In zwei bis drei Jahren sollen Velofahrer vom Sihlquai her durch den Stadttunnel unter dem Hauptbahnhof zur Europaallee radeln können. Dies aber nur dann, wenn bei der ab Freitag beginnenden öffentlichen Planauflage keine Einsprachen eingehen. Diese wurde gestern in den amtlichen Meldungen des Tagblattes der Stadt Zürich angekündigt und dauert 30 Tage. Wie Pio Sulzer, Sprecher des Tiefbauamtes der Stadt Zürich, auf Anfrage mitteilt, ist bezüglich Baubeginn derzeit noch nichts spruchreif. Der Termin hänge von allfälligen Einsprachen ab.

Der Ausbau des Tunnels unter dem Hauptbahnhof, der Kreis 5 und 4 miteinander verbinden soll, könnte bis zu drei Jahre dauern. Im 25 Meter breiten Tunnel, der parallel zur Fussgängerpassage Sihlquai von der Konradstrasse im Kreis 5 zur Sihlpost verläuft, soll zudem ein Veloabstellplatz für rund 1800 Fahrräder eingerichtet werden. Die Inbetriebnahme der «Velostation Süd» soll planmässig diesen Sommer erfolgen. Zumindest so viel verrät Sulzer: «Vom Tunnel aus kann in die Veloabstellanlage eingebogen werden.»

Der jüngste Wurf zum Ausbau des Stadttunnels aus der Feder des städtischen Tiefbauamtes ist bei weitem nicht der erste. Vor einem Vierteljahrhundert wurde der Tunnel gebaut, um die A1 und die A3 unterirdisch miteinander zu verbinden. 2011 prüfte das Tiefbauamt den Ausbau des 191 Meter langen Schlauches zu einem Veloweg. Geplant war seine Inbetriebnahme auf Ende 2014. Der Ausbau stand damals in Abhängigkeit zu den Bauarbeiten an der Durchmesserlinie Löwenstrasse. Die Betonröhre diente damals als Zufahrtsstrasse zur Baustelle. Das Projekt Velotunnel aber wurde nach Fertigstellung der Durchmesserlinie wieder hinausgeschoben.

Dasselbe wiederholte sich im vergangenen Jahr. Damals plante das Tiefbauamt, mit dem Velotunnel-Ausbau 2018 zu beginnen. Wie Tiefbauamt-Sprecher Sulzer gegenüber dieser Zeitung sagte, plante das Tiefbauamt, das Projekt bereits im Sommer 2016 öffentlich aufzulegen. Auf Anfrage relativiert Sulzer die Verzögerung aber: «Das Mitwirkungsverfahren hat tatsächlich im ersten Semester 2016 stattgefunden. Mit der Planauflage findet nun die Möglichkeit zur Einsprache statt.»

Carparkplatz ist kein Hindernis

Dass es beim besagten Ausbau des Tunnels zu einer Verbindung für Velos seit 2011 dennoch immer wieder zu Verzögerungen kam, begründet Sulzer damit, dass die vielen Bauprojekte rund um den Hauptbahnhof aus «Gründen der Abhängigkeit und Baulogistik» nacheinander hätten gebaut werden müssen. Konkret sind damit die Velostationen beim Europaplatz und der Kasernenstrasse gemeint. Deren Umsetzung wiederum war abhängig von SBB-Bauprojekten. Konkret handelte es sich um den Ausbau der Sihlquai-Passage und den Aufgang zur Europaallee.

Doch nun ist erneut ein anderes Bauprojekt parallel zum Stadttunnel geplant: Die Stadt will den angrenzenden Carparkplatz sanieren. Gemäss Sulzer sollte es jedoch zu keinen Überschneidungen kommen: «Die beiden Projekte grenzen auf der Seite Sihlquai aneinander und werden an der Schnittstelle koordiniert», so Sulzer.

Nach der nun aktuellen Planauflage, die vom 19. Mai bis zum 19. Juni dauert, erfolgt laut Sulzer die Projektfestsetzung. Zurzeit sei der Stadtrat in der Erarbeitung eines Kostenvoranschlages für den Velotunnel. Basierend darauf erfolgt die Kreditweisung zuhanden des Stadtrates. Erhalten all diese Stationen des langwierigen Velotunnel-Bauvorhabens grünes Licht, fährt der Stadtzürcher wohl 2020 mit seinem Zweirad unter dem Hauptbahnhof durch.