Seit gestern verfügt Zürich über fünf smarte Tram- und Bushaltestellen. Zwischen Albisriederplatz und Escher-Wyss-Platz sind an allen Haltestellen kostenlose Internet-Hotspots eingerichtet. Die Testphase dauert bis Mitte Juli, wie die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) mitteilen. Dass gerade die Region rund um die Hardbrücke als Testgebiet auserkoren wurde, hänge mit dem dort vorherrschenden grossen Verkehrsaufkommen von motorisiertem Individualverkehr sowie Fahrgästen der VBZ und der SBB zusammen, wie Martin Suter, Leiter Haltestellenmanagement bei den VBZ, auf Anfrage sagt. «Das WLAN soll zudem nicht nur ein Angebot für unsere Kundinnen und Kunden sein, sondern auch ein Angebot für Passanten oder Touristen, die oftmals nicht von einer Flatrate profitieren», so Suter weiter.

Fahrgäste und Fussgänger können im Umkreis von 30 Metern an den Haltestellen Albisriederplatz, Hardplatz, Hardbrücke, Schiffbau und Escher-Wyss-Platz neu das Netzwerk @VBZ anwählen und so kostenlos im Internet surfen. Nach der Anmeldung landet der Nutzer zuerst auf einer VBZ-Website, die Informationen über die nächsten Abfahrten an der entsprechenden Haltestelle bietet, sowie eine Übersicht der Störungsmeldungen anzeigt. Die durch die Internetanmeldung geöffnete Seite bietet ebenso Zugriff auf den Fahrplan, das Online-Magazin und die Stellenbörse der VBZ.

Haltestellen werden smart

Mit diesem Angebot ändern die VBZ ihre Haltung zum Gratis-Internet. Noch 2012 gab es nämlich «keine WLAN-Pläne für die Stadt Zürich». Dies liessen die VBZ vermelden als damals die Baselland Transport AG in den Tango-Trams kostenloses WLAN eingerichtet hatte. Dass sich die VBZ nun doch mit der Digitalisierung ihrer Haltestellen befasst, hat Gründe: «Mit dem Angebot an den Haltestellen möchten wir die Dienstleistungen für unsere Kundinnen und Kunden weiter ausbauen und gleichzeitig den Gedanken der smarten Haltestelle aufgreifen und im Rahmen dieses Pilotprojektes wichtige Erkenntnisse für einen allfälligen Ausbau des Hotspot-Netzes gewinnen», sagt Suter.

So wolle man die heutigen analogen Haltestellen durch digitale Möglichkeiten erweitern und damit das Kundenerlebnis verbessern. Mit dem gestern gestarteten Pilotprojekt wolle man auch eruieren, was die intelligente Haltestelle künftig ausmachen soll. Die stadtinternen Kosten für den zweimonatigen Test betragen rund 50'000 Franken.

ZVV sieht von Wi-Fi ab

Eine Ausstattung der Fahrzeuge mit Wi-Fi prüfte der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) 2012. Aber: «Investitionen wurden bislang keine getätigt», wie ZVV-Sprecher Caspar Frey auf Anfrage sagt. Natürlich verfolge man solche Projekte, wie jene der VBZ oder der SBB, die die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs möglicherweise erhöhen. «Ein verbundweites WLAN in den Fahrzeugen kann aber politisch nicht gerechtfertigt werden, da es sich um eine Nebendienstleistung für die öV-Kunden handelt, die von der Gesamtbevölkerung getragen würde», sagt Frey.

Der ZVV sei für die Erschliessung des Kantonsgebietes durch den öffentlichen Verkehr zuständig. Zudem sei die Netzabdeckung so gut, dass sich Investitionen dieser Grössenordnung nicht lohnen würden, sagt Frey weiter.