Zürich

Velostation ist ein Misserfolg — trotz schlechter Auslastung plant Stadt weitere Abstellplätze

Die Stadt Zürich plant trotz der schlechten Auslastung der Velostation weitere Abstellplätze. (Themenbild)

Die Stadt Zürich plant trotz der schlechten Auslastung der Velostation weitere Abstellplätze. (Themenbild)

Der Zürcher Hauptbahnhof eröffnete vor zwei Jahren die 14 Millionen Franken teure Velostation. Doch die Mehrheit der Abstellplätze ist heute leer. Trotz der kleinen Nachfrage plant die Stadt Zürich Hunderte weitere überdachte Plätze für Velos.

Vor zwei Jahren öffnete die unterirdische Velostation beim Europaplatz ihre Türen. Dabei griff die Stadt für das Projekt tief in die Tasche: Rund 14 Millionen Franken kostete das Veloparkhaus. Die Mehrheit der 1600 Abstellplätze beim Hauptbahnhof steht jedoch leer. Wie die «NZZ» in einem Bericht schreibt, bleibe die Nachfrage nach den unterirdischen Abstellplätzen bis heute tief. Anfangs lief der Verkauf der Abos zwar gut an. In den ersten Wochen haben knapp 500 Velofahrer ein solches Abo gelöst. Laut Angaben des Tiefbaudepartements ist die Auslastung durch Monats- und Jahresabos seither aber relativ konstant um die 55 Prozent geblieben. 

Nun will die Stadt auf die geringe Nachfrage reagieren. Um eine bessere Auslastung der Velostation Europaplatz zu erreichen, werde zurzeit tieferen Preise geprüft, teilt das Tiefbauamt der «NZZ» mit. In den nächsten Wochen werde entschieden, um wie viel die Preise gesenkt werden sollten. 

«Es muss halt schnell gehen»

Tatsächlich dürfte die Preise für ein Abstellplatz der Grund für die schlechte Nutzung sein. Heute kostet ein Platz zwei Franken pro Tag und 180 Franken das Jahresabo. Ganz anders sieht es bei den 1500 oberirdischen Gratisplätzen neben der Sihlpost und bei der Postbrücke aus. Die Veloständer sind meist überfüllt und weil viele Pendler keinen Platz mehr finden, stellen sie ihre Zweiräder auch an Mauern, Pfosten oder Absperrgittern ab. Sie stehen teilweise im Weg, so dass kaum mehr Platz zum Durchkommen bleibt. «Es muss halt schnell gehen, und dass es nicht kostet, finde ich natürlich auch gut», antwortet eine Frau auf Nachfrage der «NZZ». Die Pendler schätzen, dass sie ihr Fahrrad oberirdisch abstellen können und nicht extra über die Rampe in den Untergrund fahren müssen.

Vor zwei Jahren forderte Markus Knauss, Gemeinderat der Grünen, dass es trotz dem Millionenbau im Untergrund weiterhin Gratis-Abstellplätze geben soll. Die politischen Gegner warfen Knauss danach vor, Klientelpolitik zu betreiben. Knauss will diese Argumente nicht gelten lassen. «Wenn Zürich eine Velostadt werden und das Netto-null-Ziel bis 2030 erreichen will, dann müssen wir froh sein um jeden Velofahrer», sagt der Co-Geschäftsführer des Verkehrs-Club (VCS) Zürich. «Das muss der Stadt auch etwas wert sein.»

Die Pendler schätzen, dass sie ihr Fahrrad oberirdisch abstellen können und nicht extra über die Rampe in den Untergrund fahren müssen.

Die Pendler schätzen, dass sie ihr Fahrrad oberirdisch abstellen können und nicht extra über die Rampe in den Untergrund fahren müssen.

Die Behörden wollen an der Situation rund um den Europaplatz vorerst nichts ändern. Das Tiefbaudepartement würde sich natürlich wünschen, dass der Fussgängerbereich möglichst frei bleibe und die Velos im dafür vorgesehenen Abstellbereich parkiert würden. Sie möchten aber auch die Kombination von Velo und öV attraktiv bleibt. Das Parkieren von Velos sei deshalb generell erlaubt, wenn für die Fussgänger 1,5 Meter Gehweg frei bleiben und kein Verkehrsschild auf ein Verbot hinweise. 

Im Velotunnel sind 1120 weitere Abstellplätze geplant

Die Stadt Zürich plant trotz der schlechten Auslastung der Velostation weitere Abstellplätze. Am Bahnhof Stadelhofen sollen nach heutigem Planungsstand 850 neue Plätze entstehen. Auf der Südseite des Bahnhofs Altstetten ist eine unterirdische Velostation mit 400 bis 700 Plätze geplant. Und im Velotunnel unter dem Hauptbahnhof, der im Sommer 2024 eröffnet werden soll, sind rund 1120 weitere Plätze für Velos vorgesehen. Der Betrieb und die Preisgestaltung dieser geplanten Stationen seien laut der «NZZ» noch offen. 

Der Gemeinderat hat schon einer Motion der Grünen zugestimmt. Diese verlangt, dass rund um den Bahnhof Stadelhofen künftig ebenso viele kostenlose Abstellplätze angeboten werden wie in der neuen unterirdischen Velostationen. Knauss kündigt zudem an, dass er die Planung des Velotunnels beim HB genau im Auge zu behalten werde. Dort biete sich die ideale Gelegenheit, den oberirdischen Velo-Wildwuchs einzudämmen, sagt der Gemeinderat. 

Autor

Larissa Cathomen

Meistgesehen

Artboard 1