Urban Bike Festival
Velomesse mit Rennen durch die Stadt: «Unser Hauptziel ist es, die Freude am Velofahren zu pushen.»

Die Macher der Solothurner Bike Days wollen ab heute auch Zürich erobern.

Matthias Scharrer
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In der Schiffbauhalle und im Schiffbaufoyer werden mit Holzpaletten Messestände eingerichtet. Auf dem angrenzenden Turbinenplatz steht eine ovale Mini-Velorennbahn neben grossen Zelten. Und im Freitag-Turm strampeln sich Velofahrer auf einem Fahrrad ab, dessen Hinterrad auf Rollen steht; sie wollen sich für ein Velorennen qualifizieren, das unter dem Titel «Cyclocross» am Samstag in Zürich stattfindet. Die Vorboten des Urban Bike Festivals waren schon gestern in Zürich West anzutreffen. Ab heute findet der dreitägige Anlass erstmals statt.

Dahinter steht mit OK-Chef Erwin Flury kein Unbekannter: In den 1990er-Jahren lancierte er in Zürich auf der Landiwiese Freestyle.ch, den inzwischen mangels Sponsoren auf Eis gelegten Grossanlass der Snowboard- und Skaterszene, an dem auch Motocross- und Veloakrobaten waghalsige Sprünge darboten. Flury zählt auch zu den Machern der Solothurner Bike-Days. Nun wagt er wieder den Sprung nach Zürich, um mit dem Urban Bike Festival einen Anlass zu starten, der künftig jährlich wiederkehren soll.

Im Freitag-Turm finden Vorausscheidungen fürs Cyclocross-Rennen statt.
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Auf dem Turbinenplatz steht das Mini-Drome.
Im Schiffbau-Foyer werden Messestände fürs Urban Bike Festival aufgestellt.
Zelte fürs Urban Bike Festival stehen auf dem Turbinenplatz bereit.
Auch die Schiffbauhalle wird ins Urban Bike Festival integriert.
An den Messeständen werden neuste Bike-Produkte präsentiert. (zvg)

Im Freitag-Turm finden Vorausscheidungen fürs Cyclocross-Rennen statt.

Zur Verfügung gestellt

«Die Bike Days in Solothurn sind in den letzten Jahren stark gewachsen», sagt Flury. «Sie sind aber stark aufs Mountainbike ausgerichtet. Die City-Biker, E-Biker – kurz: die urbanen Velofahrer – haben wir damit weniger erreicht», so der gebürtige Bündner. Das soll sich nun ändern – mit einem Festival, das zum einen als Velomesse die neuesten Zweirad-Produkte präsentiert, zum anderen den Stadtraum auf zwei Rädern erobert. Kerngebiet des Festivals sind der Schiffbau und der Turbinenplatz. Nebst den Messeständen der Veloindustrie wird auf dem Turbinenplatz auch der schottische Extrem-Biker Danny MacAskill seine Show präsentieren. Seine Videos wurden auf Youtube zig-millionenfach angeklickt.

Waghalsige Cyclocrosser

Für Samstag versprechen die Veranstalter «das wohl spektakulärste Velorennen, das Zürich je erlebt hat», wie es in ihrer Medienmitteilung heisst. «Waghalsige Cyclocrosser stürzen sich über Randsteine, Treppenstufen hoch und runter, rasen über den Lettenviadukt und die Josefwiese – ein noch nie gesehenes Spektakel», heisst es weiter im Online-Beschrieb des Velorennens. Grundsätzlich kann dabei jeder und jede mitmachen. Voraussetzung ist allerdings, dass man über ein Radquervelo verfügt und sich über die Vorqualifikation, die noch bis Samstagmittag auf dem Turbinenplatz läuft, qualifiziert. Am Rennen nehmen auch Spitzensportler wie die U19-Weltmeisterin im Cross-Country, Nicole Koller, sowie Velokuriere teil.

Festival-Höhepunkte

Das Urban Bike Festival findet vom 1. bis 3. April in Zürich statt. Im Schiffbau und auf dem angrenzenden Turbinenplatz präsentieren rund 50 Aussteller ihre Produkte rund ums Thema urbane Mobilität. Am Samstag (13-13.30h/19-19.30h) und Sonntag (13.30-14h/15.30-16h) zeigt Extrem-Biker Danny MacAskill auf dem Turbinenplatz seine Show. Das Cyclocross-Rennen findet am Samstag zwischen 14 und 17 Uhr zwischen Josefstrasse und Lettensteg statt, der City Ride bricht am Sonntag um 11.30h vom Turbinenplatz zu seiner Tour durch die Stadt auf. (mts)

Gemächlicher gehts am sonntäglichen City Ride zu, der vom Turbinenplatz über den Lettensteg zum Platzspitz, weiter zum Sihlhölzli und via Bullingerplatz wieder zum Turbinenplatz führt. Die Veranstalter hoffen auf Teilnehmer mit möglichst vielfältigen Velos: Hochräder, Liegeräder, Einräder, Tandems sind nebst normalen Velos gefragt. Auch Zürichs Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) will sich zum City Ride in den Sattel schwingen, wie es in einer Mitteilung der Festivalmacher heisst.

«Unser Hauptziel ist es, die Freude am Velofahren zu pushen», sagt OK-Chef Flury. Dazu sollen auch die Teststände auf dem Festivalareal Schiffbau/Turbinenplatz beitragen, an denen Besucherinnen und Besucher verschiedenste Velotypen ausprobieren können. Zudem stehen Attraktionen wie der Pump Track bereit: Auf der Wellenbahn gilt es, den Weltrekord von 7,377 Sekunden pro Runde zu unterbieten. Plant Flury mit dem Urban Bike Festival eine Art Freestyle.ch für Velofans? «Nein, das Bike Festival ist breiter ausgerichtet – für alle», antwortet er. So finden am Samstag und Sonntag auch Laufradrennen für Kleinkinder statt. Flury gibt sich zuversichtlich, dass das Festival künftig jedes Jahr in Zürich stattfindet. Entsprechende Absichtserklärungen vonseiten der Stadt und der Veloindustrie seien vorhanden. «Wir glauben an das Produkt. Velofahren ist in der Stadt ein grosses Thema. Und die Veloindustrie läuft gut», so Flury. Finanziert werde das 500 000-Franken-Budget des Festivals durch Aussteller, Sponsoren und Verpflegungsstände.