Lackkleid für die Dame, ein Stück aus Giuseppe Verdis «Il Corsaro». «In dieser Inszenierung hatten wir Wasser auf der Bühne», erinnert sich Verena Giesbert, Kostümdirektorin des Opernhauses. Die Solistin und der Chor trugen die Lackkleider und warfen sich damit in die Fluten.

Fast alles sind Massanfertigungen

Oder das paillettenbesetzte Outfit für den Herrn, in Silber und Blau. Wer sich darin auf die Strasse wagt, dürfte für den Geist Liberaces gehalten werden. Ein paar der dunklen Mäntel würden sich hervorragend eignen, um im Keller eine schwarze Messe zu veranstalten. Und die Papierröcke, die gar nicht aus Papier sind, eignen sich kaum für Businesstermine. Dabei handelt es sich übrigens um einige der wenigen Stücke, die es nie bis auf die Bühne geschafft haben: «Es war schade, das Material stammt aus der Raumfahrt und hat bei Bewegungen zu laut geraschelt», erinnert sich Giesbert.

Die jeweilige Grösse der Teile hängt von den Massen der Trägerin ab. «Fast alles sind Massanfertigungen», sagt Giesbert. Rund 1500 Kostüme pro Jahr stellt ihre Abteilung her. Die Entwürfe dafür stammen von den Kostümbildnern der jeweiligen Inszenierungen. «Und die wollen natürlich am liebsten ihre eigenen Ideen umsetzen und nicht nur auf alte Kostüme aus dem Fundus zurückgreifen», so Giesbert.

Die nun zum Verkauf stehenden Teile füllen 85 Garderobenständer. Am Donnerstag werden sie ins Opernhaus transportiert, achtmal wird der Laster hin- und herfahren müssen. Die Preisschilder sind bereits an den Stücken angebracht. Zwischen 10 und 180 Franken muss hinblättern, wer ein Originalstück sein Eigen nennen will. Accessoires sind bereits ab einem Franken zu haben. Auch 300 Stoffreste sind als Coupons käuflich zu erwerben, dazu 43 Ballen.

Theatergruppen als Kunden

Doch nicht nur damit lässt sich Neues kreieren. «Einige Leute kaufen ein Kleid nur wegen des Stoffes und arbeiten es komplett um», erzählt Verena Giesbert. Es könne schon mal sein, dass der Wert des Stoffes allein den Preis bei weitem übersteige. Überhaupt gebe es den typischen Kunden oder die typische Kundin nicht. «Einige kaufen etwas, ohne es jemals tragen zu wollen.» Ballettschulen decken sich mit Kostümen für künftige Aufführungen ein, Theatergruppen suchen ebenso nach Stücken wie Einzelpersonen mit einem Hang zur Nostalgie. Denn gerade die historischen Teile, die Capes, Mäntel und Röcke, sucht man vergeblich bei H&M und Zara.

Und wie geht man vor, wenn man sich am Kostümverkauf eindecken will? «Man sollte sich Zeit lassen, um die Sachen anzuprobieren», rät Doris Gugolz. Schliesslich ist keine Konfektionsgrösse angeschrieben. Angestellte der Kostümabteilung sind bei der Anprobe behilflich. «Vor allem Fantasie sollte man mitbringen», findet Verena Giesbert. Und in Eile darf man auch nicht sein. Denn der Andrang bei den Interessenten ist meist gross, hinein darf immer nur eine bestimmte Anzahl Leute. Der Rest stellt sich draussen an. Und bezahlt werden kann nur in bar.