Zürich
Vegane Ernährung ist in aller Munde- doch der Fleischkonsum bleibt stabil

Das Interesse am Veganismus scheint immens. In Zürich gibt es Läden, Restaurants und Kochkurse. Der Konsum tierischer Produkte ist aber trotz der veganen Omnipräsenz stabil geblieben.

Nicole Döbeli
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Eva Kelemen, Inhaberin von Eva’s Apples: «Wir haben eine gut durchmischte Kundschaft.»

Eva Kelemen, Inhaberin von Eva’s Apples: «Wir haben eine gut durchmischte Kundschaft.»

Ramona Tollardo

Im Februar kam Philip Hochulis zweites veganes Kochbuch auf den Markt. Innerhalb von zwei Monaten waren die 5000 Exemplare ausverkauft, die nächste Auflage wird nun doppelt so gross erscheinen. Die veganen Kochkurse des Zürchers sind ausgebucht. Auch Anfragen von Privaten und für Anlässe hätten im letzten Jahr massiv zugenommen, sagt Hochuli. Das Interesse an der Ernährungsweise, die auf jegliche tierischen Produkte verzichtet, scheint im Jahr 2013 rasant gestiegen zu sein.

So findet sich heute auf Facebook zu jeder grösseren Schweizer Stadt eine Fanpage nach dem Vorbild «Vegan in Zürich und Umgebung». Darauf tauschen Hunderte Fans Rezepte aus, schwärmen von neu entdeckten Lebensmitteln und verabreden sich zum veganen Brunch.

In der Stadt Zürich sind Anfang letzten Jahres zwei neue Läden eröffnet worden, die nur vegane Produkte anbieten. Zum einen Eva’s Apples am Schaffhauserplatz, zum anderen die Vegelateria an der Müllerstrasse. Eva Kelemen, Inhaberin von Eva’s Apples, zieht eine positive Bilanz nach dem ersten Geschäftsjahr. Ihre Zahlen seien sehr gut, sagt sie. Sie merke, dass die Nachfrage allgemein steige. «Die Leute kommen vermehrt zu uns in den Laden und lassen sich beraten.» Viele der Umsteiger hätten vorher schon jahrelang vegetarisch gelebt und wagten nun den Schritt zum Veganismus. Wie viele ihrer Kunden nur ausprobierten oder tatsächlich umstiegen, kann sie nicht abschätzen.

Die Gründe für den veganen Einkauf unterscheiden sich jedoch: «Wir haben eine gut durchmischte Kundschaft», sagt Kelemen. Sie stellt fest, dass bei den jüngeren Kunden ohne grosses Budget oft die Umwelt und das Tierwohl an oberster Stelle stehen. Bei der älteren, gut situierten Kundschaft gehe es eher um gesundheitliche Aspekte. «Wenn die Detailhändler nachziehen, werden sich unsere Zahlen einpendeln, aber auf einem guten Niveau bleiben», schätzt die vegane Inhaberin.

Auch das vegane Bio-Restaurant Vegelateria freut sich über ein gutes Jahr. Schon im Winter hätten sich die veganen Bio-Glaces gut verkauft, im warmen Wetter rechne er mit noch besseren Zahlen , sagt Inhaber Walter Dänzer. In der kalten Jahreszeit hätten dem Restaurant vor allem die tatsächlichen Veganer die Stange gehalten. Jetzt kämen aber vermehrt Leute aus der Umgebung. Einige reisten auch extra von weiter her an für das vegane Bio-Buffet und das Vegelato, wie etwa ein Paar aus Baden. «Ich glaube, unsere Kundschaft entspricht nicht ganz dem Volksdurchschnitt. Sie ernährt sich sehr bewusst, auch preisbewusst, da wir eher günstig sind», sagt Dänzer. Er sehe ganz allgemein eine klare Tendenz zum bewussteren Konsumieren: «Irgendwann geht jedem ein Licht auf.»

Die Prominenz des Themas in den Medien und im Internet würde vermuten lassen, dass ein grösserer Anteil der Zürcher Bevölkerung mittlerweile bewusst weniger tierische Produkte konsumiert. Dem ist jedoch nicht so. Die Zahlen zum Schweizer Fleisch- und Käsekonsum blieben im Jahr 2013 stabil – schlugen sogar eher nach oben aus. Mike Schneider, Leiter Statistik bei Proviande, überrascht das nicht: «Die Veganer sind sehr aktiv und vermarkten ihre kreativen Ideen gut. Effektiv handelt es sich aber um einen sehr kleinen Prozentsatz der Leute, die ganz auf tierische Produkte verzichten.» Je nach Umfrage zähle man zwischen drei und fünf Prozent Vegetarier, die Veganer dürften wohl weniger als ein Prozent ausmachen.

Ob die Zürcherinnen und Zürcher ihren Konsum der Wahrnehmung doch noch anpassen oder ob es sich bei Veganismus nur um einen kurzfristigen Trend mit grosser medialer Aufmerksamkeit handelt, werden wohl die nächsten fünf bis zehn Jahre zeigen.