Opfikon

Verdachtsmeldung: IV geht dem Fall der Stadträtin Beatrix Jud nach

Beatrix Jud, abgebildet auf der Homepage ihres Treuhandbüros

Beatrix Jud, abgebildet auf der Homepage ihres Treuhandbüros

Für Beatrix Jud, die Sozialvorsteherin von Opfikon wird es eng. Sie gibt sich als Powerfrau aus, verdient viel Geld, bezieht eine IV-Rente und streitet das gegenüber dem «Tages-Anzeiger» ab.

Beatrix Jud ist der neuste Fall einer rechtsbürgerlichen Politikerin, die hohe Sozialquoten kritisiert, gerne mit dem Finger auf andere zeigt und es selber mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. 

Jud, Sozialvorsteherin von Opfikon, kassiert selbst eine volle IV-Rente. Dies obwohl sie offenbar fähig ist, ihr Amt als Sozialvorsteherin auszufüllen. Dies allein wäre nicht verwerflich, wenn sie die Vorgänge um ihre IV-Bezüge von Anfang an transparent gemacht hätte. Das hat sie aber nicht getan. Im Gegenteil: Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» stritt Jud ab, bei der IV angemeldet zu sein. Später schickte sie ihren Mann, den Baselbieter SVP-Landrat Paul Wenger vor, um die Sache zu klären. Dieser bestätigte die IV-Bezüge seiner Frau, betonte aber, diese kompensierten die Verdienstausfälle von rund 200'000 Franken pro Jahr aus der Tätigkeit als Treuhänderin, die Jud komplett delegiere. Die IV sei stets über alle Beschäftigungen seiner Frau im Bild gewesen und diese seien abgesegnet gewesen. 

Dumm nur: Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» gab Jud vor der Konfrontation mit den Recherchen an, sie arbeite 60 bis 80 Prozent als Treuhänderin in ihren Firmen und betreue Kunden. Dazu komme das 30- bis 40 Prozent-Pensum als Opfiker Stadträtin. 

«Jede Verdachtsmeldung löst eine interne Abklärung aus»
Alfred Heer, Präsident der SVP des Kantons Zürich, deren Opfiker Sektion Jud vergangenen Herbst ausgeschlossen hatte, fordert, dass die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA) diesem Widerspruch nachgeht. «Die IV muss prüfen, ob Jud nicht vielleicht nach anfänglich tatsächlicher Invalidität diese Treuhandtätigkeiten wieder aufgenommen und allenfalls Einnahmen verheimlicht hat», sagt Heer auf Anfrage von watson. Wenn die SVA das nicht tue, untergrabe der Fall Jud die Glaubwürdigkeit der IV. 

SVA-Sprecherin Daniela Aloisi kann aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht auf den konkreten Fall eingehen, sagt aber auf Anfrage: «Jede Verdachtsmeldung löst eine interne Abklärung aus. Wenn diese sich aus einem Medienbericht ergibt genauso wie wenn sie aktiv per Telefonanruf, Email oder Post geäussert wird.» 

Die Diskrepanz zwischen den Angaben von Beatrix Jud und ihrem Mann gegenüber dem «Tages-Anzeiger» zu Juds Treuhänder-Tätigkeit dürften als eine solche Verdachtsmeldung gelten.

Die SVP will sie nicht mehr haben

Es ist nicht das erste Mal, dass Jud massiv in die Kritik gerät, weil sie ihr Privatleben auch in für das politische Leben relevanten Teilen nicht diskutieren will. Vergangenes Jahr trat Jud aus der SVP-Fraktion aus. Sie bezeichnete den Ortsvorstand als «intransparenten Herrenclub mit unzumutbarer Kommunikation». Tatsächlich trennte sich die SVP von ihr und zwar unter anderem, weil Jud nie überzeugend darlegen konnte, dass ihr Lebensmittelpunkt in Opfikon liegt, wie es die Gemeindeordnung verlangt. Sie habe den Lebensmittelpunkt vielmehr ins steuergünstige Reinach (BL) in das Wohnhaus ihres Ehemannes verlegt. 

Nach ihrem Ausscheiden aus der SVP Opfikon stellte Jud einen Antrag auf erneute Parteimitgliedschaft in der SVP Zürich. Diese wird sie nicht erhalten. Wenn eine Ortssektion ein Mitglied ausgeschlossen hat, dann ist das letzte Wort gesprochen, der Antrag ist schubladisiert worden, sagt Heer.

Beatrix Jud war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. 

Meistgesehen

Artboard 1