Zürich
Velo abgeschleppt: wie Jacqueline Fehr die Beherrschung verlor

Als ihr Velo am Bahnhof Winterthur abgeschleppt wurde, machte die SP-Regierungsrätin ihrem Ärger Luft.

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Von hier wollte sie wie jeden Abend mit dem Velo nach Hause fahren, doch das Velo war weg. Abgeschleppt! (Themenbild)

Von hier wollte sie wie jeden Abend mit dem Velo nach Hause fahren, doch das Velo war weg. Abgeschleppt! (Themenbild)

Keystone

Die Ereignisse liegen schon ein paar Wochen zurück, und sie sind Jacqueline Fehr (SP) heute gar nicht mehr recht. Es war bereits Nacht, als die Zürcher Justizministerin am 25. November am Hauptbahnhof Winterthur eintraf. Von hier wollte sie wie jeden Abend mit dem Velo nach Hause fahren, doch das Velo war weg. Abgeschleppt!

Fehr hatte es am Morgen «ein wenig ausserhalb der Markierungen» abgestellt, wie sie sagt. Weil wegen einer Baustelle an der Rudolfstrasse Parkplätze weggefallen seien, habe es in den Ständern keinen Platz mehr gehabt. Also sei sie wie viele andere ausgewichen. Am gleichen Tag sammelte die Polizei die illegal parkierten Velos ein.

Obschon sie eine Freundin, deren Velo auch abgeschleppt worden war, vorgewarnt hatte, kochte bei Fehr an diesem Abend der Ärger hoch. «Wenn man um 23 Uhr nach Hause kommt und um 6 Uhr wieder los muss und das Velo ist weg, dann kann man schon wütend werden. Und dass ich leidenschaftlich verärgert sein kann, gehört zu meinem Charakter.»

«Nach zwei Tagen habe ich mich entschuldigt»

Schlau wäre es gewesen, sie hätte in diesem Moment die Faust im Sack gemacht, sagt Fehr heute. «Oder ich hätte meine Kritik konstruktiv einbringen können.» Stattdessen setzte sie sich an den Computer und schrieb der Winterthurer Bauvorsteherin und SP-Parteikollegin Christa Meier sowie Polizeivorsteherin Barbara Günthard (FDP) ein geharnischtes E-Mail. Ihren Ärger habe sie extra auf höchster Ebene kommuniziert, um nicht den Eindruck zu erwecken, sie wolle ihre Position nutzen, um Druck zu machen. Sie habe sich als Privatperson beklagt, so Fehr, und darum ihre private E-Mail-Adresse benutzt. Im Ton aber hatte sich Fehr vergriffen – mit dem Resultat, dass die Beschwerde im Stadtrat und darüber hinaus bald die Runde machte. «Nach zwei Tagen habe ich mich bei den beiden Stadträtinnen entschuldigt», sagt Fehr. Diese sagen, die Angelegenheit sei geklärt und beigelegt.

Fehr kann der Sache im Nachhinein auch etwas Positives abgewinnen. Sie habe wieder einmal gemerkt, wie es sich als Bürgerin anfühlt, wenn einen die Behörden massregeln. «In meiner Funktion ist es gut, diese Erfahrung zu machen.»

Ihr Velo hat Jacqueline Fehr jetzt wieder

Auch glaubt sie, dass ihre Kritik nicht ganz an der Stadtverwaltung vorbeigegangen sei. Als kürzlich an der Stadthausstrasse Veloparkplätze für eine temporäre Baustelle aufgehoben wurden, habe die Stadt eben dies weit im Voraus und sehr sichtbar kommuniziert, so konnten sich die Velopendler darauf einstellen. Eine gute Information sei besser, als Velos abzuräumen, sagt Fehr. Bauvorsteherin Christa Meier sagt, man habe Fehrs Beschwerde ernstgenommen, und das genauso wie jede andere Bürgerbeschwerde auch. Gerade für die Baustelle an der Rudolfstrasse habe man allerdings ein sehr gutes Kommunikationskonzept – mit einer eigenen Website, einer Infoveranstaltung, einer Medienmitteilung und Hinweisschildern sei auf den Bauschritt aufmerksam gemacht worden. Die Schilder könne man auf dem Weg zur Arbeit aber auch mal übersehen.

Jacqueline Fehr hat ihr Velo unterdessen wieder. Es wurde auf den Sammelplatz beim Salzhaus gebraucht, wo sie es am Folgetag abholen konnte. (mcl)