Verkehr
Velo-Lobby kritisiert Leuteneggers Radweg-Pläne

Gestern hat der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger aufgezeigt, wie er in den nächsten drei Jahren den Veloverkehr fördern will. Grüne, SP und Pro Velo sind enttäuscht. Nach dem Ja zum Rahmenkredit Velo hatten sie mehr erwartet.

Heinz Zürcher
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Veloförderung à la Leutenegger: Für Linke und Pro Velo nicht genug.

Veloförderung à la Leutenegger: Für Linke und Pro Velo nicht genug.

Keystone

20 Millionen Franken hat die Stadt Zürich für die nächsten 20 Jahre zur Verfügung, um den Veloverkehr zu fördern. Davon sollen 30 Millionen Franken für den Bau von Velostationen und Abstellanlagen verwendet werden. Zur Abstimmung über die Veloinitiative vor einem Monat hatten die Initianten 200 Millionen Franken verlangt. Letztlich obsiegte jedoch der Gegenvorschlag der Stadtregierung. Gestern orientierte Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger (FDP), wofür er in den nächsten drei Jahren einen Teil des Betrags einsetzen will.

Mehr sichere Abstellplätze

Einen Schwerpunkt setzt der Stadtrat bei den Abstellplätzen. So sollen bis 2019 im Stadttunnel unter dem Hauptbahnhof 1100 Plätze entstehen. Die Anlage, die eine Rampe zum Sihlquai und zur Kasernenstrasse beinhaltet, könnte auf 2200 Plätze ausgebaut werden. Bereits im Bau ist eine Velostation beim HB nahe der Europaallee mit 1750 bis 2000 Plätzen. Zudem werden die Abstellflächen bei den Bahnhöfen Hardbrücke und Oerlikon erweitert. In Planung ist eine Velostation für 1000 bis 2200 Zweiräder beim Stadelhofen.

Die Überlegung dahinter: Je mehr trockene und diebstahlsichere Plätze an den Bahnhöfen zur Verfügung stehen, umso häufiger nehmen die Zürcher auf dem Weg zum Bahnhof das Velo statt den öffentlichen Verkehr. Um diesen zu entlasten, will die Stadt Zürich den Anteil der Velofahrer von aktuell 4 Prozent auf 8 Prozent verdoppeln. So lautet im Masterplan Velo die Vorgabe bis ins Jahr 2025.

«Nichts Neues präsentiert»

Das kommunale Velonetz will die Stadt in den nächsten drei Jahren um insgesamt drei Kilometer ausbauen. 1,1 Kilometer sind entlang der Hardturmstrasse geplant. Verbleiben noch 1,9 Kilometer, um diverse kleinere Lücken zu schliessen. «Das sind kurze, aber wichtige Strecken», sagte Leutenegger. Gleichzeitig werde das regionale Netz weiter vorangetrieben. Dieser vom Kanton finanzierte Ausbau soll das Velonetz in den nächsten drei Jahren um zusätzliche 3,8 Kilometer erweitern, unter anderem mit Spuren am Sihlquai und an der Lagerstrasse. Laut Leutenegger würden bei den wenigsten Projekten Parkplätze oder Bäume zum Opfer fallen.

Aus Sicht der Velo-Lobby reichen diese Vorhaben nicht aus. Sie seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung, sagte Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo Zürich. «Aber an den grossen Verkehrsknoten wie beim HB, Bellevue, Escher-Wyss-Platz oder bei der Schmiede Wiedikon wird praktisch nichts gemacht.»

Ähnlich tönt es vom VCS Zürich. «Wirklich Neues wurde nicht präsentiert», sagte Markus Knauss, grüner Gemeinderat und Geschäftsführer des VCS Zürich. «Nur ein einziges Projekt, der Giesshübelsteg, wurde neu erwähnt.» Knauss vermisst auch eine Lösung für die Verbindung über das Gleisfeld. Diese sei von zentraler Bedeutung. Gemäss VCS hat es der Stadtrat verpasst, «dem klaren Bekenntnis des Stimmvolkes zu mehr Veloförderung Ausdruck zu verleihen».

Auch die Stadtzürcher SP zeigte sich unzufrieden mit dem Präsentierten. «Was bereits besteht, wird halbbatzig ausgebaut oder angemalt», schreibt die Partei in einer Mitteilung.

«Wir können nicht zaubern»

Filippo Leutenegger entgegnete, dass manches Nadelöhr nur mit grossem Aufwand zu beseitigen sei. «Beim Bellevue könnte man beispielsweise den Veloverkehr unter der Brücke hindurch führen. Eine solche Lösung müsste man jedoch wegen dem Hochwasserschutz mit dem Kanton diskutieren.» Ideen gäbe es zwar. «Aber wir können die Oberflächen nicht beliebig ändern. Wir können auch nicht zaubern – oder Häuser abreissen.»