Justiz
Vater von Bonstetten: Verwahrung oder nicht Verwahrung?

Der Mann, der im Februar 2010 in einem Winterthurer Hotelzimmer seinen kleinen Sohn ermordet hat, steht heute Dienstag vor dem Obergericht des Kantons Zürich.

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Der Mann aus Bonstetten, der im Februar 2010 seinen Sohn ermordet hat, steht heute vor dem Zürcher Obergericht.

Der Mann aus Bonstetten, der im Februar 2010 seinen Sohn ermordet hat, steht heute vor dem Zürcher Obergericht.

Keystone

Das Obergericht des Kantons Zürich muss darüber entscheiden, ob der Angeklagte im Fall Bonstetten verwahrt wird oder nicht. Sowohl Anklage als auch Verteidigung hatten das erstinstanzliche Urteil angefochten.

Auch auf weitere Fragen müssen die Oberrichter Antworten finden: War der Beschuldigte zur Tatzeit leicht oder doch eher hochgradig schuldunfähig? War es Mord oder vorsätzliche Tötung? Ob das Urteil noch am Dienstag eröffnet wird, ist unklar.

Das Bezirksgericht Winterthur hatte den Schweizer im August 2013 des Mordes schuldig gesprochen und eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren verhängt. Die Bezirksrichter gingen von einer leichten Verminderung der Schuldfähigkeit aus. Von einer Verwahrung, wie der Staatsanwalt sie gefordert hatte, sah das erstinstanzliche Gericht ab. Es sah keine erhöhte Rückfallgefahr gegeben.

Die Verteidigung plädierte auf eine Qualifikation der Tat als vorsätzliche Tötung. Dafür sieht das Schweizerische Strafgesetzbuch (StGB) eine mindestens fünfjährige Freiheitsstrafe vor - eine Obergrenze nennt es nicht. Mord, der besondere Skrupellosigkeit voraussetzt, wird laut StGB mit Freiheitsentzug von mindestens zehn Jahren bis lebenslänglich bestraft.

Weil die Verteidigung zudem eine mittel- bis hochgradige Verminderung der Schuldfähigkeit geltend macht, lautet ihr Strafantrag auf sieben Jahre Freiheitsentzug.

Am Tag vor dem 5. GeburtstagDer heute 65-jährige Beschuldigte war am 26. Februar 2010 mit seinem kleinen Sohn vom Wohnort Bonstetten ZH nach Winterthur gefahren. In einem Hotelzimmer betäubte er das Kind mit einer hohen Dosis Schlafmittel und erstickte es dann mit einem Kissen. Der Bub wäre am nächsten Tag fünf Jahre alt geworden.

Schon 1990 hatte der Mann versucht, seinen erstgeborenen Sohn zu töten. Dieser überlebte, ist seither aber schwer behindert. Beide Taten standen im Zusammenhang mit der Trennung des Mannes und seiner jeweiligen Partnerin.