Noch dient der Münsterhof als Parkplatz. Doch damit soll ab 2014 Schluss sein. Dann wird vollzogen, was als «historischer Kompromiss» seit den 1990er-Jahren für viel Streit in Zürichs Verkehrspolitik sorgte: Der Münsterhof inmitten der Altstadt wird autofrei, die 55 Parkplätze werden vom Platz ins Parkhaus Opéra respektive in die Fraumünsterstrasse verlegt. Jetzt haben das Stadtzürcher Tiefbauamt und Stadtentwicklung Zürich bekannt gegeben, wie der Platz künftig genutzt wird - und wie er aussehen soll.

Weihnachtsmarkt und Kunst

Die Stadt will den Münsterhof als Kulturplatz positionieren, wie es in einer Mitteilung heisst - und zwar mit Veranstaltungen an bis zu 100 Tagen pro Jahr. Laut Konzept soll der Platz im September und Oktober jeweils während rund 50 Tagen im Rahmen des Projekts «Gasträume» als temporärer Ausstellungsort für Kunst im öffentlichen Raum dienen. Angedacht ist weiter ein 30-tägiger Weihnachtsmarkt.
Zudem sieht das Konzept vor, den Platz während 5 Tagen Anfang Mai für das Festival «Zürich tanzt» und während 5 Tagen Anfang Juni für Aufführungen im Rahmen der Zürcher Festspiele zu nutzen. Ausserdem sollen Sechseläuten, Züri Fäscht, Opernübertragungen während der Zürcher Festspiele, der Aktionstag Zürich Multimobil und der Silvesterlauf weiterhin auch auf dem Münsterhof stattfinden.

«Wir wollen kulturell hochstehende Events», fasst Anna Schindler, Direktorin von Stadtentwicklung Zürich, das Nutzungskonzept zusammen. Dabei solle in jeder Jahreszeit ein Schwerpunkt gesetzt werden - im Frühling mit «Zürich tanzt», im Frühsommer mit den Zürcher Festspielen, im Herbst mit dem Kunstprojekt «Gasträume» und im Winter mit dem Weihnachtsmarkt.

Welche Veranstaltungen künftig nicht mehr auf dem Münsterhof stattfinden sollen, ist laut Schindler offen. Bei Anwohnern und Vertretern der an den Platz angrenzenden Geschäfte seien besonders Fasnachtsveranstaltungen, das Mittelalter-Spektakel und Public Viewings im Rahmen der Euro 08 auf Kritik gestossen. In fünf Workshops konnten Anwohner und Vertreter des Gewerbes ihre Ideen für die künftige Platzgestaltung einbringen.

Boulevardgastronomie an zwei Ecken

Die bauliche Umgestaltung beschränkt sich auf ein neues Pflaster, die Installation eines Brunnens, Sitzgelegenheiten, Beleuchtung und eine kleine Baumgruppe. Die Stadt rechnet mit Kosten in Höhe von 4,4 Millionen Franken. Boulevardgastronomie ist an den Platzzugängen bei der Storchengasse und an der Waaggasse vorgesehen.

Die Bauarbeiten beginnen gemäss Mitteilung voraussichtlich im vierten Quartal 2014 und dauern etwa neun Monate. Voraussetzung für ihren Start ist der Abschluss der laufenden Sanierung der Fraumünsterstrasse. Auch gilt es noch abzuwarten, bis eine rechtskräftige Baubewilligung vorliegt. Angesichts der langjährigen Vorgeschichte der Befreiung des Münsterhofs vom Autoverkehr sind Rekurse nicht auszuschliessen.

Karolingische Kultstätte

Dass archäologische Funde die Umgestaltung verzögern könnten, ist laut Stadtarchäologie eher unwahrscheinlich, da die Bauarbeiten nur die Oberfläche des Platzes betreffen.

Allerdings werde unmittelbar vor der Aussenmauer des Fraumünsters eine der ältesten karolingischen Kultstätten in Form einer Rundmauer vermutet, so Schindler. Grosse Bedenken im Hinblick auf den Umbau des Platzes habe sie deswegen aber nicht.