Parkplätze
Velo-Doppelstockanlagen ersetzen Abstellplätze

Wer seinen Drahtesel an Bahnhöfen abstellt, sollte den Kopf einziehen

Matthias Scharrer (Text und Fotos)
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Bahnhof Altstetten: Vorsicht beim Parkieren!

Bahnhof Altstetten: Vorsicht beim Parkieren!

Matthias Scharrer

Eine Parkplatzgattung ist vom Aussterben bedroht: Die Rede ist von Veloabstellplätzen an Bahnhöfen, jenen Orten des Wildwuchses, wo man sein Velo neben ein anderes stellt, falls noch ein Plätzchen frei ist, bis dann Dutzende oder Hunderte von Fahrrädern ineinander verkeilt sind und ein kaum zu entwirrendes Wirrwarr von Drahteseln entsteht. Beim Versuch, sein Fahrrad trotzdem wieder herauszuziehen, bricht dann gerne mal ein Velolicht ab, man holt sich dreckige Finger und flucht.

Die Tage dieser Velo-Abstellplätze sind gezählt. Stattdessen kommen zunehmend zweistöckige Gestelle zum Einsatz, mit denen sich Fahrräder stapeln lassen. Neustes Beispiel: Auf der Hardbrücke lässt das Stadtzürcher Tiefbauamt von 1. bis 4. Juli doppelstöckige Abstellanlagen montieren, wie es gestern mitteilte. So kommen zu den bisher 214 Abstellplätzen 162 hinzu. «Wir wollen den Zweiradverkehr als Zubringer zum öV stärken. Dafür braucht es auch gute Abstellmöglichkeiten an den Bahnhöfen», lässt sich Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) in der Mitteilung zitieren. Die neuen doppelstöckigen Abstellanlagen hätten sich an anderen Standorten bewährt.

Für Benützer haben sie allerdings einen Haken: Sie sind eng, wenn sie gut belegt sind; man schlägt sich beim Ein- und Ausparkieren leicht den Kopf oder den Rücken an, bleibt hängen. Die Frage stellt sich: Hat die Stadt bei der Wahl des Modells auch das Kriterium Benutzerkomfort berücksichtigt?

Hardbrücke: Ab 1. Juli werden die Veloabstellplätze durch eine doppelstöckige Anlage ersetzt.

Hardbrücke: Ab 1. Juli werden die Veloabstellplätze durch eine doppelstöckige Anlage ersetzt.

Matthias Scharrer

Auf das Kopf-Anschlag-Problem angesprochen, sagt Tiefbauamts-Sprecherin Evelyne Richiger: «Uns liegen keine Meldungen vor, dass das ein Problem sei.» Und weiter: «Die Nachfrage nach Veloabstellplätzen ist hoch, der Platz ist aber beschränkt.» Dort, wo die Nachfrage besonders hoch und der Platz knapp ist, vor allem an Bahnhöfen, setze die Stadt auf Doppelstockanlagen.

Zürich ist bei dieser Entwicklung in guter Gesellschaft: Landauf, landab sind in Schweizer Städten an Bahnhöfen in den letzten Jahren doppelstöckige Velo-Abstellanlagen entstanden, wie ein Blick auf die Internetseite www.velostation.ch zeigt. Für Jean-François Steiert, Präsident von Pro Velo Schweiz, ist diese Entwicklung schlicht zeitgemäss – im wahrsten Sinne des Wortes: «Der Faktor Zeit ist absolut zentral», so der SP-Nationalrat. In der heutigen Zeit gehe es gerade mittelständischen Pendlern, die per Velo zum Bahnhof fahren und dort auf den Zug umsteigen, um jede Minute. «Das hat zur Folge, dass die Abstellplätze möglichst nahe beim Zug sind.» Und dort aus Platzgründen eben doppelstöckig. «Lieber doppelstöckige als gar keine Veloabstellplätze», sagt Steiert. Allerdings gebe es bei den doppelstöckigen Abstellanlagen durchaus unterschiedliche Qualitäten. «Es gibt Anlagen, bei denen sich das Velo mit wenig Kraftaufwand in den oberen Stock hebeln lässt», so der Pro-Velo-Präsident. «Je besser die Qualität, umso mehr wird die Anlage benützt.»

Weitere Abstellanlagen geplant

Während auf der Hardbrücke eine eher simple Abstellanlage innert vier Tagen montiert wird, ist beim Hauptbahnhof Zürich seit letzter Woche eine aufwendigere Variante im Bau: Die Velostation Süd unter dem Europaplatz wird ab Sommer 2017 bereitstehen und doppelstöckig 1750 überwachte Veloabstellplätze inklusive Reparatur- und Pumpservice, Schliessfächern und Fahrradverleih bieten. Kostenpunkt: 13,5 Millionen Franken. Parkieren wird dort gebührenpflichtig sein.

Und nachdem der stadträtliche Gegenvorschlag zur Velo-Initiative der Grünen vergangenen Sonntag von den Stadtzürcher Stimmberechtigten angenommen wurde, sind weitere neue Velo-Abstellanlagen geplant, etwa beim Bahnhof Stadelhofen. Genaueres dazu werde Stadtrat Leutenegger demnächst an einer Medienkonferenz bekannt geben, hiess es gestern beim Zürcher Tiefbauamt.