Blutbad in Zürich-Altstetten
Vater erstochen: Bezirksgericht schickt psychisch kranken Sohn in die Klinik

Ein 28-jähriger Schweizer, der im Dezember 2016 in Zürich-Altstetten seinen Vater erstochen sowie Mutter und Bruder schwer verletzt hatte, wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Dies hat das Bezirksgericht Zürich am Dienstag entschieden. Der Mann hatte ein regelrechtes Blutbad angerichtet.

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Das Bezirksgericht in Zürich. (Archivbild)

Das Bezirksgericht in Zürich. (Archivbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Den Einsatzkräften bot sich ein grausiges Bild, als sie im Dezember 2016 an den Tatort kamen: Der Vater mit zahlreichen Messerstichen getötet, Mutter und Bruder schwer verletzt. Der Sohn, der das ganze angerichtet hatte, blutete ebenfalls stark. Er hatte versucht, sich mit dem Küchenmesser selber die Kehle aufzuschneiden.

Das Bezirksgericht Zürich kam am Dienstag zum Schluss, dass er für diese vorsätzliche Tötung und die mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung aber nicht strafrechtlich belangt werden kann. Es erklärte den Mann wegen seiner psychischen Probleme für nicht schuldfähig und verurteilte ihn zu einer stationären Massnahme nach Artikel 59.

Das Gericht folgte damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die das übereinstimmend gefordert hatten. Der 28-Jährige ohne Berufsausbildung, der bis zur Tat bei seinen Eltern wohnte, wird somit auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

Seit seiner Verhaftung lebt er bereits in der Klinik in Rheinau ZH, wo er eine Therapie absolviert und medikamentös behandelt wird. Es gehe ihm schon viel besser, sagte er. Die Stimmen im Kopf hätten aufgehört.

Kiffen verstärkte den Wahn

Ein Gutachten kam zum Schluss, dass er zum Zeitpunkt der Tat eine akute Psychose einer paranoiden Schizophrenie hatte. Seit seiner Jugend litt er bereits unter Depressionen, wandte sich aber nie an einen Psychologen. Er habe mit niemandem über seinen Zustand reden wollen, sagte er vor Gericht. Heute wüsste er es besser.

Mit den Jahren entwickelte er zunehmend Wahnsymptome, die durch tägliches Rauchen von bis zu zehn Joints verstärkt wurden. Richtig abwärts ging es, als er sich in die Freundin eines Kollegen verliebte. Weil er dies selber unpassend fand, fürchtete er, dass "fremde Leute" Rache nehmen könnten - an ihm und seiner Familie.

Wenige Monate vor der Tat hörte er zwar mit dem Kiffen auf. Dies löste jedoch zusätzlich eine Entzugspsychose aus, die sich in noch stärkeren Wahnvorstellungen äusserte. In der Tatnacht war er dann der festen Überzeugung, dass "die Fremden" seine Familie in den kommenden zehn Minuten entführen und foltern würden.

Dass er mit einem Messer auf Vater, Mutter und Bruder losging, war für ihn ein Zeichen der Liebe: Er wollte seiner Familie einen schnellen Tod ermöglichen, so dass sie nicht leiden müssten. Sich selber wollte er zum Schluss auch umbringen.

Mutter und Bruder stehen zu ihm

Dass er selber die einzige Gefahr war, realisierte er erst einige Wochen später in der Klinik, als die Medikamente zu wirken begannen. "Er brach mehrmals in Tränen aus", sagte sein Anwalt. Auch am Dienstag vor Gericht kamen dem Beschuldigten die Tränen. "Es tut mir unendlich leid." Er hätte nie gedacht, dass er so etwas tun könnte.

Mutter und Bruder, die den Prozess mitverfolgten, haben ihn trotz Tötungsdelikt nicht fallen lassen. Sie besuchen ihn oft in der Klinik. Schadenersatz oder Genugtuung wollen sie nicht.