Zürich
VBZ tüfteln an neuen Superlinien durch Zürich

Der ÖV wird weiter ausgebaut. Den Verantwortlichen schwebt unter anderem eine teilweise unterirdische Linie vom Balgrist zum Flughafen vor.

Michel Wenzler
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Die neue Linie wäre teilweise unterirdisch – wie heute schon die Trams 7/9 in Schwamendingen.

Die neue Linie wäre teilweise unterirdisch – wie heute schon die Trams 7/9 in Schwamendingen.

Keystone

Unter Druck standen in den vergangenen Monaten vor allem die SBB: Die Züge seien zu oft verspätet, überfüllt und anfällig für Störungen, hiess es immer wieder aus der Bevölkerung und der Politik. Kurz: Es bestehe die Gefahr eines Bahninfarkts. Aber auch der öffentliche Verkehr in der grössten Stadt der Schweiz hat mit Problemen zu kämpfen. «Bezüglich Verlässlichkeit ist der ÖV nicht besser geworden», räumte Guido Schoch, Direktor der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), am Dienstag vor den Medien ein. «Die Pünktlichkeit hat nachgelassen.»

Die VBZ wollen ihr Angebot nun verbessern – und vor allem ausbauen. Sie erarbeiten deshalb eine Strategie für den öffentlichen Verkehr im Jahr 2050. An der Medienorientierung gingen die Verantwortlichen auf mehrere Punkte ein.

Wachstum: Die Bevölkerung in Zürich hat in den letzten Jahren zugenommen. «Wir haben eine wachsende Stadt und ein wachsendes Umland», sagt Stadtrat Michael Baumer (FDP), der den Industriellen Betrieben und somit den VBZ vorsteht. 41 Prozent der Einwohner der Stadt würden mit Bus und Tram fahren. Aber auch Pendler aus dem Umland nutzten das Angebot in der Stadt intensiv. Die VBZ wollen deshalb über die Stadtgrenze hinaus denken und Einrichtungen wie das neue Dienstleistungszentrum The Circle beim Flughafen und den Innovationspark beim Flugplatz Dübendorf einbeziehen.

Eigentrassees: Wolle man weiterhin Leute dazu bewegen, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen, sollte dieser nicht langsamer werden, sondern schneller, sagt Baumer. Erreichen wollen dies die VBZ mit mehr Spuren, die Bus und Trams vorbehalten sind. So kommen sie schneller vorwärts. VBZ-Direktor Schoch bezeichnet diese Eigentrassees als einen der wichtigsten Gründe für das «Zürcher Erfolgsmodell».

Neue Linien: Zudem sollen neue Linien entstehen. VBZ und Stadt denken dabei auch in grossen Würfen. So lanciert Baumer die Idee einer «Forschungslinie». Sie soll das wachsende Spitalquartier Balgrist mit dem Bahnhof Stadelhofen, dem Hochschulquartier und der Uni Irchel verbinden und weitergezogen werden bis nach Oerlikon und zum Circle beim Flughafen. Die Linie würde womöglich teils unterirdisch verlaufen. Sie könnte sogar im Norden mit der Glattalbahn und im Süden mit der Forchbahn verknüpft werden. Das Ziel ist, den Hauptbahnhof als Drehscheibe zu entlasten. Denn Baumer sagt: «Der HB als zentraler Knoten bleibt das Nadelöhr in der Stadt.» Als weitere Ausbaumöglichkeit erwähnt der Stadtrat die Verlängerung der Sihltal-Zürich-Uetliberg-­Bahn. Die Frage sei natürlich, wie sich solche Lösungen finanzieren liessen. Auch ist klar: Nicht nur die Stadt würde zahlen, der Kanton würde wohl einen guten Teil der Infrastruktur mitfinanzieren – und deshalb auch mitreden.

Neue Verkehrsmittel: Den VBZ geht es nicht mehr nur um Bus und Tram. Sie interessieren sich auch für neue Verkehrsmittel, die im Zusammenspiel mit den bisherigen eine Rolle im Stadtverkehr einnehmen können – etwa Carsharing-Modelle, E-Scooter und die Angebote von Uber. Mehrere Parteien haben im Kantonsrat auch eine Seilbahn vom Hauptbahnhof ins Hochschulquartier gefordert. Der Regierungsrat lehnt sie allerdings ab. Skeptisch zeigt sich auch der Stadtrat. «Sie wäre nicht schön fürs Stadtbild, und wir hätten ein weiteres Verkehrsmittel beim HB, den wir entlasten möchten», sagt Baumer. Dennoch: Eine komplette Absage will er der Seilbahn noch nicht erteilen.

Rosengarten: VBZ und Stadt kümmern sich nicht nur um neue Verkehrsmittel, sondern auch um alte Baustellen. Eine davon ist die Situation an der Rosengartenstrasse in Wipkingen nach dem Volks-Nein zu Strassentunnel und Tram. «Das Rosengartentram wäre für die Netzentwicklung 2030 ein zentraler Baustein gewesen», sagt Baumer. Eine gute Feinverteilung zwischen Zürich-Nord und Zürich-West fehle nun. Offen ist, wie es weitergeht. Man arbeite an Lösungen, heisst es. Mehr lassen sich Baumer und Schoch nicht entlocken.

Mitsprache der Bevölkerung: Stadt und VBZ laden für die Entwicklung der ÖV-Strategie 2050 nicht nur Expertenteams ein, sondern suchen auch Rat bei der Bevölkerung. Auf der Website www.vbz2050.ch soll diese bis am 24. März ihre Ideen und Wünsche einbringen. Die ­Plattform richtet sich ausdrücklich auch an Personen ausserhalb der Stadt, die das ÖV-Angebot in Zürich regelmässig benützen.